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Mit der Hochschule Trier auf virtueller Spritztour in die Zukunft

Forschung : Mit der Hochschule Trier auf virtueller Spritztour in die Zukunft

Praxisnahe Forschung gehört zu den Stärken der Hochschule Trier. Der innovative Fahrsimulator ist ein neues Großgerät, das dies sichert. Zur Einweihung durfte der Wissenschaftsminister probefahren.

Als Wissenschaftsminister Konrad Wolf sich losschnallt und aus dem neuen Fahrsimultor steigt, muss er sich zusammenreißen. „Das war ungewohnt“, gibt er zu. „Mir ist dabei schon ein wenig übel geworden.“ Und auch Uni-Präsident Michael Jäckel – der nächste „Testpilot“ der Einweihung des innovativen Forschungsgeräts – hat ein etwas Mühe die dreidimensionalen Eindrücke bei seiner virtuellen Fahrt unter Laborbedingungen zu verarbeiten.

Projektleiter Jörn Schneider beruhigt beide. „Unsere Versuchsteilnehmer müssen normalerweise ein zweistündiges Einfahrprogramm absolvieren, um sicher mit dem Gerät umgehen zu können.“ Sein Forschungspartner von der Universität, Psychologieprofessor Christian Frings, hat einige Minuten davor beim Festakt in der Aula der Hochschule auf dem Schneidershof erläutert, was die prominenten Gäste von den üblichen Probanden bei dem Forschungsprojekt für das autonome Fahren unterscheidet: „Die tragen eine von uns entwickelte Spezalkappe, mit der über spezielle Infrarotverfahren die Gehirnaktivität der Fahrer gemessen wird.“

Testfahrt mit dem Fahrsimulator Trier

So kann bereits nach eine ersten Experimentreihe belegt werden, wie sich der Stresslevel bei eine Überlandfahrt von dem Schlängeln durch den Stadtverkehr unterscheidet. Anwendbar sei das Verfahren aber beispielsweise auch bei der Messung mentaler Auswirkungen von Fahrassistenzsystemen. „Wir können mit diesem Fahrsimulator Technik und Menschen in jede Situation bringen, ohne den Menschen zu gefährden“, erläutert Informatiker Jörn Schneider die Vorteile des Projekts.

 „Um die Mobilität der Zukunft zu entwickeln, sind Fahrsimulatoren unverzichtbar“, macht der Projektleiter deutlich. Bei der Entwicklung von Algorithmen zum automatisierten Fahren trainiere die Automobilindustrie künstliche neuronale Netze in simulierten Verkehrsszenarien, ohne dass ein Mensch einbezogen werde. „Mit dem neuen Fahrsimulator an der Hochschule Trier wird hingegen dazu bewusst die Interaktion von Mensch und Technik untersucht.“ Ziel sei es, einen Beitrag zu sicherer, zuverlässiger und umweltfreundlicher Mobilität der Zukunft zu leisten. 

Bei der Einweihung haben Wissenschaftsminister Konrad Wolf und andere Testpiloten Spaß an der aktiven Fahrprobe. Foto: Rainer Neubert

Der Fahrsimulator soll hauptsächlich in Projekten des interdisziplinären Forschungsverbunds Verkehrstechnik und Verkehrssicherheit (FVV Trier) eingesetzt werden. Dieser besteht aus Ingenieuren, Informatikern und Psychologen unter Leitung der Professoren Matthias Scherer (Elektrotechnik), Hartmut Zoppke (Maschinenbau), Jörn Schneider (Informatik) an der Hochschule Trier sowie der Allgemeinen Psychologie der Universität Trier, geleitet von Professor Christian Frings.

„Der Fahrsimulator ist sozusagen unsere Zeitmaschine. Er ist ein ideales Mittel, um einen Menschen in die automobile Zukunft zu versetzen. Egal, ob es um automatisiertes Fahren, Elektromobilität oder neue Sicherheitskonzepte geht, wir können Technik und Mensch in jede denkbare Situation bringen“, erläutert Projektleiter Jörn Schneider. Um eine realistische Fahrzeugumgebung für den Fahrer zu erzeugen, wurde der von der Carl-Zeiss-Stiftung mit 470 000 Euro geförderte Simulator um Teile des Forschungsfahrzeugs proTRon Evolution der Hochschule ergänzt.

Wissenschaftsminister Konrad Wolf hat seine Übelkeit bei der ungewohnten Testfahrt schnell überwunden. „Solche Projekte machen die Hochschule für Studierende und Forsche attraktiv“, ist er überzeugt. Das Projektteam hofft, dass sich diese Attraktivität auch für neue Kooperationen mit der Autoindustrie auswirkt.