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Stück für Stück entsteht ein neues Stadtviertel in Bitburg

Morgen ist hier offizieller Spatenstich für die Erschließungsarbeiten. Im Hintergrund die Mötscher Straße von der aus zwei Abbiegespuren in die alte Kaserne gebaut werden.
Morgen ist hier offizieller Spatenstich für die Erschließungsarbeiten. Im Hintergrund die Mötscher Straße von der aus zwei Abbiegespuren in die alte Kaserne gebaut werden. FOTO: Dagmar Schommer
Bitburg. So schnell kann es gehen: Gerade mal fünf Monate hat es gedauert, da war die alte Kaserne im April 2015 komplett vermarktet. Und heute, ein gutes Jahr später ist das Leben zurück in den alten Gemäuern, die verborgen hinter Mauern und Zäunen jahrelang leer gestanden haben. Morgen ist Spatenstich für die neue Zufahrt.

Die Kreissäge läuft. In der Schreinerei wird gearbeitet. Mitte des Jahres hat Willi Notte seinen Betrieb in eine der riesigen Hallen in der alten Kaserne verlegt. "Es ist zwar manches noch ein bisschen improvisiert", sagt der Schreiner. Aber der neue Standort sei für ihn absolut die richtige Wahl. "Das ist einfach ein reizvolles Viertel, das sich vom sonstigen Einerlei abhebt", sagt Notte mit Blick auf die vielen denkmalgeschützten Blocks mit ihren Sandsteinfassaden und den Sprossenfenstern: "Die stehen schon Jahrzehnte und werden auch in 100 Jahren noch so da stehen. Das hat alles eine gewisse Wertigkeit." Für ihn steht außer Frage, dass sich die alte Kaserne "super entwickeln" wird.

Zwei Blocks 2016 bezugsfertig

Tatsächlich ist nach Jahren des Leerstands wieder Leben zurückgekehrt auf dieses Areal, das mit seinen rund zehn Hektar in etwa so groß wie die Innenstadt ist - und von dieser nur eine gute Viertelstunde zu Fuß entfernt liegt.

Eine Lage, die auch die Dignum Immobilien GmbH reizt, die gleich fünf der riesigen Blocks zu einem "Service-, Wohn- und Sozialzentrum" umgestaltet. Geplant sind ein Hotel, Büros, 32 Wohnungen, betreutes Wohnen, eine Kita sowie Gastronomie. Die Kernsanierung von Block 2011, der zum Bürohaus wird, ist in vollem Gange. "Dort sollen noch dieses Jahr zwei soziale und eine Bildungseinrichtung einziehen", sagt Immobilienmakler Hubert Franzen, der die Blocks vermarktet. Im nächsten Schritt wird der Bereich zum Wohnen gestaltet: Dieser Block soll 2018 bezugsfertig sein. Investitionsvolumen: insgesamt rund zehn Millionen Euro. Was den Reiz der alten Kaserne ausmacht, liegt für Franzen auf der Hand: "Der Komplex ist schön angelegt und hat einen besonderen Charme."

Breite mit alten Bäumen gesäumte Alleen verbinden Block mit Block. Der zentral gelegene ehemalige Exerzierplatz ist nun ein Parkplatz und bald ist die Kaserne, die so viele Jahre hinter hohen Mauern verborgen lag, auch besser zu erreichen: Morgen ist offizieller Spatenstich für die Erschließung des Areals.

Für eine halbe Million Euro baut der Zweckverband Flugplatz Bitburg in Kooperation mit der Stadt eine neue Zufahrt, für die auf der Mötscher Straße zwei Abbiegespuren entstehen.

Im Block 2007, den der Zweckverband Flugplatz Bitburg gekauft hat und für 2,3 Millionen Euro saniert, ist der Innenausbau in vollem Gange. Bereits im Oktober sollen das Amt für Kreisentwicklung und das Sozialamt sowie die Geschäftsstelle des Zweckverbands Flugplatz Bitburg dorthin ziehen.

Ein Herz für Oldtimer

Landrat Joachim Streit, der auch Vorsteher des Zweckverbands Flugplatz Bitburg ist, findet es erstaunlich, wie schnell die Vermarktung des kompletten Areals gelungen ist: "Wir hatten ursprünglich dafür vier Jahre eingeplant." Für ihn ist die Kaserne das "größte Denkmal im Eifelkreis". Er sagt: "Diese Gebäude vermitteln einen ganz eigenen Charme und sind einmalig in der Region."

Das schöne Alte zu erhalten ist auch Thema in einer neuen Werkstatt in der alten Kaserne. Alexander Köppen repariert und wartet Oldtimer mit seinem Team. Er gehört zu den Ersten, die vergangenes Jahr sich für den Standort interessiert haben. "Ich wohne nur zwei Kilometer von der Werkstatt entfernt. Ich wollte Ruhe, viel Grün und viel Platz. Das habe ich hier", sagt Köppen, der gerade an einem Porsche 911 Rennwagen aus dem Jahr 1965 arbeitet. Was die Kaserne angeht, ist er überzeugt: "Das wird sich hier sehr gut entwickeln."

EXTRA
Von der Mannschaftsunterkunft zum modernen Wohnen

Gebaut wurde die Kaserne an der Mötscher Straße in den Jahren von 1936 bis 1938 für die Wehrmacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie erst vom luxemburgischen, dann vom französischen und ab 1985 vom amerikanischen Militär genutzt. Im Herbst 2012 ging das Areal zurück an den Bund. Es gibt es 21 Gebäude - darunter ehemalige Mannschaftsunterkünfte, Verwaltungsgebäude, Werkstätten und Lagerhallen. 14 - die Blocks mit Sandsteinfassade - stehen unter Denkmalschutz.

Vermarktet wurde die Kaserne mehr oder weniger auf einen Schlag im ersten Quartal 2015. Elf Bieter haben die kompletten Gebäude für insgesamt 2,8 Millionen gekauft.
Angesiedelt haben sich sieben Firmen: Show Factory Veranstaltungstechnik, BWS Bitburger Wellnessschmiede (Gebäudetechnik, Heizung, Sanitär), Fischer & Pahl Dentallabor), Schreinerei Notte, PLT networks (Automatisierungs- und Steuerungstechnik, Saerge-Gajewski (Bestattungszubehör) und Köppen Karosseriebau. Nun laufen die Bauarbeiten für Büros und Wohnungen.

Hier entsteht ein neues Bürogebäude.
Hier entsteht ein neues Bürogebäude. FOTO: Dagmar Schommer
Die 1936 erbauten Gebäude mit den Sandstein-Fassaden stehen unter Denkmalschutz.
Die 1936 erbauten Gebäude mit den Sandstein-Fassaden stehen unter Denkmalschutz. FOTO: Dagmar Schommer
Überall wird in der alten Kaserne gebaut, gebaggert und gebuddelt.
Überall wird in der alten Kaserne gebaut, gebaggert und gebuddelt. FOTO: Dagmar Schommer
Blick auf einen der riesigen Blocks
Blick auf einen der riesigen Blocks FOTO: Dagmar Schommer
Der Block, in den schon im Oktober Abteilungen der Kreisverwaltung ziehen.
Der Block, in den schon im Oktober Abteilungen der Kreisverwaltung ziehen. FOTO: Dagmar Schommer
So sollen die Wohnungen aussehen, die in einem der Blocks entstehen.
So sollen die Wohnungen aussehen, die in einem der Blocks entstehen. FOTO: Dignum Immobilien GmbH