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Ehrenamt
Unverzichtbar, aber nicht selbstverständlich

Viele Menschen im Eifelkreis engagieren sich ehrenamtlich in der Betreuung und Pflege alter und kranker Menschen. Im großen Saal der Kreisverwaltung verfolgen gut 80 von ihnen den Vortrag der Sozialpädagogin Uschi Wihr (links).
Viele Menschen im Eifelkreis engagieren sich ehrenamtlich in der Betreuung und Pflege alter und kranker Menschen. Im großen Saal der Kreisverwaltung verfolgen gut 80 von ihnen den Vortrag der Sozialpädagogin Uschi Wihr (links). FOTO: Uwe Hentschel
BITBURG. Mit einem Dankeschön-Nachmittag hat die Kreisverwaltung die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer in den Pflege- und Betreuungseinrichtungen gewürdigt.

Es ist ein Gebiet, auf dem man mit guten Nachrichten eher weniger rechnet. Doch Sozialpädagogin Uschi Wihr hat eine. „Die Neuerkrankungsrate bei Demenz sinkt“, sagt die pädagogische Leiterin des Demenzzentrums Trier. Und dann noch eine gute Nachricht: „Die mit einer Demenz einhergehende Abnahme der Gedächtnisleistungen lässt sich stoppen“, erklärt Wihr. Wie das funktioniert, zeigt die Sozialpädagogin anhand von kleinen Filmsequenzen, die sie auf die Leinwand projiziert. Die Filmausschnitte zeigen, wie man demenzkranke Menschen fordern und fördern kann, indem man mit ihnen singt und spielt, oder aber tanzt und dabei sowohl die motorischen Fähigkeiten, als auch das Gedächtnis trainiert. Eigentlich, so Wihr, müssten Pflege- und Betreuungseinrichtungen ganz scharf darauf sein, mit diesen einfachen Mitteln die wissenschaftlich nachgewiesenen Erfolge zu erzielen. Das Problem sei allerdings, dass die Fachkräfte das personell allein nicht stemmen könnten, erklärt die Leiterin des Demenzzentrums. Weshalb der Einsatz ehrenamtlicher Helfer in den Pflege- und Betreuungseinrichtungen von unschätzbar hoher Bedeutung sei.

Rund 80 dieser Helfer, die sich in ihrer Freizeit um alte und vor allem demenzkranke Menschen kümmern, sind an diesem Nachmittag in den großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung gekommen. Eingeladen haben der Landrat und Mitarbeiter aus dem Amt Soziale Hilfen, die sich damit bei den (überwiegend weiblichen) Ehrenamtlichen für deren Einsatz bedanken wollen. „Es geht uns darum aufzuzeigen, dass die ehrenamtliche Hilfe von uns nicht als selbstverständlich genommen wird“, sagt Amtsleiterin Monika Schuster.

„Ehrenamtliche können und sollen keine professionellen Pflegekräfte ersetzen, sie können diese aber spürbar entlasten“, stellt Ursula Weires von der Beratungs- und Koordinierungsstelle Ehrenamt klar. Die Einrichtung berät und unterstützt kreisweit Ehrenamtsprojekte und vermittelt zwischen Freiwilligen und Einrichtungen aus dem Bereich der Pflege, aber auch Privathaushalten, in denen Menschen gepflegt werden. Die ehrenamtliche Arbeit werde in der Gesellschaft immer wichtiger, sagt Weires.

Für Landrat Joachim Streit ist dabei vor allem Pflege und Betreuung ein Bereich, in dem das soziale Engagement in der Öffentlichkeit nicht ausreichend wahrgenommen und gewürdigt werde. „Man braucht dafür viel Einfühlungsvermögen“, sagt Streit. Zudem gehe man auch eine moralische Verpflichtung ein, der man sich nur schwer entziehen könne, fügt er hinzu. „Es werden einem Fesseln angelegt, die andere nicht sehen.“