Team der Trierer Uni entwickelt Google Maps zu Europäischer Geschichte

Interaktive Karte : Team der Trierer Uni entwickelt digitale Landkarte zur europäischen Geschichte

Seit ein paar Tagen ist der Digital Atlas of European Historiography online und für jeden zugänglich. 80 Historiker aus ganz Europa haben daran gearbeitet. Und auch ein aktueller Aspekt lässt sich darin finden.

Alles begann mit einer Wette im Jahr 2003. Genauer gesagt – mit dem Satz: „Ach, das klappt doch nicht.“ So erzählt es Lutz Raphael, Professor für Geschichte an der Trierer Uni. Seine Antwort war: „Doch, das geht.“ Heute ist der digitale Atlas über europäische Geschichtsschreibung online und für jeden zugänglich. 80 Historiker aus ganz Europa haben daran mitgearbeitet.

Auf der interaktiven Karte lassen sich im Zeitraum von 1800 bis 2005 geschichtliche Daten abfragen. Zum Beispiel wird dort sichtbar, wie sich die Zahl der Historiker in Trier im Laufe der Jahre verändert hat. Mit Hilfe von Kreisdiagrammen hat man beim Herauszoomen aus der Karte einen Überblick über ganz Europa, was die Anzahl von Museen, Archiven, Akademien und Historikern mitsamt Namen angeht.

Im Jahr 2010 hat das Team bereits den Atlas of European Historiography als Buch veröffentlicht. Yvonne Rommelfanger, Historikerin an der Uni Trier, erklärt dazu: „Wenn man ein Buch veröffentlicht, kann man es nicht stetig weiterentwickeln, wie wir es jetzt bei diesem Atlas jederzeit können.“

Möglichkeiten gebe es da viele. Lutz Raphael erzählt beispielsweise von der Möglichkeit, ehemalige Konzentrationslager aus der NS-Zeit einzuzeichnen und dazu Informationen bereitzustellen, um die eigene Geschichte besser verstehen zu lernen.

Und auch ein aktueller Bezug lässt sich feststellen, denn die Karte kann auch mit einem kleinen Häkchen die Geschlechter der Historiker auf den Kreisdiagrammen anzeigen. Niklas Alt, Geoinformatiker, ist für die Programmierung zuständig und lässt die Karte mit zwei Klicks den Zuwachs der weiblichen Historiker in der Region sichtbar werden. „Im Jahr 1928 waren das erste Mal nachweisbar Frauen in der professionellen Geschichtsforschung aktiv“, sagt er. Seitdem wurden es immer mehr.

Da die Anzahl der zu erfassenden Daten sehr hoch gewesen sei, könne man auf der Karte immer nur Zeitsprünge im Abstand von 25 Jahren machen, sonst wäre der Aufwand zu hoch gewesen, erklärt Lutz Raphael.

35 000 Personendatensätze und 9000 Institutionsdatensätze galt es zu verarbeiten. „Der neue digitale Atlas ist das Ergebnis eines langen Atems“, sagt Raphael. Die größte Herausforderung sei die Koordination des Projekts gewesen, das sich über ganz Europa erstreckt, sagt Yvonne Rommelfanger.

Schluss ist mit dem Projekt noch nicht, jetzt wo es veröffentlicht ist: „Es gibt immer etwas zu verbessern“, sagt Lutz Raphael. Das Team sehe seine Aufgabe darin, den Atlas kontinuierlich mit neuen Ideen von Nutzern weiterzuentwickeln und Fehler zu beheben.

Auf dem neuen, digitalen Atlas der Universität Trier können sich Interessierte über die europäische Geschichte informieren. Foto: TV/Heribert Waschbüsch

Den Digital Atlas of European Historiography gibt es im Internet auf
www.daeh.uni-trier.de

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