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Umwelt
Die Äste fallen nicht weit vom Stamm

Steht bald womöglich nicht mehr unter Linden: der Bettinger Friedhof.
Steht bald womöglich nicht mehr unter Linden: der Bettinger Friedhof. FOTO: Christian Altmayer / TV
Bettingen. Die Verbandsgemeinde Bitburger Land will eine alte Lindenreihe am Bettinger Friedhof fällen. Der Grund: Ständig brechen Zweige ab, die Spaziergänger verletzten könnten. Aber nicht jeder will, dass die Bäume umgelegt werden. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Efeu klettert an der Linde empor. Abgebrochene Stümpfe ragen aus dem Stamm hervor. Die Äste sind wohl den Stürmen zum Opfer gefallen. Seit Jahrzehnten stehen die Linden am Bettinger Friedhof. Die Rinde ist von Furchen durchzogen wie die Haut eines sehr alten Mannes.  So manchen, der hier zu ihren Wurzeln liegt, haben sie womöglich überlebt. Doch nun soll die Lindenreihe gefällt werden.

„Das ist blindwütiger Raubbau an der Natur“, schreibt der Bettinger Helmut Fink in einem Facebook-Post. In dem Beitrag stellt das Mitglied der Grünen einige Fragen an die Verbandsgemeinde (VG) Bitburg-Land, denen das Grundstück auf dem die Bäume stehen gehört. Unter anderem diese: „Welche Gefährdung gibt es durch diese prägnante Baumreihe?“

Der TV hat die Verwaltung damit konfrontiert und auch prompt eine Antwort bekommen. Ständig brächen Äste von den Linden ab. Sie fielen aufs Dach der benachbarten Sporthalle und verursachten dort Schäden und Verstopfungen, teilt eine Sprecherin mit. Durch die undichten Stellen gelange Regenwasser ins Gebäude. Aber das sei noch nicht alles.

Auch für Besucher des Friedhofs bergen die Bäume Gefahren. Das glaubt man jedenfalls bei der VG-Verwaltung. Die herunterfallenden Äste könnten ja auch einen Spaziergänger treffen. Außerdem werfen die meterhohen Riesen ja auch meterhohe Schatten. Und wo es dunkel ist, wächst bekanntlich Moos. Es setzte sich an der Mauer der Sporthalle ab und mache die Wege rutschig.

Das kann auch Fink bestätigen: „Das Sicherheitsproblem ist unstrittig.“ Davon habe er sich selbst überzeugt.

Der Grüne hat aber trotzdem Zweifel daran, ob es nötig ist, die Bäume deshalb von der Wurzel an zu fällen. „Man hätte die Linden in den vergangenen Jahren pflegen müssen“, meint er, „dann wären sie jetzt in einem besseren Zustand.“ Und dafür sei es auch heute nicht zu spät. Reichen also vielleicht schon ein paar gezielte Schnitte, um die Bäume wieder auf Vordermann zu bringen?

Im Rathaus ist man anderer Meinung. Und die Meinung werde auch durch ein Gutachten von „fachkundigen Personen“ gestützt, teilt die Sprecherin der Verbandsgemeinde mit.

Trotzdem wolle man, bis die Entscheidung und damit auch die Lindenreihe fällt, noch eine landespflegerische Einschätzung abwarten. Sollten die Riesen gefällt werden, verspricht die Sprecherin, werde die VG sich um einen Ersatz kümmern. Fink findet: „Für derart alte Bäume gibt es keinen Ersatz.“