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Von der Pike an die Spitze

Geht nach fast 50 Jahren Dienst bei der Kreissparkasse Bitburg-Prüm in den Ruhestand: Vorstandsmitglied Reinhold Maas. TV-Foto: Stefanie Glandien
Geht nach fast 50 Jahren Dienst bei der Kreissparkasse Bitburg-Prüm in den Ruhestand: Vorstandsmitglied Reinhold Maas. TV-Foto: Stefanie Glandien
Bitburg. Ende einer Ära: Reinhold Maas (64 Jahre), Vorstandsmitglied der Kreissparkasse (KSK) Bitburg-Prüm, geht heute, am 30. Juni, in den Ruhestand. Fast 50 Jahre lang war er für die Bank tätig. Seine Nachfolge wird Rainer Nickels antreten - ebenfalls ein "Eigengewächs" der Kreissparkasse. Stefanie Glandien

Bitburg. Vom Tellerwäscher zum Millionär - das schafft vielleicht einer von einer Million Menschen. Fast genauso selten ist die Variante, innerhalb einer Firma vom Stift zum Vorstandsmitglied aufzusteigen. Einer, dem das gelungen ist, ist Reinhold Maas, scheidendes Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Bitburg-Prüm.
Der 64-Jährige beendet am heutigen Montag, 30. Juni, seine Tätigkeit - nach bald 50 Jahren Zugehörigkeit bei der Bank. Der Handelsschüler begann mit 16 Jahren seine Lehre bei der Kreissparkasse Bitburg. "Leider waren keine Mädchen dabei, sondern nur zwei Jungs", erinnert er sich schmunzelnd. Nach der Lehre wurde er überall dort eingesetzt "wo es gebrannt hat". Nach diversen internen und externen Fortbildungen und Seminaren sowie einem Studium an der Sparkassenakademie wechselte Maas in den Kreditbereich, wurde später Leiter des Kreditsekretariats. Aus dieser Zeit ist ihm der Dürresommer 1976 in Erinnerung geblieben, wo den Landwirten Sonderkredite eingeräumt wurden, weil die Ernteausfälle so gravierend waren.
Von 1988 bis 2000 war er Personalratsvorsitzender und hatte damit eine Position inne, bei der er die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter kennenlernte. Die Erfahrungen, die er damals sammelte, kamen ihm später auch als Chef zugute. "Ich glaube zu wissen, wie meine Mitarbeiter fühlen und denken. Außerdem kann ich gut zuhören."
2003, als die Stelle im Vorstand neu besetzt werden sollte, warf er seinen Hut in den Ring und ersetzte Vorstandsmitglied Diethelm Kees, der in den Ruhestand ging. Maas bezeichnet sich selbst als "Marktmensch". "Ich habe immer gerne Firmen- und Gewerbekunden betreut. Ich brauche den Kontakt zu Menschen. Ich bin ein kommunikativer Mensch." Das Kreditgeschäft sei sein Lieblingsthema - "das ist wie eine Sucht". Zu den weniger schönen Seiten seines Berufs gehören die Insolvenzen, die es zu betreuen galt. "Das hat mich schon berührt", sagt er.
Optimistisch in die Zukunft


Große Krisen hat die KSK gut durchschifft. "Die Finanzkrise 2008 hat sich nicht bis zu uns durchgeschlagen, weil wir sehr konservativ aufgestellt sind und mit ruhiger, vorsichtiger Hand Eigen-, genauso wie Kundeneinlagen betreuen", sagt Maas. Das passt auch zu den Eiflern, denn die sind laut Maas sehr konservative Anleger, die lieber ruhig schlafen, als ihr Geld risikobehaftet anzulegen. Die aktuelle schwache Zinsentwicklung bereitet aber auch ihm Sorgen. "Es ist gerade alles andere als leicht für eine Bank, denn Zinserträge sind unsere Haupteinnahmen."
Trotzdem blickt er optimistisch in die Zukunft: "So wie unser Haus aufgestellt ist, finde ich das sehr gut. Meine beiden Nachfolger (Ingolf Bermes und Rainer Nickels) werden das erfolgreich weiterführen - das beruhigt mich ungemein", sagt Maas, der auch in seinen letzten Tagen in der Bank noch am Morgen an der Verwaltungsrats- und Kreditausschuss-Sitzung teilnimmt.
Mit seinem Kollegen Ingolf Bermes verbindet ihn eine lange Freundschaft. Nicht nur beruflich arbeiten beide Seite an Seite, auch am Herd sind sie ein gutes Team, denn beide frönen ihrer Leidenschaft Kochen in einem kulinarischen Stammtisch, verrät Maas.
Für seinen Ruhestand hat er sich nichts Konkretes vorgenommen. Dass dennoch keine Langeweile aufkommt, dafür wird seine Labradorhündin Emma sorgen, mit der er zweimal am Tag spazieren geht. Außerdem werden ihn seine beiden Kinder mit den drei Enkeln (sechs und acht Jahre sowie 16 Monate) auf Trab halten. Und dann ist noch geplant, das Haus zu renovieren. Und mit seiner Frau verreisen möchte er natürlich auch mal.
Zum Tellerwäscher wird er dank Spülmaschine nicht mehr werden, aber welche Frau freut sich nicht, wenn zu Hause mal der Mann den Kochlöffel schwingt?Extra

Als Reinhold Maas 1965 seine Lehre bei der Kreissparkasse Bitburg begann, betrugen das Bilanzvolumen 69 Millionen D-Mark, die Spareinlagen 56 Millionen D-Mark und das Kreditvolumen 32 Millionen D-Mark. Damals arbeiteten rund 80 Mitarbeiter dort. Heute hat die Kreissparkasse Bitburg-Prüm (Gründung 1974) rund 340 Mitarbeiter und ein Bilanzvolumen von 1,334 Milliarden Euro. sn