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Übergriff auf Schultoilette: War es der Mann mit Hut?

Ähnlich wie auf diesem Symbolfoto wurde eine Schülerin Ende 2013 in einer Bitburger Schultoilette bedroht. TV-Foto: Mechthild Schneiders
Ähnlich wie auf diesem Symbolfoto wurde eine Schülerin Ende 2013 in einer Bitburger Schultoilette bedroht. TV-Foto: Mechthild Schneiders
Trier/Bitburg. Ein 55-jähriger Mann aus Bitburg soll eine 14-Jährige auf der Mädchentoilette des Bitburger Gymnasiums bedroht haben. Lehrer und Schüler haben gestern vor Gericht ausgesagt – und den Angeklagten weiter belastet. Eileen Blädel

Grinsend betritt der Beschuldigte den Gerichtssaal, den grauen Hut schräg ins Gesicht gezogen. Die Handschellen werden ihm abgenommen, bevor er auf der Anklagebank Platz nimmt. Dort stellt er eine halbvolle Fantaflasche ab, breitet eine Reihe von Dokumenten, die er aus einer Plastiktüte zieht, auf dem Tisch aus und nimmt den Hut ab. Als die Richter erscheinen, blättert er in der Bibel. So wirklich still sein will er während der Verhandlung nicht - doch zu den Vorwürfen selbst äußert er sich auch nicht. Dem 55-jährigen Mann aus Bitburg wird unter anderem vorgeworfen, ein 14-jähriges Mädchen auf der Toilette des St.-Willibrord-Gymnasiums mit einem Taschenmesser bedroht und sexuell genötigt zu haben (der TV berichtete).
Bei der gestrigen Verhandlung am Landgericht Trier verdichten sich die Hinweise gegen den Beschuldigten: Ein Lehrer bestätigt vor Gericht, an dem Tag im Dezember einen Mann auf dem Schulgelände gesehen zu haben: "Mir kam in Höhe des Lehrerzimmers ein Mann entgegen und wir hatten kurz Blickkontakt." Vom Typ her könnte es der Angeklagte gewesen sein, meint er - hundertprozentig festlegen will er sich aber nicht. Als der Angeklagte den Zeugen unterbrechen will und der vorsitzende Richter Albrecht Keimburg ihn belehrt, hält der Mann nur kommentarlos beide Daumen nach oben.
Ein 15-jähriger Schüler sagt aus, dass er den Angeklagten öfter bei der Schule gesehen habe und er einem komisch vorkam, im Sinne von "anders", "nicht normal" - relativiert seine Aussage aber zugleich: "Das muss ja nicht verdächtig sein." Als der Jugendliche als Zeuge entlassen wird, wendet sich der 55-Jährige an ihn: "Grüß Bitburg!"
Der Bitte des Richters, seinen Hut aufzuziehen, damit die Zeugen ihn auch so sehen können, kommt der Angeklagte jedes Mal mit einem breiten Grinsen nach. Als die 15-jährige Schülerin im Zeugenstand sitzt, die erklärt, er habe sie mehrmals bei ihrem Nebenjob im Haus Beda aufgesucht und ihr persönliche Fragen gestellt, sträubt er sich: "Ich habe auch Gefühle!" Die Zeugin sagt, sie habe den Hausmeister gerufen - aus Unbehagen, das, wie Richter Keimburg von ihr wissen will, "allein durch seine bloße Anwesenheit" ausgelöst wurde. Hinterlassen hat der Mann im Haus Beda die Skizze einer nackten Frau.
Ähnliche Zeichnungen, Schriften mit religiösen Anspielungen, eine Sammlung von Hieb- und Stichwaffen, ein Flyer von einem Schulkonzert am Bitburger Gymnasium - das alles sind Dinge, die die Polizei in der Wohnung des Angeklagten entdeckt hat (siehe Extra). Das Gericht will noch weitere Zeugen hören - und Anfang September ein Urteil sprechen.