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Regionalentwicklung
Volle Breitseite beim Breitband in der Eifel

Eine Kabeltrommel mit Leitungen für Breitbandkabel steht auf einer Baustelle.
Eine Kabeltrommel mit Leitungen für Breitbandkabel steht auf einer Baustelle. FOTO: Carsten Rehder / dpa
Bitburg/Prüm. 26 Millionen Euro investieren Bund, Land und Kreis in den Ausbau des schnellen Internets in der Eifel. Der Plan: Bis Ende 2019 sollen alle 234 Gemeinden im Eifelkreis versorgt sein. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm ist ein großer grauer Fleck. Zumindest im sogenannten Breitbandatlas. Auf der digitalen Karte des Bundesverkehrsministeriums ist die Leistung der Internetanschlüsse von Landkreisen und Gemeinden verzeichnet.

Wenn eine Kommune etwa gelb markiert ist, heißt das: Hier kann mit bis zu 95 Megabit in der Sekunde, kurz Mbit/s, gesurft werden. So schnelle Verbindungen gibt es in der Region nur rund um Trier. Die meisten Gebiete sind im ehemaligen Regierungsbezirk dunkelgrün. Bedeutet: Es sind Übertragungsraten von 50 bis 75 Mbit/s möglich. Das trifft auf das Wittlicher Land zu, die Mosel, sogar auf den Hunsrück – nur nicht auf den Eifelkreis.

Dort ist der blinde Fleck in Rheinland-Pfalz. Schlechtere Verbindungen gab es jahrelang nirgendwo. Das bestätigt auch ein Sprecher der Kreisverwaltung: „Bis 2012 gehörten wir zu den drei am schlechtesten versorgten Kreisen in Westdeutschland.“ Seitdem kämpft die Verwaltung unter Landrat Joachim Streit für den Breitbandausbau. Das Ziel: Bis 2020 soll jede Firma, jeder Haushalt, ja jeder Bauernhof mit mindestens 50 Mbit/s im Netz unterwegs sein.

Was bisher geschah: In 158 der insgesamt 234 Gemeinden im Eifelkreis hat die Telekom bereits Leitungen verlegt. Das entspricht etwa 28 000 Haushalten. Hier können Daten zwar noch nicht mit 50 Mbit/s durchsausen, aber immerhin mit 30 Mbit/s. Wer mit diesem Tempo surft, kann zwar online ein Video ansehen, ohne dass der Film hängen bleibt. Das Herunterladen von großen Dateien dauert aber eine Weile. Die Verwaltung nennt diese Geschwindigkeit „eine Grundversorgung“.

Diese Grundversorgung haben aber noch nicht alle Orte. Denn die Gemeinden, die von 2011 bis heute neue Netzanschlüsse bekamen, sind aufs gesamte Kreisgebiet verteilt. Die anderen gingen leer aus.

Rund 14,3 Millionen Euro hat der Ausbau bisher gekostet. Die Förderung durch EU, Bund und Land belief sich auf 65 Prozent – also 9,3 Millionen. Den Rest von etwa fünf Millionen musste der Kreis stemmen. Nun soll es in den kommenden drei Jahren für fast doppelt so viel Geld weitergehen.

Was jetzt passiert: Stolze 26 Millionen Euro werden ab April in den Breitbandausbau investiert. Und die Förderquote sieht besser aus. Land und Bund übernehmen 90 Prozent. Die Zuschussbescheide hat Innenminister Roger Lewentz vergangene Woche bei einem offiziellen Spatenstich in der Bitburger Stadthalle an Landrat Streit überreicht (der TV berichtete). Der Kreis muss etwa 2,6 Millionen beisteuern.

Der Auftrag geht erneut an die Telekom. Das Unternehmen wird in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren baggern und etwa 600 Kilometer Kabel verlegen. Zum Vergleich: Das entspricht etwa der Strecke von Prüm bis nach München.

Auch in den 158 Gemeinden, die jetzt schon mit 30 Mbit/s surfen können, wird Glasfaser unter die Erde gebracht. Schließlich sollen sie bis 2020 ja 20 Mbit schneller werden.

Zudem werden 48 Schulen im Kreis ans Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen. Nicht förderfähig sind per Gesetz nur die Bitburger Grundschulen Nord und Süd, sowie die Sankt Martin Schule. Denn in der Bierstadt sind bereits Übertragungsraten von rund 400 Mbit/s möglich.

Bei den Vorhaben wurde darauf geachtet, sie zusammen mit Straßen- und Kanalarbeiten auszuschreiben. So wird verhindert, dass man den Asphalt mehrmals aufreißen muss. Dabei entstand ein Plan, aus dem ersichtlich wird, wer wann seinen neuen Anschluss ans Glasfasernetz bekommt.

Wer zuerst dran ist: Wegen der Ausmaße des Vorhabens – es ist eines der größten seiner Art in der gesamten Bundesrepublik – wurde der Kreis zunächst in einen sogenannten Nord- und einen Südcluster unterteilt. Diese Cluster wurden dann wiederum in zwölf Ausbaugebiete (AG) gegliedert. Zum Verständnis der Grafik: Wer in AG 1 liegt, ist zuerst dran, wer in AG 6 liegt, zuletzt.

In AG 1 liegen die Gemeinden rund um Affler, Alsdorf und Wolsfeld, die zwar teilweise zum Nordcluster gehören, sich aber alle in der Verbandsgemeinde Südeifel befinden. Los geht’s im April.

Zwei Monate später geht es in Prüm und im Bitburger Land, rund um Bettingen, weiter. So liegen immer zwei bis drei Monate zwischen dem Ausbau in einem der Gebiete.

Am Längsten gedulden müssen sich die Gemeinden an der luxemburgischen Grenze, etwa Irrel, und im Norden die Kommunen an der A 60, zum Beispiel Waxweiler. Aber auch sie werden bis Ende 2019 einiges an Tempo zugelegt haben.

Denn spätestens dann soll das Vorhaben abgeschlossen sein, teilt der Verwaltungssprecher mit. Bis dahin sei das Eifeler Netz dann gleichwertig mit dem städtischer Regionen.