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VG-Rat in Kürze Zurück auf null im Fremdenverkehr

Wie geht's zur Tourist-Info? Diese Frage ist nach der Kyllburger VG-Ratssitzung ungewisser denn je. TV-Foto: Nina Ebner
Wie geht's zur Tourist-Info? Diese Frage ist nach der Kyllburger VG-Ratssitzung ungewisser denn je. TV-Foto: Nina Ebner
Ein Alptraum für jeden, dem der Tourismus in der Waldeifel am Herzen liegt: Nach der Sitzung des Verbandsgemeinderats Kyllburg am Donnerstag scheint auch das neue Konzept des Verkehrsvereins, den Fremdenverkehr wieder ans Laufen zu bringen, vom Tisch. "Zu hohe Kosten", sagen Ratsmitglieder und einige Ortsgemeinden. Von unserer Redakteurin Nina Ebner Von Nina Ebner

Kyllburg. Es ist ein Abend der klaren Worte. "Wir waren einer gemeinsamen Tourismus-Förderung noch nie so weit entfernt wie heute", sagt etwa Bernd Heinicke (SPD). "Es kann doch nicht sein, dass jede Ortsgemeinde nur an sich denkt", poltert Hermann-Josef Berscheid (CDU). "Vielleicht kann man einen Konsens nur auf minimalem Niveau finden", mutmaßt Thomas Etteldorf (CDU). Doch es ist Joachim Schmitt von der FWG, der den Mut hat, auf der Sitzung des Kyllburger Verbandsgemeinderats am Donnerstagabend das zu sagen, was wahrscheinlich viele Ratsmitglieder gedacht haben: "Es scheitert doch immer wieder am Geld. Und der Faktor, der das Ganze so teuer macht, das ist die Person Willi Müller."

Das Ganze - das ist die Suche nach einer für alle Ortsgemeinden tragbaren Lösung im Tourismus-Streit (siehe Extra). Doch diese ist bereits ein ums andere Mal an zu hohen Kosten gescheitert - zuletzt im Frühjahr am Veto zweier Gemeinderäte, die das von allen Ortsbürgermeistern erarbeitete Konzept verhinderten (der TV berichtete).

Es scheitert immer wieder an den kosten



Doch auch der neue Anlauf des Verkehrsvereins Kyllburger Waldeifel, der zum 1. Januar 2010 die Tourismus-Förderung in die Hand nehmen will, spart den Gemeinden kein Geld - im Gegenteil, es wird für sie noch teurer: Sie sollen wie auch die VG zahlendes Mitglied im Verkehrsverein werden. Zudem soll die VG dem Verein den Verwaltungsmitarbeiter - und Verkehrsvereins-Vorsitzenden - Willi Müller, der mehr als 30 Jahre lang von der VG im Bereich Tourismus eingesetzt worden ist, kostenlos zum Betrieb der Tourist-Info zur Verfügung stellen. Und Müller kostet nun mal richtig Geld. Geld, das beispielsweise die Ortsgemeinde Badem nicht hat - und deswegen inzwischen die Übertragung der Aufgabe der Tourismus-Förderung auf die VG zurückgezogen hat.

Mehr als 60 000 Euro beträgt der arbeitgeberrechtliche Aufwand der VG für Müller. Mit ihm in der Rechnung wird die Tourismus-Arbeit also richtig teuer. "Wenn eine andere touristische Struktur käme, dann könnte das eine andere Person mit einem niedrigeren Gehaltsgefüge begleiten", spielt Schmitt auf eine Anbindung beispielsweise an den Zweckverband Feriengebiet Bitburger Land an. Die VG-Verwaltung müsste dann jedoch überlegen, wie sie Willi Müller anderweitig beschäftigen könnte. Der jedoch gibt sich gelassen und optimistisch: "Ich als Vorsitzender des Verkehrsvereins sehe nach wie vor die Chance, dass der Verein die Fremdenverkehrs-Förderung übernimmt."

Im VG-Rat jedoch herrscht am Donnerstagabend Einigkeit, jetzt nach deutlich kostengünstigeren Möglichkeiten zu suchen, nach einem "kleinsten gemeinsamen Nenner", wie Etteldorf es ausdrückt. In der Pflicht sind dabei in erster Linie die Ortsgemeinden: Solange sie nicht allesamt die Aufgabe der Tourismus-Förderung an die VG übertragen haben, darf die VG selbst nicht tätig werden. Solarpark: Der VG-Rat hat einstimmig die Änderung des Flächennutzungsplans der VG im Bereich "Weierberg" der Ortsgemeinde Neidenbach beschlossen. Grund für die Änderung ist das Bestreben der Bürgerservice GmbH aus Trier, in diesem Bereich einen 18 Hektar großen Solarpark zu errichten. Dazu mussten die bislang im Plan dargestellten Flächen in ein "Sondergebiet Photovoltaik" abgeändert werden (Weiterer Bericht folgt).



Kindertagesstätte:
Ebenfalls einstimmige Zustimmung gab es für den Umbau des Ostflügels der Grund- und Hauptschule (GHS) Kyllburg, in die zum kommenden Schuljahr die Kyllburger Kindertagesstätte umziehen soll (der TV berichtete). Die Kosten für den Umbau sollen nach Auskunft des Architekten rund 770 000 Euro betragen.



Sportanlage Kyllburg:
Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung hat der VG-Rat der Sanierung des Umkleidegebäudes an der Sportanlage Kyllburg zugestimmt mit der Maßgabe, dass die Kosten zu 60 Prozent von der Stadt Kyllburg getragen werden. Die Gesamtkosten der Maßnahme werden auf circa 200 000 Euro geschätzt. Das Projekt kann aus Mitteln des Konjunkturpakets II gefördert werden. (neb)

Meinung

Schmerzhaft, aber notwendig

Es ist nicht leicht, einem altgedienten Mitarbeiter sagen zu müssen, dass er künftig nicht mehr in dem Bereich eingesetzt wird, den er jahrzehntelang mitgeprägt hat. Und dennoch: Die Verbandsgemeinde Kyllburg steht beim Thema Tourismus derart mit dem Rücken zur Wand, dass sie es sich nicht leisten kann, aus Pflichtgefühl an einem Konstrukt festzuhalten, das einem Ende im Tourismus-Streit derart entgegensteht. Denn eines ist doch klar: Die 21 Ortsgemeinden haben kein Geld, um eine teure Lösung mitzutragen. Sie brauchen eine Fremdenverkehrs-Förderung auf Sparflamme - mehr können und wollen sie zumindest in ihrer Gesamtheit nicht leisten. Es war daher höchste Zeit, dass im VG-Rat endlich Tacheles geredet wurde. Ohne Zurückhaltung, ohne Tabus. Das mag schmerzhaft gewesen sein, aber es war wohl unumgänglich. Die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner kann jetzt beginnen! n.ebner@volksfreund.deExtra Tourismus-Streit: Laut einem Gerichtsurteil ist die Tourismus-Förderung Sache der Ortsgemeinden. Damit die VG Kyllburg diese Aufgabe wahrnehmen kann, müssen alle 21 Gemeinden diese auf die VG übertragen. Das ist bislang immer am Veto einzelner Gemeinden gescheitert. (neb)