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Unwetter
Zerstörung, Ratlosigkeit, Resignation

Jodok Metzen zeigt Wirtschaftsminister Volker Wissing, ISB-Vorstandssprecher Ulrich Dexheimer und dem Bitburg-Prümer Landrat Joachim Streit (Foto links, von links) den in seiner Druckerei angerichteten Schaden. Auch in der von der Flut zerstörten Bäckerei von Heinz-Peter Theis (Foto rechts, links) waren Wirtschaftsminister Volker Wissing und Landrat Joachim Streit (von links) vor Ort, um sich die Hochwasserschäden anzuschauen.
Jodok Metzen zeigt Wirtschaftsminister Volker Wissing, ISB-Vorstandssprecher Ulrich Dexheimer und dem Bitburg-Prümer Landrat Joachim Streit (Foto links, von links) den in seiner Druckerei angerichteten Schaden. Auch in der von der Flut zerstörten Bäckerei von Heinz-Peter Theis (Foto rechts, links) waren Wirtschaftsminister Volker Wissing und Landrat Joachim Streit (von links) vor Ort, um sich die Hochwasserschäden anzuschauen. FOTO: Uwe Hentschel
DUDELDORF/BIERSDORF/WAXWEILER. Das Hochwasser hat nicht nur viele Häuser im Eifelkreis zerstört, sondern auch Betriebe. Drei davon hat Wirtschaftsminister Volker Wissing besucht, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Auf die Fragen des Ministers, was denn jetzt am wichtigsten sei und was am dringendsten benötigt werde, zuckt Jodok Metzen mit den Schultern. „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht“, sagt er. Auch seine Schwester Annemarie Metzen hat darauf keine Antwort. Nur eines steht für sie fest: „In diesen Standort hier haben wir kein Vertrauen mehr“, so die Frau aus Dudeldorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm), die gemeinsam mit ihren Bruder die Druckerei Metzen betreibt und vor einigen Tagen mit ansehen musste, wie das, was der Familienbetrieb in 30 Jahren an diesem Standort aufgebaut hatte, innerhalb weniger Stunden zerstört wurde.

Und das nicht nur einmal. „Wir sind in nur drei Tagen drei Mal überschwemmt worden“, sagt Jodok Metzen, während er die Besucher durch die Betriebsräume führt. Erst im vergangenen Jahr haben die beiden Geschwister die bis dahin gemieteten Hallen gekauft. Nun ist alles kaputt.

Die Landesregierung hat inzwischen reagiert, ein millionenschweres Hilfsprogramm für die Geschädigten des Hochwassers beschlossen.  Was dabei aber nach Auffassung des Bitburg-Prümer Landrats Joachim Streit fehlt, ist Unterstützung für geschädigte und nicht ausreichend versicherte Betriebe. Betroffene Unternehmen in der Druck- und Bäckereibranche sowie im Bereich des Tourismus hätten in jüngerer Vergangenheit enorm in ihre Betriebe investiert und könnten daher nicht auf Rücklagen zurückgreifen, heißt es in einem Brief des Landrats. Schnelle und unbürokratische finanzielle Hilfeleistungen seien für die Betriebe dringend notwendig. Daher müsse die Katastrophenhilfe des Landes nicht nur für Private, sondern auch für gewerbliche Betriebe erweitert werden, so Streit, der darüber hinaus ein Bürgschafts- und Kreditprogramm der Iandeseigenen Investitions- und Strukturbank (ISB) fordert.

Gerichtet ist dieser Brief an den rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Volker Wissing. Der hat ihn am Donnerstag erhalten und umgehend reagiert. Einen Tag später stehen er und ISB-Vorstandsmitglied  Ulrich Dexheimer in der Druckerei der Familie Metzen, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

„Einen kleinen Lichtblick haben wir“, sagt Annemarie Metzen und berichtet von der neuen digitalen Lichtdruckmaschine, die erst vor wenigen Tagen, also nach dem Hochwasser, geliefert worden sei und jetzt bei einem anderen Dudeldorfer Unternehmen stehe. Zudem habe sich der zuständige Maschinenhändler bereiterklärt, den Betrieb mit einer kleinen Grundausstattung zu versorgen. Als Gegenleistung bekomme er dafür sämtliche Maschinen, die bislang im Einsatz waren und nun beschädigt wurden.

„Wir müssen so schnell wie möglich wieder loslegen“, sagt der Chef der Druckerei. Die Kunden hätten durchaus Verständnis für die Verzögerungen, erklärt Metzen, die Frage sei nur: Wie lange hält dieses Verständnis an?

Diese Frage beschäftigt auch Heinz-Peter Theis. Der Bäcker- und Konditoreimeister, der in Biersdorf das Hotel Theis-Mühle betreibt, musste vor einer Woche hilflos dabei zusehen, wie die hauseigene Bäckerei innerhalb weniger Minuten überflutet wurde.

Fünf Tage später besucht nun Wissing den Bäckereibetrieb. Landrat Streit hat für den Besuch des Ministers exemplarisch drei Betriebe herausgesucht, die besonders hart getroffen wurden. Von der Druckerei in Dudeldorf geht es also weiter nach Biersdorf, wo der Bäckereibetreiber am Rande von Existenz und Nerven steht. Wissing steht währenddessen in einem kleinen Raum neben einer Wand. Die Hochwassermarke, die das Schlammwasser auf dieser Wand hinterlassen hat, überragt den Kopf des Ministers. Mit zittriger Stimme berichtet ihm der gesundheitlich angeschlagene Theis von den Ereignissen. Damit er das hauseigene Hotelrestaurant und die Filialen überhaupt mit Backwaren versorgen könne, würden Brot und Brötchen bei einem anderen Betrieb zugekauft. In seinen Händen hat der Bäcker ein Schreiben der Versicherung, die sich weigert, den Schaden zu übernehmen. Er sei zu alt und habe nicht die Kraft, um nochmal von vorne anzufangen, sagt Theis.

„Wir müssen jetzt überlegen, was wir im Einzelfall tun können“, sagt Wissing. Deshalb sei es wichtig, zunächst das gesamte Ausmaß der Schäden zu erfassen. Was das Land und auch die ISB aber schon direkt anbieten können, sei eine umfassende Beratung, erklärt der Minister.

Dann müssen der Minister, der Landrat und die übrigen Begleiter weiter nach Waxweiler. Dort hat das Hochwasser der Prüm vor etwas mehr als zwei Wochen den Campingpark Eifel stark zerstört. Und ähnlich wie in Dudeldorf und in Biersdorf wissen auch dort die Betroffenen nicht, wie es jetzt weitergehen soll.

Heinz-Peter Theis erklärt Wirtschaftsminister Volker Wissing und Landrat Joachim Streit (von links), wie sich das Hochwasser in seinem Bäckereibetrieb ausgebreitet hat.
Heinz-Peter Theis erklärt Wirtschaftsminister Volker Wissing und Landrat Joachim Streit (von links), wie sich das Hochwasser in seinem Bäckereibetrieb ausgebreitet hat. FOTO: Uwe Hentschel