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Utscheid setzt in der alten Ziegelei auf Sonnenkraft

Auf dem Gelände der alten Ziegelei im Ortsteil Neuhaus möchte die Gemeinde Utscheid einen Solarpark errichten. TV-Foto: Uwe Hentschel
Auf dem Gelände der alten Ziegelei im Ortsteil Neuhaus möchte die Gemeinde Utscheid einen Solarpark errichten. TV-Foto: Uwe Hentschel
Utscheid. Mit der Errichtung einer Freiflächen-Photovoltaikanlage auf dem Gelände der alten Ziegelei möchte die Gemeinde Utscheid ihre Einnahmen für die kommenden Jahrzehnte sichern. Um in den Genuss der vollen Einspeisevergütung zu kommen, muss die Anlage allerdings in spätestens vier Monaten fertig sein. Uwe Hentschel

Utscheid. "Eine Gemeinde, die ihren Haushalt nicht mehr ausgleichen kann, muss versuchen, neue Geldquellen zu erschließen", sagt Alexander Stellmes. Er ist Ortsbürgermeister in Utscheid und damit Chef einer Gemeinde, die auf der Suche nach einer neuen Geldquelle offenbar fündig geworden ist. Doch bevor die neue Quelle sprudelt, muss zunächst investiert werden. Und die Höhe dieser Investition ist der Grund, warum einige der 500 Einwohner zunächst skeptisch waren. Oder es auch noch immer sind.
Schließlich geht es um mehr als fünf Millionen Euro, die in den Bau eines Solarparks investiert werden sollen. Errichtet werden soll die 4,7 Hektar große Anlage auf dem Gelände der alten Ziegelei (siehe Extra) im Utscheider Ortsteil Neuhaus. Mit einer Leistung von 2,5 Megawatt könnte damit der Strombedarf von rund 600 Haushalten erzeugt werden. Weil die Gemeinde aber kein Geld hat, muss das gesamte Projekt über Kredite finanziert werden. Insofern ist die Skepsis in der Bevölkerung nachvollziehbar.
Ortsbürgermeister Stellmes jedoch hat keine Bedenken. Und Alois Hager, der ebenfalls an der Gemeinderatssitzung teilnimmt und zwei Plätze weiter sitzt, auch nicht. Hager ist Leiter des Fachbereichs Finanzen in der Verbandsgemeindeverwaltung Neuerburg.
Seine Abteilung hat das Vorhaben überprüft, hat alles nachgerechnet und dabei anscheinend auch alles berücksichtigt, was in irgendeiner Form einen Schatten auf das Solar-Projekt werfen könnte. Egal ob Leitzinserhöhung und Inflationsrate oder aber Ausgaben für Verwaltung, Wartung, Reparatur und Pflege des Grundstücks: Alles ist in die Kalkulation mit eingeflossen. Selbst die Kosten für den Rückbau. "Es ist eine Maßnahme, die es wert ist, angegangen zu werden", sagt Hager mit Blick auf die Einnahmen, die den ganzen Ausgaben gegenüberstehen. So rechnet die Gemeinde damit, dass nach Abzug aller Verbindlichkeiten jährlich unter dem Strich 20 000 bis 25 000 Euro übrig blieben. Dass Utscheid mit diesen Einnahmen mehr oder weniger fest rechnen kann, liegt an der für 20 Jahre verbindlich festgelegten Einspeisevergütung, die derzeit bei rund 22 Cent pro Kilowattstunde liegt. Diese gilt jedoch in dieser Höhe nur noch für Solarparks, die auf Konversionsflächen gebaut werden.
Und die Umnutzung des alten Ziegelei-Grundstücks wäre ein solches Konversionsprojekt. Um jedoch in den Genuss dieser 22 Cent zu kommen, muss sich Utscheid beeilen. Denn wie Hager erklärt, wird sich diese Vergütung voraussichtlich zum 1. September 2011 um bis zu 15 Prozent verringern. Das heißt, die Anlage muss (zumindest teilweise) bis Ende August am Netz sein.
Der Gemeinderat, der im nichtöffentlichen Teil der Sitzung der Errichtung schließlich einstimmig zustimmt, ist bemüht und zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen. Die Raumverträglichkeit des Vorhabens wurde bereits geprüft und die ebenfalls notwendige Änderung des Bebauungsplans läuft, so dass die Utscheider nun loslegen können. Bevor die Gemeinde den Solarpark errichten kann, muss das 7,4 Hektar große Gelände der alten Ziegelei gekauft werden. Diese ist noch in Privatbesitz, der Kaufvertrag ist jedoch fertig. Die Kaufsumme ist in den fünf Millionen Euro Investitionskosten bereits enthalten. Um die Energieanlage, wie geplant, bis Ende August ans Netz zu bekommen, muss als nächstes das alte Fabrikgebäude abgerissen werden. uhe