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Erfindung
Vier Monate getüftelt – dann kam der Geistesblitz

Thomas Weser zeigt seine patentierten Verpackungen und ihre Funktion.
Thomas Weser zeigt seine patentierten Verpackungen und ihre Funktion. FOTO: TV / Nora John
Seinsfeld. Thomas Weser hat eine neuartige Verpackung für Getränke erfunden. Dafür hat er viel investiert.
Nora John

Wer kennt es nicht? Man hat ein Sechserpack Bier oder Limonade gekauft und entnimmt die erste und vielleicht auch die zweite Flasche aus dem Gebinde. Möchte man den Rest dann von A nach B tragen, so purzeln die restlichen Getränke nicht selten aus der instabil gewordenen Papp-Ummantelung   heraus.  Im schlimmsten Fall zerbersten die Flaschen und die Sauerei aus klebriger Flüssigkeit und Glasscherben ist groß.

Da muss es etwas Besseres geben, dachte sich Thomas Weser aus Seinsfeld. Als Mitarbeiter einer belgischen Brauerei war er oft in Deutschland unterwegs, um das Getränk in den Supermärkten anzubieten. „Die möchten die Flaschen nicht einzeln, sondern in Verpackungen mit sechs, vier oder drei Flaschen verkaufen“, sagt der 56-Jährige. Dann nämlich kaufe der Kunde meist das ganze Gebinde, statt nur einzelner Flaschen. Natürlich ist es sinnvoll, wenn die  Verpackungen, Wrap-arounds genannt, auch in eine genormte Rasterkiste  hineinpassen. Aber die herkömmlichen Verpackungen werden instabil, wenn die Kunden dann doch nur eine Flasche entnehmen.

Dieses Problem ließ Weser  nicht ruhen. „Ich habe Nächte über Nächte nachgedacht“, sagt Weser, der mittlerweile Frührentner ist. Drei bis vier Monate habe er getüftelt, bis das erste System fertig war. Dabei werden die Flaschen durch ein Drunterhaken der Pappverpackung unter dem Kronkorken fest fixiert. Gleichzeitig sichert ein Ring an der Stelle, wo die Flaschen sich verjüngen, ebenfalls die Getränke. Neben den nun fertigen Pappverpackungen, die auch umweltfreundlich sind, wie Weser betont, galt es nun auch noch Werkzeuge und Maschinen zu schaffen, die diese Art der Verpackung herstellen können.

Um auch kleineren Firmen die Verwendung der neuen Verpackungen ermöglichen zu können, hat Weser deshalb ein schlichtes, aber wirkungsvolles Werkzeug entwickelt, mit dem die Verpackungen, die auch bei Sprudel- Sekt- oder Weinflaschen funktionieren, per Hand aufgesetzt werden können. Diese gibt es für Dreier- Vierer- oder Sechserpackungen. Bei den Maschinen fand Weser zwei Firmen, die zur Kooperation bereit waren.

Bis Weser zusammen mit seiner Frau Nathalia und seinem Sohn Dennis gemeinsam seine Erfindung als Patent anmelden konnte, war es ein weiter und vor allem auch teurer Weg. Fast sechs Jahre hat es gedauert, bis die Erfindung anerkannt war. Rund 40 000 Euro hat Weser in die Entwicklung gesteckt. Weitere 125 000 Euro gingen für das Patent drauf. Leisten konnte sich Weser das nur, weil ihn eine mittlerweile 95-jährige Tante finanziell unterstützt hat.

Jetzt hofft Weser, dass sich das alles gelohnt hat und er einen Interessenten findet, der das neue Verpackungssystem anwenden möchte. Denn Geld verdienen mit dieser Idee, das ist das nächste Ziel.

Thomas Weser zeigt seine patentierten Verpackungen und ihre Funktion.
Thomas Weser zeigt seine patentierten Verpackungen und ihre Funktion. FOTO: TV / Nora John
Mit einem solchen Werkzeug, das ebenfalls von Thomas Weser entwicklet wurde, können die Verpackungen per Hand gut und sicher aufgeetzt werden.
Mit einem solchen Werkzeug, das ebenfalls von Thomas Weser entwicklet wurde, können die Verpackungen per Hand gut und sicher aufgeetzt werden. FOTO: TV / Nora John