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Soziales
Zimmer, Küche, Beatmungsgerät

Seit drei Jahren muss Magit Kartz künstlich beatmet werde. Ihr Mann Reinhold besucht sie jeden Tag in der Wohngemeinschaft im Gesundheitszentrum in Neuerburg. Foto: Stefanie Glandien
Seit drei Jahren muss Magit Kartz künstlich beatmet werde. Ihr Mann Reinhold besucht sie jeden Tag in der Wohngemeinschaft im Gesundheitszentrum in Neuerburg. Foto: Stefanie Glandien FOTO: TV / Stefanie Glandien
Neuerburg. Im Gesundheitszentrum Neuerburg gibt es seit vergangenem Jahr eine WG für sehr pflegebedürftige Menschen. Nun wurde sie offiziell eröffnet. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Was tun, wenn das Atmen zum Kraftakt wird? Wenn das Nervensystem verrückt spielt oder die Muskeln schwinden? In all diesen Fällen sind Menschen auf intensive Pflege angewiesen. Geschätzt betrifft das etwa 1200 Personen im Großraum Eifel.

Die können seit Dezember 2017 ein besonderes Angebot im Gesundheitszentrum Neuerburg wahrnehmen. Der RR-Pflegedienst hat in dem ehemaligen Klinikum eine Wohngemeinschaft für Menschen eingerichtet, die intensive Pflege brauchen – etwa den Anschluss an ein Beatmungsgerät benötigen, eine Magensonde oder Hilfe bei der Bewältigung des Alltags. Die Patienten können hier wie in einer „normalen“ WG zusammenleben, erhalten aber darüber hinaus medizinische Betreuung. Es ist ein bislang einzigartiges Angebot in der Eifelregion. Wer in so einer WG leben wollte, musste bis Ende des vergangenen Jahres, nach Euskirchen oder Koblenz fahren.

Nun hat die Einrichtung offiziell Eröffnung gefeiert. Warum das ein halbes Jahr gedauert hat? „Es hat eben eine Weile gedauert, bis der Pflegedienst sich komplett eingerichtet hatte“, sagt Moritz Petry, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Südeifel.

Wie viele andere Vertreter aus Politik, Kirche und Verwaltung war er der Einladung der Wohn-Pflege-Gemeinschaft zu einem Tag der offenen Tür gefolgt. Die Einrichtung nennt er „einen weiteren Baustein im Gesundheitszentrum Neuerburg.“ Er hofft, dass auf den Pflegedienst als ersten Mieter weitere folgen werden: „Es ist ein Signal, das für die Ansiedlung weiterer Dienstleister außerordentlich wichtig ist.“

Dem pflichtete Neuerburgs Bürgermeister Lothar Fallis bei: „„Nichts ist schöner, als wenn das soziale Netzwerk in Neuerburg noch ein wenig dichter wird.“ Und auch vom Kreis-SPD-Vorsitzenden Nico Steinbach gab es warme Worte: „Ich habe keine Sorge, dass die Station mit ihren zwölf Plätzen nicht in kürzester Zeit belegt ist.“ Kreisbeigeordneter Rudolf Rinnen betonte wie wichtig es sei, dass die Bewohner hier möglichst selbstbestimmt leben könnten und ihre Umgebung keinen stationären Charakter vermittle.

In der Wohngruppe sind derzeit bis zu 30 Mitarbeiter im Einsatz, größtenteils Krankenschwestern mit Zusatzausbildung, die neben der Grundpflege ebenso spezielle Behandlungen – von der Beatmung über die künstliche Ernährung und Medikamentengabe bis hin zum nächtlichen Umlagern – für die Patienten sicherstellen.

Noch sind vier Zimmer in der WG frei. Die Betreiber gehen aber davon aus, dass sie schnell belegt sein werden. Der Bedarf sei groß. Denn weder Angehörige noch „normale“ Pflege-Einrichtungen schafften es auf Dauer, die Intensivpflege rund um die Uhr zu gewährleisten, sagt Philipp Rinas, Assistent der Geschäftsführung.

Nach dem Aus des Krankenhauses Neuerburg betreibt die Stadt  gemeinsam mit der Verbandsgemeinde das sogenannte Gesundeheitszentrum (der TV berichtete), vermietet die Räume also an Dienstleister. Erste Mieter sind die besagte Wohngemeinschaft, eine Jugendwohngruppe für Flüchtlinge und eine Hausärztin aus Neuerburg.