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50 Jahre Uni Trier: Personen der ersten Stunde

50 Jahre Uni Trier : Personen der ersten Stunde

Sie waren von Anfang an dabei, manche sogar schon vor der Eröffnung der Universität Trier-Kaiserslautern. In unterschiedlichen Funktionen und aus verschiedenen Perspektiven haben sie die Geburtsstunde erlebt und mitgestaltet – als Studierende, als Verwaltungsmitarbeiter, als Funktionsträger oder als Professoren. Sie erinnern sich an die Gründungszeit:

Prof. Wolfgang Kühlwein Als 30-Jähriger war Wolfgang Kühlwein 1970 der jüngste Professor an der neuen Universität Trier-Kaiserslautern. Dort übernahm er das Amt eines Vizepräsidenten und war zuständig für die Teiluniversität Trier. Bis zu seiner Emeritierung im Wintersemester 2005/06 lehrte und forschte er in Trier als Anglist.

Foto: Uni Trier
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„Als Kriegskind 1940 geboren, war ich von dem Ideal der Völkerverständigung geprägt und dem Wunsch, dass es nie wieder zum Krieg kommen dürfte. Durch seine besondere Lage und die Grenznähe hielt ich als Philologe Trier für einen geeigneten Ort, um Fremdsprachen zu lernen, Kulturen zu verstehen und Frieden zu leben. Die Gründung der Universität erlaubte uns eine enorme Gestaltungsfreiheit. Die Öffnung zur Stadt und der Gesellschaftsbezug waren mir wichtige Anliegen wie auch die schon damals praktizierte Interdisziplinarität und Internationalität.“

Ignaz Bender Kultusminister Bernhard Vogel berief 1969 den 32-jährigen Juristen Ignaz Bender als stellvertretenden Leiter in die Dienststelle zur Vorbereitung der Gründung der Universität Trier-Kaiserslautern. Nach der Auflösung der Dienststelle stand Ignaz Bender der Verwaltung am Standort Trier vor und war bis 2001 Kanzler der Universität Trier.

Foto: Uni Trier
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„Eine Begebenheit aus dem Jahre 1970 ist mir in besonderer Erinnerung. Die Architekten hatten für die Universität vier selbständige Türme zu je vier Etagen geplant. Ich korrigierte den Plan mit drei Strichen. Auf der ersten Etage sollten die Gebäude mit Brücken verbunden werden. Alle Bücher in den Fachbereichsgebäuden sollten auf diese Weise als bauliches Kontinuum mit der Zentralbibliothek verbunden sein. Den Architekten war die Idee neu. Sie griffen sie auf und realisierten in Trier dieses in Europa einmalige Konzept.“

Joseph Pütz Ebenfalls Mitarbeiter der vorbereitenden Dienststelle war Joseph Pütz. Später wurde er der erste Leiter der Haushaltsabteilung und blieb bis zum Ruhestand 2002 Haushaltschef der Universität Trier.

Foto: Uni Trier
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„Als erster Mitarbeiter der Gründungsdienststelle musste ich schnell erfahren, dass im Ministerium keine rechte Vorstellung über den Arbeitsaufwand einer Universitätsgründung vorhanden war. Man war der Auffassung, in der Dienststelle sei anfänglich nicht so viel zu tun; ich sollte deshalb im Ministerium zusätzlich einen erkrankten Kollegen halbtags vertreten. Dienststellen-Leiter Prof. Martin Graßnick meinte dazu nur trocken: `Darum kümmern wir uns nicht. Holen Sie Ihre Sachen, wir fangen jetzt an.´ Das war bezeichnend für die pragmatische und effektive Arbeitsweise der Dienststelle.“

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Schieder Der Historiker Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Schieder war einer der 31 Professoren, die im Oktober 1970 die ersten Vorlesungen hielten. Bis 1991 wirkte er in Trier und wechselte dann zur Universität Köln. Nach wie vor fühlt er sich der Universität verbunden und hielt 2019 den Festvortrag zum Jubiläum des Freundeskreises Trierer Universität. 

Foto: Uni Trier
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„Die Universität Trier-Kaiserslautern gilt als schnellste Universitätsgründung der Bundesrepublik. Für mich bedeutete das, dass ich 1970 kaum Zeit hatte, mich auf meine Tätigkeit an ihr einzustellen. Wie ich jedoch bei meiner Ankunft in Trier feststellte, ging es allen 20 erstberufenen Professoren ähnlich. Die Universität hatte noch keine feste Form. Wir mussten ihr erst eine Struktur geben. Das war eine unglaubliche Herausforderung, die jedoch eine Aufbruchsstimmung hervorrief wie ich sie nie wieder erleben sollte.“

Manfred Sturm Von 1970 bis 1976 studierte der spätere Gymnasiallehrer Manfred Sturm in Trier Germanistik und Politikwissenschaft. Als Leiter einer Hochschulgruppe war er in der Hochschulpolitik und in Gremien der Universität aktiv.

Foto: Uni Trier
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„Ich habe mich ganz bewusst für diese neue Universität entschieden. Was sie auszeichnete, war ihre Überschaubarkeit. Man kannte jeden Professor, lernte in kleinen Gruppen – in der Politikwissenschaft waren wir etwa 30 Studenten. Man hat schnell Kontakte knüpfen können, die oft über viele Jahre bestanden. In der Anfangszeit musste aber auch viel improvisiert werden. Ich erinnere mich auch an zahlreiche offizielle Feierlichkeiten, in die wir Studenten stets einbezogen waren.“

Hubert Eiden Zu den 356 jungen Frauen und Männern, die sich 1970 für das erste Semester an der Universität Trier einschrieben, gehörte Hubert Eiden. Neben seinem Studium der Politikwissenschaft und Germanistik engagierte er sich als Mitglied in verschiedenen Gremien. Nach dem Studienabschluss arbeitete er als Lehrer am Thomas-Morus-Gymnasium in Daun.

Foto: Uni Trier
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„Die überschaubare Größe erleichterte das gegenseitige Kennenlernen. Es gab viele Möglichkeiten, sich mit den überwiegend jüngeren Lehrenden auszutauschen. Rasch zeichnete sich die Bildung diverser Studenten-Gruppen ab, was einen intensiven Diskurs über Ziele und Wege studentischer Interessenvertretung versprach – für mich Zeit, Position zu beziehen.“

Alfred Haverkamp Prof. Dr. Dr. hc. Alfred Haverkamp gehörte als 33-Jähriger zur jungen Professoren-Generation. Der Professor für Mittelalterliche Geschichte blieb Trier trotz der Angebote anderer Universitäten treu. Nach wie vor ist er Direktoriumsmitglied des Arye-Maimon-Instituts für Geschichte der Juden.

Foto: Uni Trier
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„Gestützt auf vielfältige Erfahrungen als Student, Assistent und Habilitand an verschiedenen Universitäten war ich bestrebt, an der Realisierung des universitären Ideals der intensiven Verbindung von Forschung und Lehre innerhalb der Gemeinschaft von Lehrenden und Studierenden mitzuwirken. Im geschichtsträchtigen Trier sah ich die große Chance, meine sozialgeschichtlichen – bald auch die Juden einbeziehende – Forschungen wesentlich zu erweitern, sie in größere Zusammenhänge einzuordnen und damit die Studierenden zum eigenen Nachdenken anzuregen.“