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Gesellschaft: Bombenentschärfer: Vorerst keine Suche mehr nach Blindgängern

Gesellschaft : Bombenentschärfer: Vorerst keine Suche mehr nach Blindgängern

Der Kampfmittelräumdienst will wegen der Corona-Krise Bomben nur noch bergen und entschärfen, wenn es nicht anders geht.

Der letzte größere Bombenfund in der Region liegt noch nicht lange zurück. Bei Arbeiten auf dem Sportplatz im Trierer Stadtteil Euren wurde im September vergangenen Jahres ein Blindgänger entdeckt. Um die britische 250-Kilo-Fliegerbombe zu entschärfen, mussten 2300 Anwohner im Umkreis von 500 Metern ihre Wohnungen verlassen. Etliche Straßen wurden zeitweise abgesperrt, im Messepark gab es eine Notunterkunft. Über 350 Helfer waren im Einsatz.

In normalen Zeiten kein größeres Problem. Derzeit allerdings käme eine Bombenentschärfung mit großflächigen Evakuierungsmaßnahmen äußerst ungelegen. Denn ein Großteil der Helfer ist wegen der Corona-Krise schon jetzt quasi rund um die Uhr eingespannt. Der Grund, warum sich die rheinland-pfälzischen Bombenentschärfer jetzt dafür ausgesprochen haben, die gezielte Bombensuche einzustellen und unter der Erde vermutete Blindgänger nicht mehr zu bergen. Das würde zu umfangreichen Evakuierungsmaßnahmen führen, die in dieser Sicherheitslage unbedingt zu vermeiden seien, heißt es in einer Mitteilung des Kampfmittelräumdienstes. Die Bombenentschärfer empfehlen stattdessen, den vermeintlichen Blindgänger gesichert im Erdreich zu lassen und später zu bergen und entschärfen.

Stoßen Bauarbeiter durch Zufall auf eine Bombe, soll die auch in Zukunft weiter unschädlich gemacht werden. Besonders wichtig sei es derzeit allerdings, dass in einem Radius von einem Kilometer um medizinische Versorgungs- und Pflegeeinrichtungen keine Kampfmittelräumarbeiten mehr anfielen, sagen die Spezialisten, um in diesen sensiblen Bereichen Evakuierungen zu vermeiden.

Der Hauptstandort des rheinland-pfälzischen Kampfmittelräumdienstes ist Koblenz, der Verwaltungssitz Trier. Hinzu kommt ein Standort in Worms. Die 15 Bombenentschärfer brauchen keine Angst zu haben, dass ihnen die Arbeit 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ausgeht. Im vergangenen Jahr machte der Kampfmittelräumdienst nach Angaben von Kolonnenführer Marco Ofenstein rund 50 größere Bomben unschädlich, darunter die britische Fliegerbombe in Trier-Euren. Dafür brauchten die Experten übrigens nur 38 Minuten.

Ein Großteil der geborgenen Bomben wurde vor Ort entschärft, manches auch abtransportiert, weil zum Beispiel die Zünder fehlten, sagt der Kolonnenführer. Insgesamt beseitigten die rheinland-pfälzschen Bombenentschärfer 2019 landesweit fast 35 Tonnen Munition.

Die Zahl der im vergangenen Jahr gemeldeten Funde gibt Ofenstein mit rund 1000 an. Da seien aber auch Nieten dabeigewesen. Zum Beispiel habe jemand einen Sonnenschirmfuß im Rhein für etwas Gefährliches gehalten. Historische Luftbilder wertet der rheinland-pfälzische Kampfmittelräumdienst seit 2014 nicht mehr systematisch aus. „Wir haben sowieso nicht alle Bilder. Höchstens für eigene Ermittlungen machen wir das mal“, sagt Ofenstein. Blindgänger würden uns noch in etlichen Generationen begleiten.

Experten schätzen, dass im Zweiten Weltkrieg rund ein Zehntel der über Deutschland abgeworfenen Bomben nicht explodiert ist. So vereisten mitunter die Zünder beim Abwurf aus mehreren Tausend Metern Höhe, so dass die Entsicherung nicht funktionierte. Andere Bomben, die Zünder nur am Kopf und Heck haben, schlugen so auf, dass sie nicht detonierten.

 Für die Kosten des Kampfmittelräumdienstes kommt übrigens das Land auf. Heißt: Die betroffenen Grundstückseigentümer müssen für das Anrücken der Bombenentschärfer nichts bezahlen.