| 21:33 Uhr

Soziales
Wohnen, arbeiten, Miete prellen

Zeitarbeiter, die 2016 bei der Firma Christen und Laudon beschäftigt waren, sollen bei Vermietern in der Eifel Schulden hinterlassen haben.
Zeitarbeiter, die 2016 bei der Firma Christen und Laudon beschäftigt waren, sollen bei Vermietern in der Eifel Schulden hinterlassen haben. FOTO: TV / Christian Altmayer
Staffelstein/Burbach . Zeitarbeiter einer rümänischen Leiharbeiterfirma, die bei der Firma Christen und Laudon beschäftigt waren, sollen in der Eifel ihre Miete nicht gezahlt haben. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Weihnachten steht vor der Tür. Doch für die Eifeler Familie Borresch wird der Winter 2016 alles andere als besinnlich. Eine schöne Bescherung erlebt Vater Jörg offenbar schon, als er seine Mietwohnung im Dezember betritt. Doch das Geschenk, das die Mieter ihm gemacht haben, dürfte ihm alles andere als willkommen gewesen sein. Und so beschreiben die Borreschs, was sie vor zwei Jahren erlebt haben:

Ein unangenehmer Geruch liegt in der Luft. Grüne Sporen übersähen die Tapete. Weil die Bewohner offenbar ihre nasse Kleidung auf den Heizkörpern getrocknet hatten, hat sich Schimmel an den Wänden ausgebreitet. In der Garage, die die Neustraßburger den sieben Männern ebenfalls überlassen haben, riecht es nicht besser. Der Gestank kommt von den Müllsäcken, die sich auf dem Boden auftürmen. Sie sind gefüllt mit Abfällen, teilweise mit vergammeltem Fleisch.

Als Borresch sieht, wie die Zeitarbeiter, die einige Monate bei der Staffelsteiner Firma Christen und Laudon beschäftigt waren, seine Wohnung hinterlassen haben, wird ihm klar: „Die kommen nicht wieder.“ Dabei hatten die Rumänen das versprochen, als sie kurz vor Weihnachten abgereist waren.

Miete hätten sie bislang keine gezahlt, ebenso wenig wie Telefon- Strom- und Wasserrechnungen. Und auch nicht im Januar, nicht im Februar, im März, nicht 2017 und nicht 2018. „Wir sind auf Kosten von fast 5000 Euro sitzen geblieben“, sagt Rabine Diesch-Borresch. Seitdem kämpft sie dafür, ihr Geld wiederzubekommen.

Das ist nun fast zwei Jahre her. Für die Familie war es laut Borresch „keine schöne Zeit.“ Die 4550 Euro Rückstände seien für sie und ihren Mann kaum zu stemmen gewesen. Er ist Maler und Alleinverdiener, sie ist die Mutter von drei Kindern. „Wir hatten Probleme, unsere Rechnungen zu bezahlen“, erzählt sie. Doch die Gläubiger klopften an, bald auch die Inkasso-Büros.

Inzwischen sei man finanziell aus dem Gröbsten raus. Das Geld hätte die Familie trotzdem gerne wieder: „Es steht uns ja zu.“ Doch wie sollen die Eifeler an die rumänische Firma herankommen, die die Mietpreller an Christen und Laudon vermittelt und schließlich in ihre Wohnung gebracht hatte? Hier sei der Staffelsteiner Kunststoffhersteller gefragt, finden die Borreschs.

Rechtlich müsste das Unternehmen zwar nicht für Schäden haften, die Zeitarbeiter eines externen Betriebs angerichtet haben.  Aber der ehemalige Geschäftsführer von Christen und Laudon habe der Familie aus Neustraßburg sein Wort gegeben, erzählen die Borreschs. Wörtlich soll er gesagt haben: Er werde sie nicht im Regen stehen lassen. „Er hat uns versprochen, dass er uns unser Geld beschafft. Und bei uns in der Eifel gilt das gesprochene Wort wie ein mündlicher Vertrag“, sagt die dreifache Mutter.

Nur scheint sich die Firma an diesen „mündlichen Vertrag“ zunächst nicht gebunden zu fühlen. Und die Borreschs stehen weiter im Regen, drehen nach eigener Aussage jeden Groschen um, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Das Problem: Ganz ähnlich ergeht es auch Christen und Laudon. Während die Neustraßburger nämlich Briefe nach Staffelstein schicken, bei der Firma durchklingeln, gerät das Unternehmen in Schieflage (der TV berichtete).

Die Insolvenz konnte zwar nach Monaten des Bangens abgewendet werden. Der alte Geschäftsführer, mit dem man die Vereinbarung getroffen hat, allerdings ist weg. „Aufgrund der Notlage ist das alles irgendwie unter den Tisch gefallen“, räumt der neue Chef Peter Epp ein. Durch TV-Anfrage erfährt er persönlich von der Geschichte der Borreschs und jetzt wolle er, wie er sagt, „die Sache nicht so stehen lassen, sich für die Familie einsetzen, damit die nicht in die Leere schauen.“

Also habe er bei der rumänischen Zeitarbeitsfirma angerufen. Doch die Verhandlungen seien nicht einfach, die sprachlichen Barrieren groß. Die Familie müsste irgendwie belegen können, wie hoch ihre Auslagen waren, sagt Epp. Er sei dennoch zuversichtlich, dass er etwas geregelt bekomme und die Borreschs ihr Geld bekommen. Nur wie viel das genau sein wird, sei noch unklar.

Um über ihre „Schmerzgrenze“ zu sprechen, hat der Geschäftsführer die Neustraßburger kürzlich Zuhause besucht. Diesch-Borresch will nicht weniger als 4000 Euro von den Rumänen. Epp hält diese Summe für zu hoch gegriffen und nicht kommunizierbar.

Der Betrag bleibt also Verhandlungssache. Gegenüber dem TV sagt Epp, dass Christen und Laudon „keine Schmerzen habe, auch selbst einen Teil beizulegen, wenn aus Rumänien nichts oder nur wenig kommt.“ Trotz des Versprechens sind die Borreschs dennoch nicht zufrieden. Für sie steht fest: „Was wir reingesteckt haben, bekommen wir nicht wieder raus.“

Dieter Diesch hat sich hingegen damit abgefunden, dass er sein Geld nicht wiederbekommt. Ihm erging es nach eigenen Angaben ähnlich wie der Neustraßburger Familie. Sieben Zeitarbeiter von Christen und Laudon haben 2016 etwa ein halbes Jahr in seinem Haus in Burbach gelebt. Allerdings bezahlten sie nur für vier Monate Miete. Wie Borreschs Mieter reisten sie im Dezember ab und kamen nicht wieder, hinterließen Müll und Sperrmöbel im Haus und Rückstände von etwa 2000 Euro.

Er habe danach versucht, die rumänische Zeitarbeitsfirma zu kontaktieren. Doch der Chef des ausländischen Unternehmens habe ihn immer wieder vertröstet, also habe er irgendwann aufgegeben. An Christen und Laudon hingegen habe er sich nicht gewandt. Er sieht den Eifeler Kunststoffverarbeiter auch nicht in der Pflicht: „Die hatten damit ja nichts zu tun. Schuld hat die rumänische Firma“, sagt Diesch.

Ob Epp sich trotzdem für ihn einsetzen wird? Noch kennt der Geschäftsführer die Geschichte des Burbachers nicht. Für den neuen Chef ist das, was den Borreschs passiert ist, weiterhin ein Einzelfall: „Nach meinem Wissensstand ist das nicht noch einmal vorgekommen. Und ich kann es mir auch nicht vorstellen.“