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Stürmischer Protest gegen Windkraftpläne im Neuerburger Wald - Infoveranstaltung am 13. Oktober

Der Stadtrat hat die Entscheidung, ob Neuerburg Flächen für Windkraftnutzung bereitstellt, auf die nächste Sitzung vertagt. Das Interesse der Bürger an dem Thema ist groß. TV-Foto: Archiv/Friedemann Vetter
Der Stadtrat hat die Entscheidung, ob Neuerburg Flächen für Windkraftnutzung bereitstellt, auf die nächste Sitzung vertagt. Das Interesse der Bürger an dem Thema ist groß. TV-Foto: Archiv/Friedemann Vetter
Neuerburg. Die Stadt Neuerburg kann nach derzeitigem Planungsstand auf stadteigenen Flächen Windkrafträder platzieren. In der jüngsten Stadtratssitzung sollte dazu ein Beschluss gefasst werden. Doch schon im Vorfeld regte sich heftiger Protest von einigen Bürgern. Nun soll es zunächst eine Informationsveranstaltung geben. Stefanie Glandien

Neuerburg. Ein seltenes Bild bietet sich dem Stadtrat in Neuerburg bei seiner jüngsten Sitzung: 22 Bürger strömen in den Saal. Schnell werden noch ein paar Stühle organisiert, damit alle Platz finden. Das Interesse gilt Tagesordnungspunkt sechs: Windkraftnutzung auf Eigentumsflächen der Stadt Neuerburg. An diesem Abend sollen die Stadtratsmitglieder entscheiden, ob sie die Flächen für die Windkrafträder bereitstellen oder nicht. Doch dazu kommt es nicht.

Sachlage: Anna Kling (CDU), Stadtbürgermeisterin von Neuerburg, freut sich über das große Interesse. "Das wünsche ich mir öfter." Die Planungen für Windkraftnutzung in Neuerburg laufen seit 2011. Nach derzeitigem Planungsstand soll im Bereich Lindscheid eine etwa 83 Hektar große Fläche für Windräder ausgewiesen werden. 55 Hektar davon gehören der Stadt. Auf dieser Fläche hätte die Stadt die Möglichkeit, Windkraftanlagen selbst zu errichten und zu betreiben. Insgesamt wäre Platz für zwei Anlagen. Manfred Mundt von der C4-Planungs- und Betreuungs-GmbH stellt dem Rat das Projekt vor.

Das sagen die Bürger: Bereits im Vorfeld hatten Bürger gegenüber der Stadt schriftlich ihre Befürchtungen mitgeteilt. Darunter Barbara und Dieter Müller. Die wohnen im Stadtteil Daudistel, unmittelbar unterhalb des vorgesehenen Standorts, und wollen sich mit allen Mitteln gegen einen "solchen Eingriff in unsere schöne Landschaft" zur Wehr setzen.
"Wir haben noch einen Waldgürtel, der unversehrt ist. Dem gegenüber steht kurzfristiges Profitdenken. Die Natur ist unser Tafelsilber. Der Wald muss unberührt bleiben", fordert Dieter Müller und erntet dafür Applaus aus dem Publikum. Die Teilzerstörung der Natur, der damit einhergehende Eingriff in den Tourismus, Wertminderung der Immobilien und gesundheitliche Beeinträchtigungen sind nur einige Argumente, die die eilig gegründete Interessengemeinschaft "Gegenwind gegen Wind" gegen die Planungen vorbringt. Beklagt wird auch der "zeitliche Druck".
"Die Bürger merken zu spät, dass ihnen notwendige Anhörungen, Beteiligungen und Stellungnahmen nicht angeboten wurden", heißt es in einem Brief.

Argumente pro Windkraft: Dass es keine Informationen im Vorfeld gegeben hätte, weist Bürgermeisterin Anna Kling zurück und kann dies auch belegen. Sie macht deutlich, dass sie dem Thema offen gegenübersteht.
Sie gibt jedoch zu bedenken, dass die klamme Haushaltslage (zurzeit knapp fünf Millionen Euro Gesamtschuldenstand) die Stadt zwinge, zu handeln. Schon für die Sanierung der Treppe an der Stadthalle müsse die Grundsteuer B um elf auf 536 Punkte erhöht werden. Würde auf die Windräder verzichtet, müsste erneut an der Steuerschraube gedreht werden. Ulrich Hess (CDU) sagt: "Wir können heute entscheiden, ob die Stadt oder ob Privatleute den Reibach machen." Denn neben der Stadt gibt es auch Flächen von Privatleuten, die sich für die Nutzung von Windkraft eignen. Planer Mundt ist sich ziemlich sicher, dass die Fläche früher oder später bebaut werde. Laut seiner Rechnung könnte die Stadt allein für Landpacht und Wegenutzung jährlich für beide Windradstandorte zusammen 110 000 Euro verdienen.
"Das ist für die Stadt verlockend", sagt Günter Scheiding (SPD). Der rechnet schnell vor, dass der Hebesatz für die Grundsteuer B von 525 Punkten auf 770 erhöht werden müsste, um die gleiche Summe einzunehmen. Das Geld wird dringend gebraucht für die Sanierung der Stadthalle, des Marktplatzes, den Bauhof und noch vieles mehr.

So geht es weiter: Auf Antrag von Scheiding wird das Thema in die nächste Sitzung vertagt. Am Montag, 13. Oktober, 19 Uhr, soll es im Atrium des Eifelgymnasiums eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben.Meinung

Wald oder Wind
Die Stadtratsmitglieder in Neuerburg stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Entweder entscheiden sie sich für zwei neue Windräder und sichern sich damit eine Einnahmequelle, die dem klammen Haushalt guttäte und damit auch den Bürgern der Stadt. Oder sie verzichten und erhalten sich damit die schöne Landschaft. Doch selbst wenn der Stadtrat sich gegen die Windräder entscheidet, heißt das nicht, dass im Neuerburger Wald keine gebaut werden. Denn neben der stadteigenen Fläche gibt es auch Flächen, die Privatleuten gehören, und die sind nicht an einen Stadtratsbeschluss gebunden. s.glandien@volksfreund.de