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Weniger Bürokratie, mehr Zukunft

Firmengründer Klaus Lehnen. Im Gespräch mit dem TV nimmt er beherzt Stellung zur Lage in der Wirtschaft im Land - und wagt einen Blick nach vorn.Foto: Mario Hübner
Firmengründer Klaus Lehnen. Im Gespräch mit dem TV nimmt er beherzt Stellung zur Lage in der Wirtschaft im Land - und wagt einen Blick nach vorn.Foto: Mario Hübner
GEROLSTEIN/PRÜM/BITBURG. Die Steuerberatungsgesellschaft Lehnen, Klasen, Mayer & Partner (LKMP) ist zu einem Unternehmen mit drei Eifel-Standorten und 80 Mitarbeitern gewachsen. Ein TV -Gespräch mit Gründer Klaus Lehnen zu Lage und Chancen der Region. Von unserem Mitarbeiter <br>FRITZ PETER LINDEN

DreiStandorte, 80 Mitarbeiter, neun Partner - starke Zahlen einesUnternehmens, das in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert."Wir haben es nur als Team geschafft", sagt Klaus Lehnen, "undweil wir Wert auf eine persönliche Ansprache unserer Mandantenlegen." Das silberne Jubiläum fällt in eine angespannte Zeit: "Ich habe noch nie so viele schwierige Gespräche geführt wie im letzten Jahr", bekennt Lehnen.

Kein Wunder: Als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater weiß der Gerolsteiner genau, wie sehr bei seinen Mandanten - viele kleine oder mittlere Unternehmer und Selbstständige aus der Eifel, dem Saarland sowie aus Nordrhein-Westfalen - zurzeit der Schuh drückt. "Es glaubt ja immer noch jeder, wer ein Gewerbe hat, sei automatisch reich. Aber das wird überschätzt."

Steuern sind nicht das Problem

Naturgemäß ist eine von Lehnens wichtigsten Aufgaben, dafür zu sorgen, dass sie alle möglichst wenig an den Fiskus überweisen müssen - aber tut das Zurzeit überhaupt noch jemand? Lehnen: "Steuern zahlen die schon noch. Das ist auch nicht das zentrale Problem. Vielmehr ist die Arbeit bei uns zu teuer. Und den Angestellten bleibt von dem Geld zu wenig in der Tasche." Zudem könnten die kleineren Betriebe auch nicht die Vorteile international operierender Konzerne nutzen: "Denn die haben jede Menge Möglichkeiten, ihre Gewinne im Ausland stattfinden zu lassen. Die Verluste werden dann im Inland verbucht."

Aus Berlin seien derzeit keine Signale zur Verbesserung zu erwarten. Und da man nicht wisse, wohin sich die Konjunktur bewegen wird, rät er zur Defensive: "Fixkosten verringern, kein Risiko eingehen und keine langfristigen Verpflichtungen." Auch wenn dies volkswirtschaftlich "eine Katastrophe" sei.

Blick zurück: Klaus Lehnen eröffnete 1978 sein erstes Büro in der Gerolsteiner Burgstraße. Die erste Niederlassung folgte 1985 in Prüm, zwei Jahre später übernahm die Gesellschaft eine Praxis in der Abteistadt. Das "K" im Firmenkürzel, der Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Diplomkaufmann Lothar Klasen, trat 1987 als Partner ein. Drei Jahre darauf folgte das "M", der Steuerberater und Diplom-Finanzwirt Albert Mayer. Die Niederlassung Bitburg wurde 1994 eröffnet. Inzwischen hat das Unternehmen knapp 100 Steuerfachangestellte ausgebildet, derzeit lernen zehn Azubis bei LKMP, viele Mitarbeiter sind bereits seit den Siebzigern dabei.

Die Mandanten erhalten neben der Steuerberatung Beistand in allen betriebswirtschaftlichen sowie bürger- und handelsrechtlichen Angelegenheiten - von den ersten Schritten ins Unternehmer-Leben bis zu Betriebsübergaben, Buchhaltung, Finanzwesen oder Vertragsfragen. Das gilt gerade auch in Krisenzeiten: Dann versuchen Lehnen und Partner, tragfähige Rettungskonzepte zu zimmern. Oft mit Erfolg: "Da muss ich auf Holz klopfen. Die Zahl der Insolvenzen ist gering." Vielleicht liegt es an Lehnens Überzeugung, eine gute Wirtschaftsberatung sei "immer auch eine vorausschauende Beratung". Zum 25. Geburtstag will sich das Unternehmen für die Eifel engagieren, indem man touristische Veranstaltungen anregt oder als Sponsor unterstützt.

Fremdenverkehr - das ist ein besonderes Anliegen des laut Selbstauskunft "Gerolsteiner Berufspatrioten" Klaus Lehnen. Er ist Mitglied der Marketing-Initiative Gerolsteiner Land und sitzt im Beirat der dortigen Wirtschaftsförderungsgesellschaft. "Das ist eine ganz einfache wirtschaftliche Erkenntnis", sagt Lehnen. "Industrieansiedlungen können wir hier vergessen. Aber wir haben großes touristisches Potenzial durch unsere unverbrauchte Natur und die gute Erreichbarkeit für die Gäste aus den Ballungszentren. Und da lässt sich noch einiges verstärken."

Zu allererst sei das jedoch eine Frage der Einstellung: "Wie verhält sich ein Einwohner, wenn ein Holländer vor ihm hertuckert - hupt er ihn an, oder hilft er ihm weiter?" Ein gutes Gegenbeispiel seien die USA: "Wenn Sie da einen Stadtplan auseinander falten, sind direkt zwei Leute da, die Ihnen weiter helfen wollen."

Und Klaus Lehnens Wünsche für die kommenden 25 Jahre? "Ein sehr viel einfacheres Steuerrecht, weniger Bürokratie und mehr Zeit, mit den Mandanten über Zukunftsprojekte zu sprechen. Das ist nämlich wichtiger, als ihnen zu zeigen, wie man ein Fahrtenbuch korrekt ausfüllt."