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Die schnellste und geräuschloseste Gründung

50 Jahre Uni Trier : Die schnellste und geräuschloseste Gründung

Wie die Universität Trier entstanden ist und was ihre Wiedergründung vor 50 Jahren mit Frankreich zu tun hat.

50 Jahre Universität Trier – und schon in drei Jahren kann Trier auf eine 550-jährige Tradition als Universitätsstadt zurückblicken. Wie passt das zusammen? Die Antwort liefert ein Blick in die Geschichte, denn eine Universität gab es schon seit 1473. In dem besagten Jahr hatten langjährige Bemühungen der Stadt Trier endlich Erfolg: Mit Genehmigung des Papstes durfte eine „Hohe Schule“ eröffnet werden. 325 Jahre behielt Trier seine Universität, bis sie 1798 unter französischer Besatzung aufgelöst wurde. Es ist wohl so etwas wie eine Ironie des Schicksals, dass Frankreich auch bei der Wiedergründung der Universität 1970 die Finger im Spiel hatte.

Im Mai 1967 war Bernhard Vogel zum rheinland-pfälzischen Kultusminister berufen worden. Dem 34-Jährigen wurde die Aufgabe übertragen, eine neue Universität aufzubauen. Rheinland-Pfalz benötigte diese Hochschule dringend, weil die einzige Landesuniversität in Mainz aus den Nähten platzte. Als Folge der demographischen Entwicklung gab es immer mehr Abiturienten und somit auch Studierende. Viele Landeskinder wanderten in benachbarte Bundesländer ab und kehrten nach dem Studium erfahrungsgemäß nicht wieder zurück. So mangelte es an gut ausgebildeten Akademikern und insbesondere an Lehrern in den vielen neu gegründeten Schulen.

Der Bedarf an einer zweiten Universität war unstrittig. In der Frage, wo sie errichtet werden sollte, geriet Bernhard Vogel unter Druck. Sowohl Trier als auch Kaiserslautern meldeten lautstark Ansprüche an. Für zwei neue Universitäten reichten die Landesmittel jedoch nicht aus. Die Lösung dieses Dilemmas fand der Minister bei einem Besuch – ausgerechnet in Frankreich. Dort hatte man in den mehr als 100 Kilometer voneinander entfernten Städten Orleans und Tours eine Universität mit zwei Standorten gegründet.

„Mir kam der Gedanke, dass es mit diesem Modell gelingen könnte, die Zustimmung der Pfälzer und die Zustimmung der Trierer für die Neugründung einer Universität gleichermaßen zu gewinnen“, erinnert sich Bernhard Vogel an die aufschlussreiche Reise. Es sollte tatsächlich gelingen. Im Juli 1969 fasste die Landesregierung den Beschluss zur Gründung der „Doppeluniversität“ Trier-Kaiserslautern. Schon ein gutes Jahr später, am 15. Oktober 1970, wurden an den beiden Standorten die ersten Vorlesungen gehalten. Eine schnellere Universitätsgründung hatte Deutschland nie zuvor erlebt - und auch danach nicht mehr.

Die Rekordzeit war auch ein Verdienst der im September 1969 eingerichteten „Dienststelle zur Vorbereitung der Errichtung der Universität Trier-Kaiserslautern“ und ihres Leiters, dem in diesem Jahr im Alter von 103 Jahren verstorbenen Martin Graßnick. Der Dienststelle gehörte auch der spätere langjährige Kanzler der Trierer Universität, Ignaz Bender, an. Anders als es ihre sperrige Bezeichnung vermuten lässt, arbeitete die Dienststelle effektiv, pragmatisch und schnell.

Ihr erstes Zuhause fand die Trierer Universität in der früheren Pädagogischen Hochschule auf Schneidershof. Die Atmosphäre dort glich einem Gemisch aus Provisorium, Pioniergeist und Aufbruch, sie hatte aber auch etwas Idyllisches. „Das Leben auf dem Schneidershof war überschaubar. Studenten, Hochschullehrer und Mitarbeiter spielten mit- und gegeneinander Fußball. Anschließend wurde unter den Säulen der Turnhalle gegrillt“, erinnert sich der spätere Universitätskanzler Ignaz Bender. Mit 356 Studierenden, 31 Professoren, 37 wissenschaftlichen und 66 Verwaltungsmitarbeitern hatte die Universitätsgemeinschaft Züge einer akademischen Großfamilie. Die Strömungen der 68er-Bewegung störten aber auch in Trier den Familienfrieden mitunter heftig.

Als gemeinsame Universität gegründet, führten die beiden Standorte in Trier und Kaiserslautern schon wegen der großen Entfernung ein reges Eigenleben. Man wusste wenig voneinander. Die Aufteilung der Fächerschwerpunkte – Geisteswissenschaften in Trier und Technik- sowie Naturwissenschaften in Kaiserslautern – trug zum Desinteresse am jeweiligen Universitätszwilling bei.

Diese Entwicklung hatten die politisch Verantwortlichen vorhergesehen. Von Beginn an wurden in Trier und Kaiserslautern eigene Verwaltungseinheiten und eigene Senate als wichtigstes Selbstverwaltungsgremium aufgebaut. Daher konnte die Trennung, mit der die beiden Universitäten 1975 eigenständig wurden, unspektakulär vollzogen werden. Von der Geschwindigkeit der Trennungsabsichten war aber auch Bernhard Vogel überrascht. „Mir war von vorneherein klar, dass am Ende zwei selbstständige Universitäten stehen würden. Dass es allerdings so schnell gehen würde, war nicht vorauszusehen.“

Studentenleben in den Anfangsjahren der Universität Trier. Die Mensa auf Schneidershof war Treffpunkt in den Vorlesungspausen und Schauplatz von abendlichen Feten. Foto: Uni Trier

Im Dezember 1974 beschloss der Landtag einstimmig das Gesetz zur Errichtung der Universität Trier und der Universität Kaiserslautern, das zum 1. Januar 1975 in Kraft trat. Trier und Kaiserslautern hatten nun eigenständige Universitäten und Rheinland-Pfalz seine zweite und dritte Landesuniversität. Dieses Mal sogar ganz ohne französische Beteiligung.