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Brüderkrankenhaus Trier verhängt Besuchsstopp wegen Corona

Pandemie : Angespannte Corona-Lage: Trierer Brüderkrankenhaus verhängt Besuchsstopp

Wegen vieler Covid-Patienten und infizierten Personals müssen Behandlungen verschoben werden. Welche Regeln jetzt gelten.

Ab diesem Sonntag gibt es keine bundesweit einheitlichen Corona-Maßnahmen mehr. Bundestag und Bundesrat stimmten am Freitag für eine entsprechende Änderung des Infektionsschutzgesetzes. Damit gibt es nur noch wenige allgemeine Vorgaben zu Masken und Tests in Einrichtungen für gefährdete Gruppen. In Bussen und Bahnen soll weiterhin Maskenpflicht gelten können. Für regionale sogenannte Hotspots kann es weitergehende Beschränkungen geben, wenn das Landesparlament für diese eine besonders kritische Corona-Lage feststellt.

In Rheinland-Pfalz ändert sich zunächst nichts. Die Maskenpflicht etwa in Geschäften bleibt bis zum 2. April weiter bestehen. In Krankenhäusern wird befürchtet, dass durch die Lockerungen die Zahl der Covid-Patienten weiter ansteigen wird. Mit einer Entspannung für die Krankenhäuser sei vorerst nicht zu rechnen, teilte eine Sprecherin des Trierer Brüderkrankenhauses mit. Die Zahl der Corona-infizierten Patienten und auch Mitarbeiter sei in den vergangenen Tagen weiter gestiegen. Dadurch komme es zu Einschränkungen bei geplanten Behandlungen.

Diese Auswirkungen hat das geänderte Infektionsschutzgesetz auf die Kliniken

Zum Schutz der Patienten und Aufrechterhaltung der Notfallversorgung gilt ab diesem Samstag ein zunächst unbefristetes Besuchsverbot in der Klinik. In den anderen Krankenhäusern der Region bleibt es vorerst bei eingeschränkten Besuchsregeln. Es gebe zwar keine flächendeckende Überlastung der Krankenhäuser, aber von einem Regelbetrieb seien die Kliniken weit entfernt, sagte Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, unserer Redaktion. „Aktuell müssen 75 Prozent der Kliniken ihr Leistungsangebot einschränken, was sich massiv auf die Erlössituation auswirkt.“ Gaß fordert daher eine Fortführung der Ausgleichszahlungen für die Kliniken.

Mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes laufen die vom Bund gezahlten sogenannten Freihaltepauschalen, als Ausgleich für wegen der Behandlung von Corona-Patienten verschobene Behandlungen, aus. Das größte Problem in den Krankenhäusern sei derzeit der Personalausfall, sagt der aus Wittlich stammende Gaß. Er sieht daher die Lockerungen der Corona-Maßnahmen kritisch.

Weniger Covid-Intensivpatienten dank Impfung und Omikron

„Die Inzidenz ist auf Rekordhöhe, die Belegung auf Normalstationen ist seit Februar um 60 Prozent gewachsen und höher als jemals zuvor. Mittlerweile steigen auch die Zahlen auf Intensivstationen an.“ Gaß bezeichnet es als Fehler, dass die allgemeine Maskenpflicht aufgehoben wird.

Laut Intensivregister wurden am Freitag in der Region 13 Covid-Patienten auf Intensivstationen behandelt. Wegen der weniger gefährlichen Omikron-Variante und als Effekt der hohen Impfquote sei der Anteil der Intensivpatienten im Land im Vergleich zu den vorangegangenen Wellen deutlich geringer, sagt Andreas Wermter, Geschäftsführer der rheinland-pfälzischen Krankenhausgesellschaft. In Trier und Trier-Saarburg ist die Zahl der Infizierten, die in Krankenhäusern behandelt werden, auf 81 gestiegen, sechs davon auf Intensivstationen. Landesweit lag die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz bei 6,53.

Für einen lockereren Umgang mit Corona plädiert der hessische Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch. „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben“, sagte er im Interview mit unserer Redaktion. Einer allgemeinen Impfpflicht steht er skeptisch gegenüber. Die derzeitigen Impfstoffe würden bei der Omikron-Variante einen nur sehr geringen Schutz bieten, so Scheuch.