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Tiere
Warmer Winter, weniger Vögel? - Mitmachen bei der Zählung

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), rufen zum achten Mal zur bundesweiten „Stunde der Wintervögel“ auf. Auch Kohlmeisen können dabei beobachtet und gezählt werden. 
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), rufen zum achten Mal zur bundesweiten „Stunde der Wintervögel“ auf. Auch Kohlmeisen können dabei beobachtet und gezählt werden.  FOTO: Patrick Pleul / dpa
Wittlich/Bitburg/Prüm/Daun. Drei Tage lang kann jeder an der größten wissenschaftlichen Mitmachaktion Deutschlands teilnehmen und Daten sammeln. Experten ermitteln im Anschluss, welche Auswirkungen das Klima auf Vögel hat.

Kohlmeise, Amsel und Rotkelchen tummeln sich auch zur kalten Jahreszeit in unseren Breitengeraden. Wie sich ihr Bestand über die Jahre hinweg entwickelt, ermittelt der Naturschutzbund (Nabu) in Kooperation mit Hobbywissenschaftlern. Bei den Zählungen der Wintervögel von Freitag, 5. Januar, bis Sonntag, 7. Januar, kann jeder teilnehmen.  Mindestens eine Stunde sollte man dazu an einem Standort verharren und notieren, welche Zaungäste vorbeischauen. Als Beobachtungsstelle eignen sich Futterhäuschen, Gärten, Parks oder der Balkon. Wie viele Buchfinken und Buntspechte zur gleichen Zeit auftauchen, tragen die Helfer in ein Protokoll ein, das als Basis für wissenschaftliche Erkenntnisse dient.

Nachdem im vergangenen Winter ungewöhnlich wenige Vögel in Gärten und Parks bei der „Stunde der Wintervögel“ gesichtet worden sind, deuten erste Beobachtungen darauf hin, dass in diesem Jahr wieder mehr gefiederte Gäste an die Futterhäuschen kommen.

 „Grundsätzlich bedeuten milde Winter, dass weniger Vögel in den Gärten zu sehen sind. Ohne Frost und Schnee können die bei uns überwinternden Vögel auch in Wald und Flur gut Nahrung finden“, sagt Kerstin Schnücker vom Nabu Rheinland-Pfalz. „Erst wenn der Boden zugeschneit und die Zweige mit Eis überzogen sind, werden die wärmeren Städte und die zahlreichen Vogelfütterungen in den Gärten zum Magnet für Vögel.“ Ist es nicht nur bei uns, sondern auch im Osten und Norden Europas so mild, bleibt meist auch der Zuzug von Wintergästen aus diesen Regionen aus. „Besonders extrem war das Phänomen im vergangenen Winter zu beobachten. Damals wurden in Rheinland-Pfalz gegenüber dem langjährigen Durchschnitt 21 Prozent weniger Vögel bei der Stunde der Wintervögel gezählt. Vor allem bei den häufigen Wintervögeln und Futterhausbesuchern, darunter alle Meisenarten, aber auch Kleiber und Kernbeißer, wurden die bisher niedrigsten Zahlen seit Beginn der Aktion im Jahr 2011 verzeichnet,“ sagt Schnücker. Die diesjährige Wintervogelzählung werde zeigen, ob das Vorjahr nur ein extremer Ausreißer war oder ob sich ein Trend zu schwindenden Wintervogel-Zahlen in unseren Gärten abzeichnet.

Auch in der Region – im Eifelkreis, im Vulkaneifelkreis und dem Kreis Bernkastel-Wittlich – zählten die Beobachter zwischen 50 und 70 Prozent weniger Meisen.

Im Gegensatz dazu sind Arten, die im Winter von Deutschland aus teilweise nach Süden abwandern, im vergangenen Jahr besonders häufig in heimischen Gefilden geblieben. Bei Amsel, Star und Heckenbraunelle ermittelten die Vogelliebhaber die bislang höchsten oder zweithöchsten Werte seit Beginn der Aktion. So wuchs die Zahl der gemeldeten Stare im Kreis Bernkastel-Wittlich um 431 Prozent, im Eifelkreis um 104 Prozent und im Vulkaneifelkreis gar um 918 Prozent.

Um die Entwicklung weiterverfolgen zu können, hofft der Nabu auf eine hohe Teilnehmerzahl bei der bundesweiten Aktion. Bei der Vogelzählung im Januar vergangenen Jahres beteiligten sich über 120 000 Menschen, davon allein 6400 Vogelfreunde aus Rheinland-Pfalz.

Der Nabu hat eine Webcam an einem Futterhäuschen eingerichtet, die das Geschehen unter www.nabu.de/webcam überträgt. Weitere Informationen zur Aktion finden sich unter:
www.stundederwintervoegel.de