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Zurück in die Zeit der Römer

Grabungsleiterin Sabine Faust und Grabungstechniker Markus Thiel erklären die Funde einer römischen Fernstraße bei Meilbrück. TV-Foto: Dagmar Schommer
Grabungsleiterin Sabine Faust und Grabungstechniker Markus Thiel erklären die Funde einer römischen Fernstraße bei Meilbrück. TV-Foto: Dagmar Schommer
Dort, wo heute die B 51 verläuft, war bereits vor mehr als 2000 Jahren eine römische Fernstraße. Sie verband den Mittelmeer-Raum mit dem Niederrhein und verband so Lyon, Metz und Trier mit Bitburg und Köln. Es war die Nord-Süd-Achse Galliens, das zur Zeit von Julius Cäsar das heutige Norditalien, Frankreich, Belgien und Teile Deutschlands umfasste. Ein Stück dieser Fernstraße wird auf Höhe der Tankstelle Meilbrück erhalten. Von unserer Redakteurin Dagmar Schommer

Bitburg/Trier. "Das war eine der wichtigsten Fernstraßen in ganz Gallien", sagt Sabine Faust, Grabungsleiterin vom Rheinischen Landesmuseum Trier und ergänzt: "Das ist schon sensationell, eine Römerstraße auf so einer langen Strecke festlegen zu können. Das kenne ich sonst nur aus Italien." Wochenlang war sie mit ihrem Team vor Ort. Erst wurden Querschnitte gegraben, um einen Überblick über den Verlauf der historischen Straße zu bekommen, die mal auf der einen, mal auf der anderen Seite der heutigen B 51 entlang führte und nach Schätzung der Archäologin heute über weite Strecken unter der Bundesstraße "vergraben" ist.

Gleich bei der Meilbrück trat ein Stück Geschichte zu Tage, das besonders gut erhalten ist und die Schichten des Straßenbaus deutlich zeigt: Auf einen festen Lehm-Untergrund folgten größere Kalksteine, darauf eine Schicht Kieselsteine, auf der teils eine Deckschicht mit kleineren Kalksteinen lag. Faust: "Der Kies ist ein Hinweis darauf, dass es sich um ein größeres Bauprojekt gehandelt haben muss, hinter dem Geld stand. Denn solche ortsfremden Materialien mussten mit Fuhrwerken aufwendig zur Baustelle transportiert werden."

Die Archäologen gehen davon aus, dass diese Fernstraße bereits vor mehr als 2000 Jahren in einer ersten Bauphase unter Kaiser Augustus, der die Erschließung von ganz Gallien angeordnet hat, entstanden ist.

In einer zweiten Bau-Phase wurde die Straße an den Seiten von senkrecht angeordneten Randsteinen begrenzt. "Da wir das Glück hatten, eine Münze aus der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts zu finden, können wir die zweite Phase des Straßenbaus auf genau diese Zeit datieren", erklärt Faust. Zudem stieß das Team auf einen riesigen Graben entlang der Fernstraße, der möglicherweise eine Entwässerungs-Funktion hatte.

Ansonsten wurden die Archäologen nicht mit Funden verwöhnt: etliche Keramikscherben, aber weiter nichts besonderes. "Hier wurde nicht gelebt und gewohnt", erklärt Grabungstechniker Markus Thiel, der aber auf eine Keramik-Scherbe aus vorhistorischer Zeit stieß. Thiel: "Diese Keramik wurde nicht wie bei den Römern üblich auf einer Drehscheibe gefertigt und auch nicht so heiß gebrannt."

Auch ein Stück römische Langmauer tauchte bei den Grabungen auf. "Die hat mal auf einer Länge von rund 70 Kilometern um eine römische Villa in Welschbillig geführt und ging von der B 51 bis nach Herforst und in den Speicherer Wald, von Kyllburg bis runter nach Aach", sagt Faust. Sie vermutet, dass die Langmauer die Funktion hatte, Wildtiere aus dem landwirtschaftlichen Villa-Gehöft draußen zu halten und das Haus-Vieh davon abzuhalten, das Weite zu suchen. Noch nicht gefunden wurden die ein bis zwei Tempelbezirke, die es mehr als 150 Jahre alten Hinweisen zufolge bei Meilbrück gegeben haben soll. Zudem wäre denkbar, dass es Pferdewechsel-Stationen der kaiserlichen Post entlang der römischen Fernstraße gegeben hat.