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Verkehr
Kurze Beine, große Wagen

„Die meistbefahrene Sackgasse der Stadt“: So bezeichnen die Anwohner ihre Straße „Im Brühl“ scherzhaft. Die Bilder zeigen, was sie damit meinen.
„Die meistbefahrene Sackgasse der Stadt“: So bezeichnen die Anwohner ihre Straße „Im Brühl“ scherzhaft. Die Bilder zeigen, was sie damit meinen. FOTO: Christian Altmayer / TV
Bitburg. Seit Jahren sorgen „Elterntaxis“ vor den Bitburger Schulen für Verkehrschaos. Denn manch einer nimmt es mit den Verkehrsregeln nicht so genau. Jetzt  kündigen Polizei und Stadt Kontrollen an. Ob das reicht? Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Ein Mädchen steht auf dem Bürgersteig. Es klammert sich an seine Mutter. Die gibt ihr zum Abschied einen Kuss auf den blonden Schopf. Um die beiden herum röhren die Motoren, fluchen die Fahrer hinterm Steuer. Ein Wagen steht quer auf der Straße. Beim Wenden hat sich der Fahrer wohl verschätzt. Die Frau im Auto hinter ihm hupt. Nebenan parken Autos Stoßstange an Stoßstange auf dem Bordstein. Aus den Türen huschen kleine Kinder mit großen Ranzen, quetschen sich zwischen den vielen Fahrzeugen hindurch.

Die wenigen Parkplätze vor der Bitburger Grundschule Nord sind morgens um Viertel vor acht immer belegt. Die schmale Theobald-Simon-Straße ist vor Schulbeginn dicht. Es ist eine Situation, die Anwohner und Kollegium gleichermaßen ärgert. Und eine, die gefährlich werden könne, für die wenigen, die noch zu Fuß zum Unterricht kommen, sagt Eva Akkaya.

Seit gut 20 Jahren ist sie Lehrerin an der Grundschule im Norden der Bierstadt. In dieser Zeit, sagt sie, habe sich die Lage verschlimmert. Die Zahl der Eltern, die ihre Jungs und Mädchen mit dem Auto zur Schule bringen, sei gestiegen. „Manche würden am liebsten direkt vor dem Klassenraum parken“, meint Akkaya.

Das Problem beschäftigt auch Schulleiterin Liane Gorges. Jedes Jahr appelliere sie im Elternbrief an Väter und Mütter, sich wenigstens an die Verkehrsordnung zu halten, nur dort zu parken, wo es erlaubt ist. Bislang: ohne Erfolg. Die Lage vor der Schule sei, wie sie sagt, morgens „eine Katastrophe“. Um die Mittagszeit, wenn die Glocke klingele, sei es noch schlimmer.

12.45 Uhr „Im Brühl“. Links und rechts der „meist befahrenen Sackgasse der Stadt“, wie eine Anwohnerin ihre Straße scherzhaft nennt, blitzen die Karossen. Auf beiden Seiten parken die Autos, teils vor Garagen, vor Einfahrten und dort, wo es das blau-rote Schild verbietet. Wer früh an ist, kann sich einen Platz neben dem Tor sichern. Der Rest muss oben parken, wo die Fahrbahn endet – und dort auch wenden. Das passiere teils auch in den Vorgärten der Anlieger, wie Gerd Wanken zu berichten weiß. Der ehemalige Leiter des Hauses der Jugend lebt „Im Brühl“ und kennt die Problematik seit Jahren. „Das Verhalten mancher Eltern ist mehr als dreist“, sagt er. Bislang sei es zwar bei Sachschäden geblieben – in den Gärten, an Garagentoren. Aber Wanken sagt, er habe Angst, „dass da unten wirklich mal etwas passiert.“

Das will Christian Hamm verhindern. Der Dienststellenleiter der Inspektion Bitburg wolle das Problem, so drückt er es  aus: „mit neuem Schwung und einem Konzept“ angehen. Teil dieses Planes seien Kontrollen rund um die Schulen und den Zentralen Omnibusbahnhof. Denn zu „abenteuerlichen Situationen“ komme es ja nicht nur vor der Nordschule, sondern auch in der Nähe der Gymnasien und der Kindergärten. Betroffen sei insbesondere die Tagesstätte Liebfrauen.

Auch hier hielten die engen Straßen dem Verkehr von „Elterntaxis“ und Bussen nicht stand. Und tatsächlich: Wenn die Kita öffnet, zeigt sich ein ähnliches Bild wie vor der 300 Meter entfernten Nordschule. In einem Leserbrief an den TV hat eine Bitburgerin die Lage kommentiert. Auch sie gibt den Eltern die Schuld: „Sie haben unterschrieben, dass sie nicht zu den Gebäuden runterfahren, machen es aber trotzdem.“ Zu manchen Zeiten sei die Straße so zugeparkt, dass kein Feuerwehrauto oder Rettungswagen mehr durchkommen könne.

Auch darum wolle sich die Polizei kümmern. Neben den Kontrollen plant der Dienststellenleiter, auf die Schul- und Tagesstättenleitungen zuzugehen, um Lösungen zu erarbeiten. Ob das reicht? Lehrerin Akkaya und Direktorin Gorges wünschen sich eher Zebrastreifen und Parkplätze. Das würde die Sicherheit der Kinder in jedem Fall erhöhen, meinen sie. Doch dem stünden die Behörden bislang wenig aufgeschlossen gegenüber. Auf Nachfrage heißt es aus dem Rathaus zwar, es gebe „Überlegungen, über die Änderung von Verkehrsführungen eine Entspannung der Situation zu erreichen.“ Konkretisieren möchte der Stadtsprecher diese Pläne jedoch nicht. Auch ein weiterer Lösungsvorschlag findet bei der Verwaltung wenig Anklang. Nach Meinung einiger Stadtpolitiker würde eine Verlegung der Nordschule in eines der leerstehenden Schulgebäude auf dem Housing-Gelände den Verkehr entzerren. Dies sei allerdings „kein Thema“, teilt der Mitarbeiter mit. Das würde nur zur Verlagerung des Verkehrs an eine andere Stelle führen und die Beförderungskosten für Schüler erhöhen.