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| 19:02 Uhr

Tiere
Zwei an einem Tag gefangen - Wer vermisst einen blauen Pfau?

FOTO: Ulrike Löhnertz / Tv
Esslingen. Umherirrende Pfauen haben die Südeifel seit dem Sommer  2017 auf Trab gehalten. Nun sind beide Tiere  gefangen worden. Und das an einem Tag. Von Ulrike Löhnertz
Ulrike Löhnertz

„Da ist ein Pfau auf unserer Terrasse.“ Als Heidi Franzens Mann diesen Satz eines Morgens im Oktober fallen lässt, glaubt sie, er wolle sie auf den Arm nehmen. Doch dem ist nicht so.  Mitten auf einem Gartenstuhl auf der Terrasse ihres Hauses in Esslingen hockt er: der Pfau. Den blauen Hals mit der Federkrone nach oben gestreckt, das grünlich und golden schimmernde Gefieder hinter sich tragend.

Ob es das Tier ist, das im Sommer an mehreren Orten in der Südeifel gesehen wurde, weiß in diesem Moment keiner. Es scheint aber wahrscheinlich. Denn häufig sind umherirrende Pfauen im Eifelkreis normalerweise nicht. Zudem wurde in allen Fällen offenbar ein Blauer Pfau (Pavo cristatus) gesichtet.

Die Reiselust dieses Tieres scheint groß: Ab Juni wurde ein Vogel in Brecht, Altscheid, Niederstedem, Bitburg-Stahl und Oberweis, ja sogar einmal auf der B 51 gesehen. Ist es einer, sind es zwei oder sogar vier, wie ein Zeuge behauptet? Trotz zweier Veröffentlichungen und Recherche im TV  sowie eines Aufrufs der Verbandsgemeinde Bitburger Land wird kein Besitzer ausfindig gemacht. Versuche, den Vogel oder die Vögel  einzufangen, schlagen fehl. So  auch in Stahl, wo sich mehrere Wochen lang ein Pfau aufhält. „Mein Vater hielt ihn zusammen mit den Gänsen“, berichtet Heike Feinen.  Doch als er ihn in einen Stall locken will, um ihn einzufangen, verzieht  sich der Vogel auf einen Baum, wo er mehrere Tage bleibt, um dann ganz weiterzuziehen.

Einer der  Pfauen macht sich sesshaft. Bei  Heidi Franzen. Sie erzählt:  „Der Pfau sah sehr zerrupft  und schlecht genährt aus.“ Deshalb füttert sie den  Vogel nach einer Recherche im Internet mit klassischem Vogelfutter. Mehrere Monate lang kommt der Pfau, der offenbar männlichen Geschlechts ist, weshalb Heidi Franzen ihn „Herr Pfau“ nennt, jeden Tag auf ihre Terrasse zum Fressen. Zum  Schlafen legt er sich auf einen Baum. Manchmal ruht er den ganzen Tag auf der Terrasse, manchmal geht er auf Reisen. Aber: Er kommt immer wieder zurück.

Heidi Franzen  bringt es nicht übers Herz, ihn zu ignorieren. Doch sie kann und will ihn nicht behalten, sondern will dafür  sorgen, dass das Tier artgerecht gehalten wird und ein gutes Zuhause findet.  Deshalb kontaktiert sie im November die Kreisverwaltung. Das dortige Veterinäramt bittet  den Falkner des Eifelparks in Gondorf  um Hilfe. „Als ich ankam, war der Pfau weg. Ich bin durchs ganze Dorf gelaufen und habe ihn gesucht. Viele Leute haben mir erzählt, dass er sich seit Wochen im Dorf aufhalte“, erzählt er. Das Einfangen gelingt Vetter an diesem Tag nicht. Der Pfau ist unauffindbar. Ebenso wenig erfolgreich sind die Kreisveterinäre, die es wenige Wochen später versuchen.

Was tun? Die Mitarbeiter des Veterinäramts, die bestätigen, dass das  Tier zu diesem Zeitpunkt „agil und bestens genährt“ gewesen sei, erläutern Heidi Franzen, dass man eine Falle brauche, um das Tier zu fangen. Das sieht auch Falkner Kai Vetter so. „Es scheint mir unmöglich, den Pfau mit dem Casher zu fangen. Man muss Lebendfallen aufstellen“, sagt er.  Solche Fallen besitzt aber weder er noch die Kreisverwaltung.

Die wiederum sieht sich nach den erfolglosen Fangversuchen ohnehin nicht weiter in der Pflicht. Kreissprecher Dondelinger: „Das Veterinäramt hat trotz Unzuständigkeit versucht zu helfen.“ Auch habe man die Lieferung einer Kiste oder einer Falle nicht zugesagt. Zudem habe man Frau Franzen informiert, dass eigentlich die Verbandsgemeinde    Bitburger Land für den Fall zuständig sei, da der Pfau offenbar irgendwo entlaufen sei, also als Fundtier gelte. Ein Missverständnis? Heidi Franzen geht davon aus, dass das Veterinäramt sich weiter darum kümmert. Und ist frustriert: „Ich habe mich mit dem Problem allein gelassen gefühlt.“ Schließlich habe sie zwei Falkner, die Polizei, die Kreisverwaltung und mehrere Tierparks  um Hilfe gebeten.

Nach einem  Tipp von anderer Seite meldet sie sich erst am  1. Februar bei Daniela Spilles von der Verbandsgemeinde Bitburger Land, die direkt das Tierheim Trier ins Spiel bringt. Dieses verweist ans  Wildtierzentrum Trier-Saarburg. Mit Erfolg. Am Montag, gleich vier Tage nach ihrem Anruf,  kommt die Rettung in Person von  Jürgen Meyer vom Wildtierzentrum. Er  stellt eine speziell präparierte, faltbare Gitterbox auf Heidi Franzens Terrasse. Mit frischen Mehlwürmern locken beide das Tier an. Und: Der Vogel geht rein. „Eigentlich sollte das Gitter durch eine mechanische Verbindung mit dem Futternapf direkt zuschnappen, aber der Pfau hat so sanft gefressen, dass die Klappe nicht automatisch zuging. Da musste ich schnell springen und es selbst tun“, erzählt Meyer. Der volle Körpereinsatz lohnte sich.  Der Pfau ist in Sicherheit.

Noch schnell ein Anruf bei Josef Feinen vom Geflügelzuchtverband, um die frohe Botschaft zu übermitteln. Seine Frau Heike ist am Telefon. „Den Pfau  hat mein Sohn Johannes heute in Bettingen gefangen.“  Moment.  Ein blauer Hahn? „Ja“. Anruf beim Sohn Johannes Heinen, der selbst ein  Pfauenpärchen hält und die Spur des blauen Ausreißers (welchem auch immer) seit einigen Monaten verfolgt. „Das war purer Zufall, das Tier war gerade im Garten meines Nachbarn. Er kam gerannt, und wir haben das Tier in eine Box gelockt.“

Nun sei das Tier erst mal  in Quarantäne beim Tierarzt. Was danach passiere, weiß Feinen nicht. „Ich würde den Pfau gerne aufnehmen,  habe aber schon ein Männchen. Das würde nicht gut gehen.“

Vielleicht gesellt er sich ja mal zu Herrn Pfau, den Jürgen Meyer ins Wildtierzentrum nach Saarburg gebracht hat. Er lebt jetzt in einer Einzelvoliere und wird erstmal gesundheitlich untersucht. Und dann? „Wenn wir einen guten Platz finden, vermitteln wir ihn weiter, sonst bleibt er bei uns.“ Beides würde Heidi Franzen sehr freuen. „Ich bin so begeistert, wie fachgerecht und kompetent Herr Meyer das gemacht hat.“ Ende gut, alles gut? Ein Pfau kommt selten allein  ...

Das Wildtierzentrum Trier-Saarburg freut sich über Spenden  bei der Sparkasse Trier, IBAN: DE17585501300121032015, BIC: TRISDE55XXX oder auf der Seite /www.wildtierzentrum.de über PayPal. Bilder von der Rettung des Pfaus finden Sie auf der Facebook-Seite des Vereins.
Wer einen blauen Pfau vermisst, meldet sich bei der Verbandsgemeindeverwaltung Bitburger Land, Telefon: 06561/66-1101, E-Mail: daniela.spilles@bitburgerland.de

FOTO: Ulrike Löhnertz / Tv
FOTO: Ulrike Löhnertz / Tv
FOTO: Ulrike Löhnertz / Tv
FOTO: Ulrike Löhnertz / Tv
Herr Pfau  in seinem Übergangs-Zuhause auf der Terrasse der Franzens in Esslingen.
Herr Pfau in seinem Übergangs-Zuhause auf der Terrasse der Franzens in Esslingen. FOTO: Ulrike Löhnertz / Tv
FOTO: Ulrike Löhnertz / Tv
Endlich: Der Vogel ist in seiner Box angekommen. Jetzt geht’s ab nach Saarburg.
Endlich: Der Vogel ist in seiner Box angekommen. Jetzt geht’s ab nach Saarburg. FOTO: Jürgen Meyer / tv