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Zitterndes Espenlaub bibbert vor Biber

Ein Nager leistet ganze Arbeit: Der Biber vom Alfbachtal lässt diese Espe kräftig zittern.Foto: Joachim Schröder
Ein Nager leistet ganze Arbeit: Der Biber vom Alfbachtal lässt diese Espe kräftig zittern.Foto: Joachim Schröder
PRONSFELD. (js) Im Naturschutzgebiet Alfbachtal vollzieht sich zurzeit ein seltenes Schauspiel: Der dort ansässige Biber legt zurzeit eine Espe um und sorgt sich um eine bessere Wohnqualität für sein selbst gewähltes Domizil.

Seit Jahren weiß man von der Existenz eines Bibers im Alfbachtal. Das wird auch rein äußerlich sofort sichtbar: eine große Biberburg lässt das Wasser des Alfbachs anstauen. Teilweise werden Wiesen überspült, das Bachbett leistet an dieser Stelle keine eigentliche Führung mehr. Etwa zwei Kilometer von Pronsfeld in Richtung Bleialf ist dieses überaus seltene Naturschauspiel zu sehen und überall sorgt der fleißige Nager für munteren Gesprächsstoff. Doch seit einiger Zeit werden weitere, seltsame Veränderungen offenkundig: neben kleinen Gehölzen, die längst in der "Burg" verarbeitet wurden, wagte sich der Pflanzen fressende "Castor fiber" an eine ganz besondere Herausforderung: Opfer seiner nächtlichen Attacken ist eine haushohe Espe (auch Zitterpappel genannt, deren Laub derzeit bei jedem Säuselwind und Angriff des Bibers vor Lebensangst erzittert. Umfang des Weidengewächses am Stockende: gigantische 102 Zentimeter, ein Mordsauftrag für den kleinen schwarzen Pflanzenräuber. Massive Nage-Attacken

Die Espe ist mittlerweile zu 80 Prozent an ihrem Stockende abgeholzt, Späne zeugen von den Nage-Attacken des kleinen Bibers. Schwerstarbeit, die er hier verrichtet und die in Kürze von Erfolg gekrönt sein wird. Mit seinen starken Nagezähnen hat es der Pflanzenfresser dann in unzähligen Arbeitsstunden geschafft, das zu bekommen, was er wollte: den gefällten Baum zu zerlegen und seine Einzelteile zum Bau neuer Wohnungen zu verwenden. An dieser Stelle im idyllischen Alfbachtal handelt es sich naturgemäß um Dammbauten mitten im Fließgewässer. Die Zugänge zu den Wohnburgen bleiben durch die geschickt gebauten Dammsysteme immer auf dem gleichen Wasserspiegel. Holz, Schlamm, Steine, Schilf alles nutzt der kluge Baumeister zum Bau und zum Erhalt seiner Dammburgen. Als kräftigende Nahrung für seine arbeitsintensiven Leistungen dienen ihm Rinde, grüne Sprossen und eben jene Teile der zitternden Pappel, die noch frisch und jung sind. Zum "Nachtisch" verzehrt er dann noch allzu gerne Eicheln, Bucheckern und Kräutersamen. Die Kernfrage, die zurzeit jeden beschäftigt, lautet: Schafft der das eigentlich ganz alleine? Hat er eine Frau, Kinder, Untermieter, Gastarbeiter? Keiner weiß es so recht. Der Biber könnte demnächst seine Arbeitnehmer reichlich entschädigen mit viel Grün und saftig-nahrhaftem Futter jener Zitterpappel. Die misst immerhin zwölf Meter Höhe mit stattlicher Krone und diese liegt ihm in Kürze reich garniert zu Füßen. Gefundenes, nein schwer erarbeitetes Fressen… Freunde der Natur sehen dieses Schauspiel mit großer Gelassenheit und Freude. "Einmalig, was der Kleine leistet" dieser Respekt spricht aus jeder Meinungsäußerung. Viele machen sich auf den Weg, um den Baum zu fotografieren und Beobachtungen anzustellen. Doch ihn sehen? Wer könnte das behaupten? Einige haben angeblich…, aber bitte: Wo bleibt nur das Beweisfoto?"Leib und Gut nicht gefährdet"

Für Radtourist Oliver Nagel und Familie aus Wesel am Niederrhein ist das alles schier unglaublich: "Faszinierend, so etwas habe ich ja noch nie in freier Wildbahn gesehen." Monika Ridder von der Landespflege bei der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm sieht "überhaupt keinen Handlungsbedarf, hier einzugreifen". "Leib und Gut von Menschen sind nicht gefährdet, es handelt sich um ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet, wie geschaffen für eine Bebauung dieser Art," stellt die Expertin klar.