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Landwirtschaft: Blauzungen-Virus: Bauern sauer auf Land

Landwirtschaft : Blauzungen-Virus: Bauern sauer auf Land

Viehhalter und Tierärzte fordern Impfpflicht und finanzielle Unterstützung. Die Ministerin verweist auf fehlende EU-Strategie.

Rinderhalter in der Region klagen über massive Umsatzverluste durch die Blauzungenkrankheit. Wegen der für den Menschen ungefährlichen Tierseuche können sie die Kälber nicht mehr oder nur schwer verkaufen. Die Preise für die Tiere sind laut Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, eingebrochen, zum Teil um über 20 Euro für Bullenkälber. Weil rund 35 Prozent der in Rheinland-Pfalz gehaltenen Rinder im Eifelkreis Bitburg-Prüm und im Vulkaneifelkreis stehen, ist die Region besonders von den Auswirkungen der Tierseuche betroffen. Rund 170 000 Rinder wurden 2017 in der Region gehalten.

Seitdem die Krankheit Mitte Januar erstmals in einem Betrieb im Kreis Trier-Saarburg nachgewiesen wurde (der TV berichtete), hat sie sich weiter ausgebreitet. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums wurde der Erreger mittlerweile in weiteren Beständen unter anderem in der Pfalz und in Bad Kreuznach nachgewiesen. Das Landesuntersuchungsamt hat ganz Rheinland-Pfalz zum Sperrgebiet erklärt, das heißt: Der Handel mit für die Krankheit empfänglichen Tieren wie Rindern, Schafen und Ziegen ist eingeschränkt. Falls sich überhaupt ein Käufer findet, müssen die Tiere sieben Tage vor dem Verkauf auf das Virus untersucht werden. Eine Blutentnahme schlägt pro Tier mit über 30 Euro zu Buche. Bei einem derzeitigen Preis von 45 bis 52 Euro pro Kalb verdient der Viehhalter damit beim Verkauf kaum noch etwas. Die Folge: Die Kälber bleiben auf dem Hof, was wiederum zu Platzproblemen und weiteren Kosten führt. Das könne in einigen Fällen existenzgefährdend werden, warnt Horper.

Das Land empfiehlt, die Tiere impfen zu lassen. Allerdings gibt es laut Horper seit Wochen kaum Impfstoff, erst in einigen Wochen sei mit Nachschub zu rechnen. Er fordert eine Impfpflicht und dass das Land die Kosten für die Vorsorge übernimmt. Bei einem Bestand von 120 Tieren koste eine einmalige Impfung bis zu 4000 Euro, sagt der Bauernpräsident. Zwei Impfungen seien notwendig. Auch die Tierärzte im Land fordern eine flächendeckende Impfung. Nur so könne der Erreger der Blauzungenkrankheit  vollständig bekämpft werden, heißt es in einer Resolution an Landesumweltministerin Ulrike Höfken (Grüne). In dem Schreiben an die Ministerin kritisieren die 40 Nutztierärzte, dass die Verantwortung für die Bekämpfung der Seuche und der wirtschaftliche Schaden zurzeit alleine bei den Landwirten liege.

Höfken spricht sich gegen eine allein in Rheinland-Pfalz geltende Impfpflicht aus. Sie sagte unserer Zeitung: „Eine Pflichtimpfung gegen das Blauzungenvirus wirkt zur Tierseuchenbekämpfung nur, wenn diese von ganz Deutschland und unseren europäischen Nachbarländern flächendeckend umgesetzt wird.“ Eine Insel-Lösung mache keinen Sinn, da das Virus in den Nachbarländern so nicht eliminiert werde. Eine europäische Gesamt-Impfstrategie und eine gemeinsame Vereinbarung zum Umgang mit der Erkrankung würden jedoch seitens der EU derzeit nicht angestrebt.