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Xinnián kuàilè oder Prost Neujahr

Zu einem gemütlichen Weihnachtsfest gehört auch Gesang: Kristanto aus Indonesien (rechts im Bild), der sich sein Studium als Straßenmusikant in Heidelberg verdient, kennt die deutschen Lieder und animiert bei „Oh Tannenbaum“ alle zum Singen. Neben ihm Organisatorin Karin Jung. TV-Foto: Wilma Werle
Zu einem gemütlichen Weihnachtsfest gehört auch Gesang: Kristanto aus Indonesien (rechts im Bild), der sich sein Studium als Straßenmusikant in Heidelberg verdient, kennt die deutschen Lieder und animiert bei „Oh Tannenbaum“ alle zum Singen. Neben ihm Organisatorin Karin Jung. TV-Foto: Wilma Werle
Hermesdorf. Eifeler Familien laden seit fast 30 Jahren ausländische Studierende aus Asien, Afrika und Südamerika über die Feiertage zu sich nach Hause ein. Im Auftrag des Vereins Experiment betreut Karin Jung aus Hermesdorf die jungen Menschen und ihre Gasteltern. Der TV war beim Familientreffen dabei. Wilma Werle

Hermesdorf. Wenn sich deutscher Christstollen, scharfe Suppe aus dem Senegal, Speckbrote aus der Ukraine und Bakmi Goreng aus Indonesien auf einem Büffet vereinen - dann ist wieder internationales Treffen im Haus von Karin Jung in Hermesdorf.
Seit vier Jahren organisiert sie die Aufenthalte von ausländischen Studierenden in Gastfamilien im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Dazu gehört traditionell auch ein großes Treffen aller Teilnehmer mit ihren Familien in der umgebauten Scheune von Karin Jung."Eine spannende Aufgabe"


"Das ist jedes Jahr eine spannende Aufgabe", erzählt sie lachend. "Die verschiedenen Kulturen haben alle ein unterschiedliches Zeitverständnis und andere Auffassungen von Organisation. Wenn wir gemeinsam feiern wollen, muss ich eine gute Mischung finden." Es scheint ihr zu gelingen: Alle sind ausgelassen, essen, singen und reden miteinander.
Kristanto (22) aus Indonesien und Oussäma (19) aus Tunesien stehen wie alte Freunde zusammen und fachsimpeln über die Universität Heidelberg - in bestem Deutsch. Sie studieren beide dort, haben sich aber eben erst kennen gelernt. Oussäma war unter den zehn Jahrgangsbesten seines Landes und hat ein Stipendium erhalten: Er möchte Ingenieurwesen studieren. Für ihn waren die Erlebnisse über Weihnachten neu: "Ich war mit in der Kirche", erzählt er strahlend. "Wir Moslems glauben ja auch an Jesus als Prophet. Und auch das Christkind war da und hat Geschenke gebracht." Genau wie Diane aus Burkina Faso genießt er die Tage in der Eifel - auch den Schnee. "Ich kenne Schnee nur aus dem Fernsehen", freut sich Diane. "Aber aufwachen und alles ist weiß, das ist wie ein Traum." Nur die Kälte kennt sie nicht aus ihrer Heimat, dem "Vaterland der ehrenwerten Menschen", das sie in einem kurzen Vortrag auf Deutsch den anderen vorstellt.Mit Händen und Füßen


Vieles ist neu für die Studierenden: Subin aus Südkorea ist zwar Christin, aber eine eigene Krippe im Haus aufstellen? Das gibt es daheim nur in der Kirche. Und so war sie erstmals vor Weihnachten mit Familie Becker aus Idenheim in den Wald "Ikki" (Moos) sammeln und hat am Krippenaufbau mitgewerkelt. "Ich war schon immer neugierig auf fremde Kulturen", erzählt Peter Becker. Und Gastmutter Resi Plein, mit über 25 ausländischen Gästen der Profi unter den Gastgebern, berichtet: "Drei Tage kann man rechnen, dann sind sie heimisch".
"Wir reden Deutsch, ansonsten mit Händen und Füßen, denn wir können kein Englisch", sagt Maria Schifferings aus Büdesheim. Ihre Gäste, zwei lustige junge Damen aus Asien, Tzu-Yin aus Taiwan und Saki aus Japan, hoffen insgeheim auf eine Party zu Silvester. Saki meint zwar, sie werde den Gang zum Tempel und die traditionellen 108 Glockenschläge vermissen, aber die Büdesheimer Glocken werden bestimmt durch die Eifelnacht hallen und das Heimweh etwas mindern.
Und dann wird ihre neue Freundin Tzu-yin sie in den Arm nehmen und ihr wünschen: "Xinnián kuàilè" - Prost Neujahr!Extra

Experiment ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn, der sich den Austausch zwischen Menschen aller Kulturen, Religionen und Altersgruppen zum Ziel gesetzt hat. Unter dem Motto "Miteinander leben. Voneinander lernen." vermittelt er im Rahmen von Gastaufenthalten oder Schüleraustauschprogrammen interkulturelle Begegnungen und fördert gegenseitige Verständigung, Achtung und Toleranz. Die gewonnenen Erfahrungen sollen Teilnehmer und Gastfamilien nicht nur persönlich bereichern, sondern auch auf das globale Zusammenleben der Nationen vorbereiten. Wer Interesse hat, selbst einmal einen Gast aufzunehmen, kann sich im Internet unter www.experiment-ev.de oder bei Karin Jung unter der Telefonnummer 06527/93559 informieren. wiw