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Studierende in Trier berichten vom digitalen Studium: Studieren während Corona

Digitales Studium : Lernen und Leben auf 20 Quadratmetern

Durch die Kontaktbeschränkungen stehen momentan zahlreiche Studierende vor dem Problem, in ihren kleinen Wohnungen nicht klar zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden zu können. Das kann die Gesundheit gefährden, warnt ein Professor der Uni Trier.

Ein Bett, ein Schreibtisch, Kleiderschrank, Bücherregale und eine schmale Küchenzeile. Alles, was man zum Leben braucht, komprimiert auf 20 Quadratmeter. So oder ähnlich sehen Studentenwohnungen aus, von denen es in Trier unzählige gibt. Seit Semesterbeginn Anfang November sehen sich viele Studierende in der unschönen Situation gefangen, hier ihren Alltag verbringen zu müssen: Lernen, arbeiten, essen und schlafen in einem Raum. Ein Entkommen ist kaum möglich.

„Momentan kann man sich ja sowieso nur mit einer Person in der Öffentlichkeit treffen. Aber um draußen etwas zu unternehmen, ist es mir momentan einfach zu kalt und ich bleibe meistens doch in der Wohnung“, sagt die Geschichtsstudentin Anna Rudi. Andere Möglichkeiten, ihre Freizeit zu gestalten, sieht sie momentan nicht. „Jetzt sitze ich effektiv jeden Tag drinnen und sehe den wachsenden Berg an Uni-Aufgaben, die ich noch erledigen muss. Das zieht einen schon runter …“

In der Tat ist ein solcher Tagesablauf alles andere als gesund: Wer Arbeit und Freizeit nicht klar trennt, kann sich schlechter konzentrieren und schläft oft schlecht. Langfristig gesehen kann dies die psychische und körperliche Gesundheit nachhaltig gefährden, warnt Professor Wolfgang Lutz von der Universität Trier (siehe Interview).

Auch der Faktor der leichteren Ablenkbarkeit daheim sei nicht zu unterschätzen, sagt Nico Reingold, der im fünften Semester Medienwissenschaften studiert. Plötzlich ist das Handy viel interessanter als die Vorlesung, der man eigentlich zuhören sollte, oder man bleibt auf einem Streamingportal hängen, anstatt weiter an seiner Hausarbeit zu schreiben. Auch zum eigenen Bett ist die Distanz oft verlockend kurz. So staut sich die Arbeit rasch auf: „Da kann man leicht in einem Morast versacken, der richtig unschön wird“, stellt Reingold fest.

Um dies zu umgehen, sind während der vergangenen Monate zahlreiche Trierer Studierende in die Universitätsbibliothek gefahren, um dort den Tag produktiv zu verbringen. Seit dem rasanten Anstieg der Infektionszahlen ist auch diese Möglichkeit weggefallen, da die Bibliothek vor Weihnachten auf unbestimmte Zeit geschlossen wurde. Jetzt muss die Arbeit wieder vor dem heimischen Computer erledigt werden, von dem aus die Studierenden auch an den Seminaren teilnehmen. Sich unter diesen Umständen einen geregelten Tagesablauf aufzubauen, kann schwierig sein. Mit weitreichenden Folgen: Denn gerade die gewohnten Strukturen des Alltags vermitteln Menschen Sicherheit und Kontrolle, erklärt Professor Lutz.

Reingold bestätigt: Die Lernmotivation sei bei ihm durch die aktuelle Situation geringer. „Klar ist Studium freiwillig, aber viel läuft auch über sozialen Druck. Wenn man mit Freunden zusammen Vorlesung hat, geht man auch eher hin und passt auf. Das finde ich momentan problematisch.“

Ein weiteres Problem sieht Reingold darin, dass das Potenzial des Online-Unterrichts nicht vollständig ausgeschöpft werde: „Einige Dozenten laden nur Texte hoch. Das ist nicht nur unpersönlich, sondern fühlt sich auch frustrierend an.“

Das digitale Semester stellt also Lehrende wie Studierende vor neue Herausforderungen. Dennoch hat es die Trierer Universität geschafft, ihren Lehrbetrieb trotz Corona flächendeckend aufrechtzuerhalten.

Sowohl Reingold als auch Rudi hoffen aber auf eine baldige Rückkehr zur Normalität im Laufe des Sommersemesters. Der Start am 6. April wird allerdings definitiv digital sein.

Morgen in unserer Campus-Serie: Kaum soziale Kontakte, schlechte Internetverbindung, dafür ausschlafen und nachmittags Wellen reiten an der portugiesischen Küste: Vier Studierende der Uni Trier erzählen von den Herausforderungen und Vorzügen des digitalen Studienalltags.