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Wenn goldene Gemüsehobel die Welt erobern

Stefan Zimmermann ist einer von 70 Angestellten, die mitverantwortlich sind für den Erfolg des Eifeler Unternehmens Börner. Foto: Börner
Stefan Zimmermann ist einer von 70 Angestellten, die mitverantwortlich sind für den Erfolg des Eifeler Unternehmens Börner. Foto: Börner
Landscheid-Niederkail. Der Börner-Gemüsehobel wird in die ganze Welt exportiert und zwar aus dem Eifelort Landscheid-Niederkail (Verbandsgemeinde Wittlich). Dort ist das Unternehmen Börner seit 1976 zu Hause. Seit 2012 leitet Geschäftsmann Wolfgang Elsen aus Speicher die Firma. Bleibt die Internetverbindung im Ort aber so langsam, will er das Geschäft nach Trier verlegen. Mandy Radics

Gemüse schneiden mit einem Hobel, der einer Prinzessin würdig ist. Der Traum einer jeden Hausfrau, könnte man bei der rosa-pinken Edition des Börner-Gemüsehobels meinen. Der ist ringsherum auch noch mit schillernden Swarovski-Steinen eingefasst. Wem das noch nicht ausreicht, kann auf die Luxusedition zurückgreifen - die aus 24-karätigem Gold. Seit 2012 ist Wolfgang Elsen, Diplom-Ökonom aus Speicher, neuer Geschäftsführer des Unternehmens Börner in der Eifel. Die etwas verrückten Ideen entstammen seinem Hirn. "Die 5000er Auflage der pinken Glitzeredition war innerhalb einer Woche verkauft", sagt er. Von der Goldauflage seien nur 1000 Stück gefertigt worden. Wie viel die Luxushobel kosten, will Elsen nicht verraten. Normalerweise werden die patentierten Kunststoff-V-Hobel in Weiß, Rot, Grün und Orange hergestellt. Am beliebtesten sei bei den Kunden die Farbe Orange. "Alles komplett made in Germany", darauf lege das seit 1976 in Landscheid-Niederkail ansässige Traditionsunternehmen (siehe Extra) Wert.

Was von Börner übrig blieb: "Früher gab es nur Börner", weiß Elsen, "Dann kamen asiatische Billigprodukte auf den Markt". Das habe dem Unternehmen, das seinen Gemüsehobel und andere Haushaltsprodukte nur auf Märkten, über Vertreter und Werksverkauf an den Mann und vor allem die Frau brachte, anfangs nicht geschadet.

Doch die alte Verkaufsstrategie habe irgendwann nicht mehr funktioniert. Der Umsatz brach ein. Statt der üblichen zehn Millionen Euro jährlich waren es 2012 nur noch vier Millionen. Im gleichen Jahr habe man Elsen dann gebeten, die Leitung zu übernehmen. Zuvor hatte Jürgen Börner die Firma geleitet.

Das Problem, das Börner nicht lösen kann: "Wir sind hier auf dem Abstellgleis, so kommen wir nicht weiter", sagt Elsen aufgebracht. Zwei Kilometer trennt das seit fast 40 Jahren in Niederkail produzierende Unternehmen vom schnellen Internet. Das gibt es nämlich im Ortsteil Landscheid. Laut Elsen sei dieses Manko ein echtes Wachstumshindernis, die Firma sei auf den Onlineverkauf der Produkte angewiesen. Beschwerden hätten nicht geholfen, sagt der bekennende Eifeler.

"Wir schaffen hier jede Menge Arbeitsplätze. Wenn sich nichts ändert, müssen wir nach Trier umziehen." Dass das nicht nur leere Reden sind, zeigt das Büro, das Börner im Wissenschaftspark der Trierer Uni angemietet hat. "Dort arbeiten bereits fünf Mitarbeiter", sagt Elsen.

Der Neustart im September 2012: Elsen holte 2012 zu einem Rundumschlag aus. Es gab acht Entlassungen, aber auch 15 Neueinstellungen. Die nunmehr 70 Mitarbeiter seien alle mitgegangen, weil sich etwas bewegt habe, so Elsen. Alle haben per Fragebogen mitgeholfen, Ideen zu entwickeln. "Ohne die verantwortungsvollen Mitarbeiter gebe es den Laden nicht mehr."

Eine neue Marketingstrategie wurde entwickelt. Getreu dem Motto: "Der Hobel ist die Braut, um die alle tanzen." Die Philosophie "Eat well, feel good!" (Iss gesund, fühl dich gut), ebenfalls von Elsen kreiert, zeigt die neue Richtung an. Alles drehe sich um Gesundheit und gesunde Lebensweise. Dafür solle Börner stehen. "Unsere Zielgruppe sind die Best-Ager ab 40", sagt Elsen. Der Gemüsehobel sei nicht nur Gebrauchsgegenstand, sondern ein Gut, das das Leben bereichere.

Was die Zukunft bringen soll: Ein Budget von 350 000 Euro fließe allein in das Marketing und neue Innovationen, so Elsen. Außerdem sei die Anschaffung neuer Maschinen geplant. "Ansonsten wird Börner so bleiben, wie es ist", verspricht der Ökonom. Das Unternehmen werde einfach weiterentwickelt. Der Umsatz steige wieder, sagt Elsen. "Qualität aus Deutschland ist eben weltweit gefragt." Deshalb ist der Geschäftsführer viel auf Reisen, um neue Märkte zu erschließen.

In Russland fänden die Hobel mittlerweile viele Käufer. In Mexiko, Kolumbien, USA und auf den osteuropäischen Märkten habe die Firma Kunden. Sein ambitioniertes Ziel: Marktführer innerhalb von zwei Jahren zu werden. Helfen sollen dabei weiterentwickelte und ganz neue Produkte. Die seien gerade in der Patentphase, mehr dürfe er noch nicht verraten. "Aber der TV erfährt darüber als Erster", verspricht Elsen lachend. MRAExtraBörner wurde 1956 von Alfred Börner gegründet. Begonnen hat alles mit einem Zwiebelschneider aus Holz mit Metallklingen. Seit 1959 wurde mit elf Beschäftigten in Krälingen (Verbandsgemeinde Altenahr) produziert - alles in Handarbeit. 1961 zog Börner nach Dudeldorf um. Die ersten Gemüseschneider aus Kunststoff wurden entwickelt. 1966 wurde der erste V-Hobel patentiert, bis heute das Markenzeichen von Börner. 1976 zog Börner auf das 32 000 Quadratmeter große Gelände in Niederkail. Mit 100 Mitarbeitern wurde die Firma ein wichtiger Arbeitgeber in der Eifel. 1989 exportiert Börner in 50 Länder. 2012 übernimmt Wolfgang Elsen die Geschäftsführung. Er wurde 1969 in Stuttgart geboren, ist studierter Ökonom und war in New York und Hamburg tätig. Seit 1994 lebt er in Speicher in der Eifel und ist als selbstständiger Unternehmer tätig. MRA