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Vorbildlich renoviert, wenig möbliert

Den Auftakt der von Marie-Luise Niewodniczanska (Zweite von rechts) geleiteten RVDL-Exkursion durch das Bitburger Gutland bildete der Besuch des Hauses von Esther und Hardy Diedrich (vorne Mitte). TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Den Auftakt der von Marie-Luise Niewodniczanska (Zweite von rechts) geleiteten RVDL-Exkursion durch das Bitburger Gutland bildete der Besuch des Hauses von Esther und Hardy Diedrich (vorne Mitte). TV-Foto: Brigitte Bettscheider
"Dorf und Haus im Bitburger Gutland" war das Thema einer von der Professorin Marie-Luise Niewodniczanska (Bitburg) geleiteten Exkursion der Dauner Kreisgruppe des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL). Den Auftakt bildete die Besichtigung des vorbildlich renovierten Hauses Diedrich in Bickendorf. Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Bettscheider

Daun/Bickendorf. Als "ein wunderschönes Gebäude mit unglaublich begabten Bewohnern" hatte Marie-Luise Niewodniczanska den 30 Exkursions-Teilnehmern das Haus von Esther und Hardy Diedrich angekündigt. Tatsächlich schlägt das Herz von Liebhabern alter Bausubstanz in dem 130 Jahre alten "Schiewich Haus" in der Bickendorfer Hauptstraße besonders heftig. Was die Handwerkskammer Trier den Besitzern erst kürzlich mit dem Denkmalpflegepreis bescheinigte ("die sorgfältige Instandhaltung, die Sicherung des Bestandes, die Renovierung und Freilegung der inneren Ausmalung, den Erhalt seiner baufesten schreinerischen Ausstattung"), löst nun beim Rundgang allenthalben Bewunderung und Begeisterung aus.Im Wohnzimmer lenkt Hardy Diedrich die Blicke auf eine ungewöhnliche Holzlattendecke. In der ehemaligen Küche nimmt er die alten Dekorfliesen aus Trier-Quint, die mit begehbarem satiniertem Glas betonte Schornsteinöffnung, die Takenanlage und die von einer gewissen Wohlhabenheit der Erbauer zeugenden Wandschränke in den Fokus. "Das war die Webstube", erzählt er auf dem Weg zur heutigen Küche. Hier, in dem früheren Vorratsraum mit Kartoffeln und Rüben, stehen heute alte Bänke und moderne Elemente aus Edelstahl und Birke reizvoll beieinander. Im ersten Stock sind Elternschlafzimmer und die Jugendzimmer für den 16-jährigen Alexander und die zwölfjährige Eva. Wie ein roter Faden zieht sich die Schablonenmalerei als offenbare Vorliebe von Hardy Diedrichs Vorfahren durch das ganze Haus. "Diese Malereien sind selten geworden durch übereilige Restaurierungsmaßnahmen und Abklopfen des gesamten Kalkputzes", erläutert die Exkursionsleiterin. Diedrich aber habe "alles, was an Schablonenmalerei zu retten war", bewahrt, lobt Marie-Luise Niewodniczanska. Was noch auffällt und gefällt ist die zurückhaltende Möblierung und Ausstattung des Hauses. "Nichts Überflüssiges", ist die Devise von Esther und Hardy Diedrich. Davon geben auch die Gestaltung von Hof und Garten ein wunderbares Zeugnis.Der 44-jährige Kunstglaser und die 43-jährige Glasmalermeisterin mögen sich ein Leben in einem Neubau nicht vorstellen. Tochter Eva vielleicht doch: "Manchmal habe ich Angst, dass die Decken zusammenbrechen", sagt sie. Doch da können ihre Eltern sie beruhigen: "Hier ist alles stabil." Dass sie für die Renovierung bereits mehrfach ausgezeichnet wurden, dass Marie-Luise Niewodniczanska ihr Haus zum Vorzeigeobjekt für Studenten, Landfrauen oder - wie heute - für RVDL-Mitglieder erklärt hat, freut Esther und Hardy Diedrich sehr. "Es ist die Bestätigung, dass wir wohl das Bestmögliche daraus gemacht haben", sagen sie. EXTRA Die weiteren Stationen der RVDL-Exkursion: das Straßendorf Ehlenz mit vielen gut restaurierten Bauernhäusern sowie ausgezeichneter Gestaltung von Straßen, Hausvorflächen und Parkplätzen; die Hofanlage der Familie Bach in Messerich mit vorbildlicher Umnutzung der Ökonomiebauten und der Schmiede zu Wohnungen; das gut umgenutzte alte Pfarrhaus in Dockendorf mit Garten, Anlage und Malstudio Jakobi; das wohlhabende Bauerndorf Meckel mit wertvoller Altbausubstanz, guten Neubauten, einer vorbildlichen Durchgrünung und Friedhofgestaltung; die vorbildlich umgenutzte Torschänke und die wiederbelebte Burg in Dudeldorf; die Biermühle, die sehenswerte Gartenanlage der Familie Hohns und die preisgekrönte kleine Kapelle in Gransdorf.