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Blitzerangriff mit Fichte, Hammer und Pizza-Karton

Verkehr : Blitzerangriff mit Fichte und Pizza-Karton

Wenn es darum geht, Trailer zu beschädigen, lassen sich die nur selten gefassten Täter einiges einfallen.

Wer die Meldungen der Polizeidienststellen gezielt nach Anriffen auf Blitzer durchsucht, der wird rasch fündig. Bundesweit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo in der Republik ein Blitzer Ziel einer Attacke wird. Mal geht’s dabei ziemlich wüst zu, mal aber auch kreativ. Im niedersächsischen Lüchow stellte ein Unbekannter vor wenigen Tagen vor das Sichtfenster eines Blitzeranhängers mehrere Zweige und einen Pizza-Karton auf. Bis die Sache auffiel, dürfte der von der Kommune betrieben Trailer nicht allzu viele Raserfotos gemacht haben.

Die Aktion in Norddeutschland erinnert an die inzwischen drei Jahre zurückliegende „Baumattacke“ an der Bundesstraße B  51 bei Bitburg. Dort „wurde eine zwei Meter Fichte direkt vor einen mobilen Blitzer „gepflanzt“. Die Ergebnisse der Radarmessungen waren damit zeitweise unbrauchbar. Auch in diesem Fall verliefen die Ermittlungen im Sande.

Immerhin kam dabei heraus, dass die Fichte „fachmännisch eingepflanzt worden“ war. Doch der dazugehörige (Hobby-)Gärtner wurde nie geschnappt. Und selbst wenn: Inwiefern der gute Mann oder die gute Frau etwas zu befürchten gehabt hätten, ist unklar. Während die Polizei seinerzeit wegen Störung öffentlicher Betriebe ermittelte, stellten namhafte Juristen in Frage, ob die Baumpflanzer überhaupt bestrafen werden könnten.

Sei’s drum. Bei einer Blitzerattacke aus dem vergangenen März scheint die Sache dagegen klar zu sein. Nach dem Brandanschlag auf einen an der Autobahn bei Haßloch in der Pfalz abgestellten Trailer konnten die Beamten drei junge deutsche Tatverdächtige ermitteln. Nach einer Mitteilung des Innenministeriums erhob die Staatsanwaltschaft Frankenthal im August Anklage gegen das Trio wegen gemeinschaftlicher Brandstiftung. Laut dieser Mitteilung hatte das Gericht über die Zulassung der Anklage noch nicht entschieden.

Neben dem wahrscheinlichen Prozess erwartet die jungen Männer aber noch mehr Ungemach. Der an dem Blitzeranhänger durch das Feuer angerichtete Schaden wurde auf rund 120 000 Euro beziffert. Kosten, die die Versicherung im Fall eines Schuldspruches von den Tätern einfordern dürfte. Ob die zuständige Kommune auch den Feuerwehreinsatz in Rechnung stellt, ist noch offen. Laut Mainzer Innenministeriums wird dies nach Abschluss des Strafverfahrens geprüft.

Einer der drei Männer könnte dann auch seinen Führerschein zumindest zeitweise verlieren. Ein weiterer Beschuldigter hat zwar noch keinen Führerschein. Er könnte aber nach einer Verurteilung Problem bekommen, wenn er den Führerschein machen will.

Unterm Strich dürften die Folgen des Anschlags auf den Trailer für die drei jungen Männer eine ziemliche Lektion gewesen sein. Doch die Wahrscheinlichkeit, nach einer Blitzerattacke erwischt zu werden, war in der Vergangenheit eher gering. Vor zwei Jahren wurde bei 26 Anschlägen auf Blitzeranhänger kein Tatverdächtiger ermittelt, im Jahr davor war es ein Beschuldigter bei 25 Anschlägen. Übrigens hatte auch dieser Beschuldigte noch keinen Führerschein, was wohl darauf schließen lässt, dass er nicht zuvor geblitzt worden sein dürfte.

Bei einem Anfang Dezember in Saarbrücken aufgefallenen Mann dürfte das anders gewesen sein. Der Unbekannte flüchtete in einem Wagen, nachdem er von Passanten dabei gesehen worden war, wie er mit einem Vorschlaghammer auf einen kommunalen Blitzeranhänger einschlug. Der laut Herstellerwerbung gegen Vandalismus geschützte Blitzer hielt den Hammerschlägen stand. Laut Polizeimeldung hatte der Trailer nur ein paar Beulen, war ansonsten aber voll funktionsfähig.