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Wirtschaft
Trotz guter Konjunkturlage hoher Bedarf

Das Berufsbildungszentrum leistet auch überbetriebliche Ausbildungen für Unternehmen.
Das Berufsbildungszentrum leistet auch überbetriebliche Ausbildungen für Unternehmen. FOTO: Uwe Hentschel
BITBURG. Nachdem das Berufsbildungszentrum Bitburg-Prüm  in den vergangenen Jahren mit einem Rückgang an Teilnehmern kämpfen musste, zeichnet sich jetzt wieder eine Verbesserung ab. Das Auftragsvolumen ist so hoch wie lange nicht mehr. Von Uwe Hentschel

Der Zusammenhang ist recht plausibel: Geht es der Wirtschaft schlecht, dann geht es den beruflichen Bildungsträgern umso besser. Denn wenn der Arbeitsmarkt mit Fachkräften übersättigt ist, wird es noch schwieriger, diejenigen zu vermitteln, deren berufliche Chancen ohnehin schon nicht so gut sind. Deshalb ist in solchen Zeiten der Druck bei den Arbeitsagenturen besonders hoch und Maßnahmen zur Qualifizierung für den Arbeitsmarkt werden umso wichtiger.

Genau anders herum verhält es sich folglich, wenn die Wirtschaftslage gut und die Arbeitslosenquote entsprechend gering ist. Dann haben Bildungsträger wie das Berufsbildungszentrum Bitburg-Prüm (Bebiz) mit sinkenden Teilnehmerzahlen zu rechnen. Sollte man eigentlich meinen, ist aber nicht immer so.

„Wir können trotz der guten Konjunkturlage und der extrem niedrigen Arbeitslosenquote steigende Teilnehmerzahlen verzeichnen“, sagt Bebiz-Geschäftsführer Richard Ehl. Obwohl die Betriebe also händeringend nach Fachkräften und Auszubildenden suchten, seien die Teilnehmerzahlen an den beiden Bebiz-Standorten in Bitburg und Prüm gestiegen. Hat die Arbeitsagentur die Bebiz-Maßnahmen in 2014 noch mit 1,23 Millionen Euro unterstützt, so sind es in diesem Jahr laut Ehl rund 1,9 Millionen Euro. 2014 hatte das Bebiz 189 Teilnehmer, im September dieses Jahres waren es 287, also gut 100 mehr.

Dass diese umgekehrte Proportionalität von Konjunkturlage und Bebiz-Auslastung derzeit aufgehoben scheint, hängt laut Ehl nicht zuletzt mit der „fehlenden Ausbildungsreife“ vieler Teilnehmer zusammen. Immer mehr Jugendliche seien den Anforderungen an die Ausbildungsberufe nicht mehr gewachsen. Zudem biete das Bebiz inzwischen auch deutlich mehr Maßnahmen an als früher, um auch flexibler auf den Markt reagieren zu können.

Das Angebot der Einrichtung, zu dessen Trägern neben dem Eifelkreis noch die Handwerkskammer sowie die Industrie- und Handelskammer Trier, die Kfz-Innung Bernkastel-Wittlich-Bitburg und die Metall-Innung Westeifel gehören, umfasst neben der überbetrieblichen Ausbildung längst auch Weiterbildungen, Prüfungsvorbereitungen und Angebote in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur.

Die Lehrlinge und Teilnehmer der Schulungen sind inzwischen meist junge Menschen, die aufgrund von Lernbehinderungen oder schulischen Defiziten keine Lehrstelle finden.

Ehl ist seit 2011 Geschäftsführer des Bebiz und war die ersten Jahre in erster Linie damit beschäftigt, die damals schlechte Haushaltssituation des Bildungszentrums zu verbessern. Das Personal sei reduziert und die Ausgaben stärker kontrolliert worden, sagt Ehl. Zudem seien Kooperationen mit den Partnern intensiviert und Prozesse optimiert worden. Und das, wie es scheint, auch mit Erfolg: „Wir haben es geschafft, den Haushalt auszugleichen, und schreiben seit zwei Jahren wieder schwarze Zahlen“, sagt der Bebiz-Chef.

Der Wirtschaft geht es gut und dem Bebiz trotz sinkender Arbeitslosenzahlen auch. Und doch gibt es da etwas, was die Stimmung ein wenig trübt. Denn wie Ehl erklärt, herrscht an beiden Standorten Sanierungsbedarf. Aus diesem Grund werde derzeit an einem Zukunftskonzept gearbeitet. „Die Bitburger Einrichtung ist bereits 52 Jahre alt, und in Prüm sind wir absolut an der Kapazitätsgrenze“, sagt er. Letzteres hängt vor allem damit zusammen, dass die meisten Unternehmen, für die das Bebiz eine überbetriebliche Ausbildung leistet, im Prümer Raum liegen.