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Ungezwungenes Landleben

Birtlingen. Die Brüder Thomas und Josef Fisch aus Birtlingen leben in der Eifel. Beide arbeiten gern in der Landwirtschaft. Während der 17-Jährige Joseph sich um das Melken der Kühe kümmert, fährt sein jüngerer Bruder gern Traktor. Bettina Bartzen

Birtlingen. Junge Eifeler sind mit ihrer Heimat eng verbunden. Das ist die zentrale Erkenntnis einer Studie des Trierer Soziologen Professor Waldemar Vogelgesang. Die Studie war Ausgangspunkt für ein Buchprojekt der freien Fotografin und TV-Mitarbeiterin Bettina Bartzen. Sie hat junge Menschen in der Eifel interviewt und fotografiert. Der TV stellt in loser Folge die Porträts der Jugendlichen vor, die in dem Bildband erklären, was ihnen an der Eifel gefällt und wie sie in der ländlichen Region leben. Diesmal sind es der 14-jährige Thomas Fisch aus dem 76-Einwohner-Ort Birtlingen und sein 17-jähriger Bruder Joseph.

Thomas Fisch: "In der Stadt sehe ich nur grau. Auf dem Land sehe ich gleich Farben. Birtlingen hat 76 Einwohner. Das sind deshalb so viele, weil hier ein Wanderzirkus angemeldet ist. Tatsächlich gibt es nur 35 echte Birtlinger, die auch hier wohnen. Nach der Schule möchte ich eine Schreinerlehre machen und dann zur Polizei gehen. In meiner Freizeit bin ich im DLRG-Schwimmverein Irrel und in der Schule in der Schwimm-AG.
Dann bin ich noch in der Jugendfeuerwehr Messerich-Ingendorf und Messdiener in Messerich. Ich mache häufig für meinen Bruder Vertretung, deshalb bin ich alle zwei Wochen dran. Nach der Schule helfe ich meinem Vater im landwirtschaftlichen Betrieb. Allerdings melke ich nicht gerne. Ich bin im Schweinestall fürs Füttern und Ausmisten verantwortlich. Wenn ich im Traktor sitze und Gas geben kann, das macht mir am meisten Spaß. Die Masthähnchen sind so eine Art Hobby von mir. Im Sommer hatte ich 40 Stück, die ich dann nach drei Monaten verkauft habe. Wenn die Hähnchen geschlachtet werden, hilft die ganze Familie mit. Meine Freunde sehe ich in der Schule, deshalb brauche ich kein Internet oder Facebook. Später würde ich gerne den Jagd- und Fischereischein machen. Ich gehe viel mit meinem Vater auf die Jagd. Den Betrieb meines Vaters möchte ich später nicht übernehmen. Man verdient zu wenig, und es ist viel Arbeit."

Joseph Fisch: "Im Dorf wohnen wir ungezwungen. Hier kann man ruhig mal laut Musik hören, weil es keine Nachbarn gibt, die stören. Ich helfe sehr viel im Betrieb - abends die Kühe in den Stall treiben, füttern und melken. Nach der Schule möchte ich eine Lehre als Maurer machen, damit ich einen richtigen Beruf und ein zweites Standbein habe, wenn ich den Betrieb übernehme. Dann kann ich mir später auch mal einen Stall selber bauen. Aber mein Traum ist, nur von der Landwirtschaft leben zu können. Meine Freunde treffe ich in der Schule. Wir sind eine Clique, aber wir besuchen uns selten. Internet spielt für mich keine Rolle, höchstens mal für die Schule. In meiner Freizeit bin ich in der Jugend- und Freiwilligen Feuerwehr und im Musikverein Wolsfeld. Ich spiele Trompete. Momentan lerne ich Jagdhorn.
Im Sommer gehe ich häufig auf die Jagd und öfter mal angeln. Ich bin auch im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter aktiv. Wir gehen auf Demonstrationen und Veranstaltungen. Letztens haben wir das Parlament in Brüssel besichtigt. Mit meinem Bruder kann ich ganz gut arbeiten. Wenn es sein muss, halten wir zusammen."
Das Fotobuch "Jugend in der Eifel" hat die Kreisvolkshochschule herausgegeben. Es ist im Verlag Seltmann+Söhne erschienen. Preis: 22,90 Euro. Es ist im regionalen Buchhandel erhältlich.