Die Hochschule Trier fühlt sich vom Land vernachlässigt

Bildung : Hochschule Trier fordert mehr Professuren

Streit um die wissenschaftliche Ausbildung im Gesundheitsbereich: In zwei Resolutionen fordert die Hochschule Trier die Landesregierung auf, nicht nur der Trierer Universität neue Stellen zu finanzieren.

Wenn die Hochschule Trier sich mit so deutlichen Worten an das Wissenschaftsministerium wendet, muss der Ärger groß sein: „Der Aufbau eines Gesundheitscampus Trier ist das erklärte Ziel der Landesregierung. Als besonders befremdlich und entmutigend werten wir daher die Stellenzuweisung an die Universität Trier ohne jegliche Kommunikation oder gar gemeinsame Strategieentwicklung mit der Hochschule Trier.“ Mit diesen Worten reagiert der Hochschulsenat auf die Nachricht, dass die Pflegeausbildung an der Universität Trier mit fünf zusätzlichen Professuren gestärkt wird (Trierischer Volksfreund vom 4. Juni), die eigenen sechs Studiengänge im Bereich Medizintechnik und Therapie aber leer ausgehen.

„Es kommt für uns unerwartet, dass der Bereich Pflege an der Universität so massiv aufgestockt wird und gleichzeitig der duale, also praxisnahe Ansatz verschwinden soll“, sagt Marc Regier, Vizepräsident Studium und Lehre. „Unsere Bemühungen im Bereich der Gesundheit werden von der Landesregierung nicht berücksichtigt.“

Er verweist auf die bislang auch vom Land gewürdigte Vorreiterrolle der Hochschule Trier. Seit 2011 seien die Studiengänge Medizintechnik, Medizininformatik, Sport- und Rehatechnik, Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie erfolgreich aufgebaut worden. „Aktuell sind bei uns 400 Studierende eingeschrieben.“

Auch Theo Scholtes, Vorsitzender des Hochschulrates, ist enttäuscht. „Das Thema Gesundheitscampus Trier war immer gleichermaßen für Hochschule und Universität gedacht. Wir verstehen nicht, warum die Hochschule nun nicht bedacht worden ist. Das führt zu einer Schieflage in der Ausstattung, mit der die bisherigen Anstrengungen zu Kooperation auf Augenhöhe bedroht ist.“

Drei Professorenstellen seien bislang von der Hochschule durch Verteilung von Mitteln aus anderen Bereichen querfinanziert worden, argumentiert Vizepräsident Regier. „Die bisherige Finanzierung über den Hochschulpakt und durch interne Umstrukturierungen reicht nicht aus, um unser Studienangebot in diesem Bereich weiterzuentwickeln.“ Insgesamt, so rechnet er auf Nachfrage des Trierischen Volksfreunds vor, geht es um eine Summe von bis zu 500 000 Euro jährlich.

Gisela Sparmann, Vizepräsidentin Forschung und Technologietransfer, treibt zudem Sorge um, dass die für die Hochschule typische Kombination mit den technischen Bereichen nicht den hohen Stellenwert behält wie bislang. „Dabei sprechen angesichts der Herausforderungen der Zukunft viele Aspekte für solche Schnittpunkte.“

Das Land reagierte nach dem Eingang der beiden Protestnoten von Senat und Rat der Hochschule Trier zunächst mit Schweigen. Inzwischen hat der zuständige Referatsleiter im Wissenschaftsministerium sich zu einem Gespräch angekündigt.

Was er den derzeit Verantwortlichen auf dem Schneidershof vermutlich mitzuteilen hat, wird deren Unmut nur wenig dämpfen. Darauf deuten die Antworten aus dem Wissenschaftsministerium auf die Anfragen hin: „Die Vergabe der zusätzlichen Professuren steht nicht in Zusammenhang mit der von der Hochschule Trier aufgeworfenen Frage zur Sicherung der Therapiewissenschaften“, so eine Sprecherin des Ministeriums. Der Fokus des Ausbaus der Pflegewissenschaften begründe sich auf dem hohen Fachkräftebedarf und der Reform der Pflegeberufe. „Der Bund hat für die akademische Pflegeausbildung neue Regelungen erlassen, die zur Folge haben, dass die bisherigen dualen Studiengänge auf primärqualifizierende umgestellt werden müssen.“ Dennoch messe das Land den dualen Studiengängen im Bereich Gesundheit weiterhin eine wichtige Bedeutung bei.

Und wie ist es mit der zukünftigen Finanzierung? Die Hochschule Trier sei aus dem von Bund und Land finanzierten Hochschulpakt und 2015 noch einmal durch gesonderte Mittel vom Land unterstützt worden. Ob die Stellen im Bereich Therapiewissenschaften verstetigt werden können, soll bis Ende des Jahres entschieden werden. Die auch von der Hochschule Trier eingegangenen Meldungen würden analysiert und bewertet.

Dann sollen Zielvereinbarungen zwischen den Hochschulen und dem Ministerium erfolgen. Konkrete Aussagen? Fehlanzeige.

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