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Regionalentwicklung
Zukunfts-Check Dorf im Eifelkreis - zwei Schränke füllen sich mit Ideen

Katharina Scheer betreut den Zukunfts-Check Dorf. In den beiden Schränken stehen die Ordner der Gemeinden, die daran teilnehmen.
Katharina Scheer betreut den Zukunfts-Check Dorf. In den beiden Schränken stehen die Ordner der Gemeinden, die daran teilnehmen. FOTO: Uwe Hentschel
Bitburg-Prüm. Rund 170 Gemeinden des Eifelkreises nehmen am Zukunfts-Check Dorf teil oder haben diesen bereits abgeschlossen. Bis Ende 2019 sollen alle Teilnehmer ihr Dorfentwicklungskonzept fertig haben. Von Uwe Hentschel

Sei vergangenem Jahr arbeitet Katharina Scheer in Bitburg in der Kreisverwaltung. Sie hat ihr Büro in der Außenstelle auf dem Gelände der Alten Kaserne. Und dort stehen zwei große Aktenschränke.

Beide sind voll mit Ordnern. Für jede Gemeinde, die am Zukunfts-Check Dorf teilnimmt, ein Exemplar. Es gibt viele schmale, schwarze Ordner und ein paar wenige dicke, blaue.

In den schwarzen Ordnern wird der Vorgang dokumentiert und in den blauen das Ergebnis: das neue Dorfentwicklungskonzept. Darauf nämlich läuft das ganze in allen Gemeinden hinaus.

In diesem Konzept werden die Schwächen und Stärken einer Gemeinde erfasst und darauf aufbauend dann Handlungsempfehlungen für die Zukunft entwickelt. Wenn beispielsweise die Analyse zu der Erkenntnis führt, dass es im Dorf zu wenig Angebote für Senioren gibt, der Spielplatz zu klein ist oder aber im Ortskern viele Häuser leer stehen, dann wird überlegt, was man tun kann, um diese Missstände zu beheben.

Das Dorfentwicklungskonzept dient aber nicht nur als Leitfaden für die weitere Entwicklung, sondern ist darüber hinaus auch Voraussetzung dafür, dass Baumaßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung überhaupt gefördert werden. Was auch der Hauptgrund ist, warum viele Gemeinden bereits über ein solches Konzept verfügen.

Im Idealfall werden die darin aufgeführten Handlungsempfehlungen nach und nach umgesetzt. Nicht selten aber verschwindet ein solches Konzept nach der Fertigstellung in einer Schublade und keiner erinnert sich mehr daran. Für beide Fälle gilt aber, dass das Konzept irgendwann veraltet ist. Und dann muss ein neues her.

Bis vor wenigen Jahren war es noch so, dass solche Konzepte von externen Planungsbüros erstellt wurden. Mit der Einführung des „Zukunfts-Check Dorf“ geht diese Aufgabe nun an die Gemeinden über. Wobei es den Dörfern natürlich selbst überlassen ist, ob sie die Arbeit einem externen Planer überlassen oder es selbst in die Hand nehmen.

Die Teilnahme am Zukunfts-Check hat aber zwei entscheidende Vorteile: Dadurch dass sich die Gemeinde selbst damit befasst, ist ihr auch eher daran gelegen, dass die Arbeit nicht umsonst ist. Ideen und Anregungen des Konzepts werden also auch eher umgesetzt, sofern das finanziell möglich ist. Dem Planer hingegen kann es im Grunde egal sein, was aus dem Konzept wird. Er wird schließlich für seine Arbeit bezahlt – womit wir beim zweiten Vorteil des Projekts wären: Bei einem Planungsbüro liegen die Kosten schnell im fünfstelligen Bereich. Die Teilnahme am Zukunfts-Check hingegen ist zwar mit Arbeit verbunden, dafür aber viel günstiger.

„Es hat sich inzwischen so eingependelt, dass die Kosten für die Gemeinde im Schnitt bei etwas 1050 Euro liegen“, erklärt Katharina Scheer, die das Projekt betreut und den Gemeinden bei der Umsetzung zur Seite steht. Aktuell, so Scheer, sind 145 der insgesamt 234 Gemeinden des Eifelkreises mit dem Dorf-Check beschäftigt. Weitere 26 Orte haben das Projekt bereits abgeschlossen. Dazu zählen auch die acht Gemeinden, die 2012 bis 2014 in der Modellphase dabei waren. Insgesamt also haben sich rund 170 Gemeinden für eine Teilnahme entschieden.

Was die übrigen Orte betrifft, so gibt es für deren Nicht-Teilnahme verschiedene Gründe. „Oft ist es so, dass die Gemeinden ein Dorfentwicklungskonzept haben, das noch recht aktuell ist“, sagt Scheer.

Dann gebe es noch die sogenannten Schwerpunktgemeinden, die im Rahmen des Förderprogramms ohnehin durch ein Planungsbüro kostenlos beraten würden. „Es gibt aber auch Dörfer, die das einfach nicht wollen“, erklärt die Projektleiterin. „ Und das ist wirklich schade“, sagt sie. „Denn für so wenig Geld bei so viel Unterstützung bekommen sie das kein zweites Mal angeboten.“

Für den Kreis fallen trotz des hohen Verwaltungsaufwands beim Zukunfts-Check keine Kosten an. Was daran liegt, dass das Projekt vom Land gefördert wird. Nach  Abschluss der Modellphase hatte das Land ursprünglich einen Zuschuss für 100 Gemeinden bewilligt. Aufgrund des hohen Interesses wurde die Förderung  2016 auf 150 Gemeinden aufgestockt. Und weil auch das nicht ausreichte, gibt es jetzt einen Zuschuss für 170 Gemeinden.

Bis Ende 2019 soll der Dorf-Check in allen Gemeinden abgeschlossen sein. Bis dahin also wird sich der Anteil der blauen Ordner in den Aktenschränken von Katharina Scheer stetig erhöhen.