Vor dem Jubiläum setzt die Uni Trier neue Akzente

Kostenpflichtiger Inhalt: Bildung : Vor dem Jubiläum setzt die Uni neue Akzente

Neue Stellen, neue Fächer und mehr als 12 000 Studierende. Das sind die Vorzeichen für das Wintersemester, das am Montag beginnt.

Wenn im kommenden Jahr am 19. Mai die Präsidenten aller deutschen Universitäten zur Hochschulrektorenkonferenz nach Trier kommen, will Prof. Michael Jäckel seinen Kolleginnen und Kollegen etwas bieten. „Unsere Universität feiert 50. Geburtstag und die Theologische Fakultät, mit der wir kooperieren, wird 70. Das ist wirklich etwas Besonderes.“ Die Gäste wird deshalb nicht nur ein interessantes Rahmenprogramm erwarten. Auf dem modernen und frisch herausgeputzten Uni-Campus und in der ältesten Stadt Deutschlands werden sie sich auch davon überzeugen können, ob die dann druckfrische neue Image-Broschüre der Universität nicht zu viel verspricht.

Das Jubiläumsjahr Die Vorzeichen für das Jubiläumsjahr sind zum Start des Wintersemesters 2019/2020 positiv: Zusätzliche Professuren in den Bereichen Pflege- und Altertumswissenschaften, ein neues Nachwuchsprofessorenprogramm, die Vorbereitung neuer Studiengänge und bauliche Aktivitäten verlocken Präsident Jäckel dennoch nicht zum Jubeln: „Wir müssen mit den Füßen am Boden bleiben“, mahnt er und erinnert daran, dass es trotz der vielen positiven Nachrichten in den vergangenen Monaten auch Rückschläge gegeben habe. So seien sechs Anträge bei der Deutschen Forschungsgesellschaft nicht berücksichtigt worden. Hunderttausende, wenn nicht gar einige Millionen Euro an Drittmitteln bleiben dadurch aus. „Besonders bedauerlich ist das für die Stressforschung und die Rechtswissenschaften“, weiß Jäckel. „Wir müssen nun nachbessern.“

Die Finanzen Im Finanzplan der Universität für das Jahr 2018, der knapp 128 Millionen Euro umfasste, machten die Drittmittel mit 15 Millionen Euro fast 60 Prozent der von der Universität selbst erbrachten Mittel aus. Das Land trug mit 101 Millionen Euro den Löwenanteil an der Finanzierung. Zum Vergleich: Die Universität Mainz wurde mit 391 Millionen Euro finanziert (Drittmittel: 70 Millionen Euro). Das Haushaltsbudget der Hochschule Trier betrug 43 Millionen Euro (Drittmittel: 8 Millionen Euro). Wie die Finanzen in diesem und im nächsten Jahr aussehen werden, wird derzeit in Mainz verhandelt.

Neue Studierendenzahlen Die Gesamtstudierendenzahl zum neuen Semester liegt mit 12 300 (davon 1750 Studienanfänger) um etwa 100 unter denen des Vorjahres.  „Wir wollen uns zukünftig im Korridor 12 000 bis 13 000 Studierende bewegen“, sagt Michael Jäckel, der angesichts des Starts der besonders geburtenschwachen Jahrgänge mit der Entwicklung zufrieden ist. Auch die Öffnung vieler Studienfächer zum Sommersemester, was von 280 jungen Menschen genutzt worden sei, müsse beim Blick auf die Zahl der Studienanfänger berücksichtigt werden. Zudem sei penibel darauf geachtet worden, dass im Bereich Psychologie nicht wieder eine Panne bei der Einschreibung passiert. 468 statt der geplanten 202 Studienanfänger mussten vor einem Jahr untergebracht werden. „Ich muss dem Fachbereich ein Kompliment machen, wie er das hinbekommen hat.“

Internationalität werde auch für die Universität immer wichtiger, betont Jäckel. Studiengänge in englischer Sprache sollen junge Menschen aus der ganzen Welt nach Trier bringen.

Neue Professuren Die fünf zusätzlichen Professuren im Bereich Pflegewissenschaften haben im Sommer für einige Aufregung gesorgt. Durch die Neuausrichtung der bislang dualen Pflegeausbildung auf rein universitäre Studiengänge reagiert das Land auf neue rechtliche Vorgaben aus Bundesebene.   „Vieles ist noch unklar“, sagt Jäckel. „Es wird ein Puzzlespiel, um das für junge Menschen attraktiv zu machen.“ Das Master-Angebot „Interprofessionelle Gesundheitsversorgung“ startet mit dem neuen Semester. In frühestens einem Jahr soll auch das Grundstudium auf das neue System umgestellt werden. „Wir werden in der Übergangsphase mit zwei parallelen Ausbildungsformen arbeiten müssen.“

Richtig durchstarten kann die Altertumsforschung. In enger Kooperation mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz und der Generaldirektion Kulturelles Erbe wird der neue Forschungsschwerpunkt „Römische Archäologie und Maritime Antike“ eingerichtet. Inhaltliche Schwerpunkte sollen die Archäologie und Geschichte Triers und seines Umlands sein, die Erforschung der wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtungen und die Vernetzung in die gesamte antike Welt unter besonderer Berücksichtigung der Schifffahrt. „Da ist viel Musik drin“, glaubt Jäckel. Auch der Archäologiepark Belginum im Hunsrück werde dabei eine wichtige Rolle spielen.

Neue Karrierewege Zwei der in diesem Bereich neuen Professoren werden als Nachwuchsprofessuren mit Blick auf die 2025 anstehende Neubesetzung an der Spitze des Zentralmuseums und eine 2028 an der Uni Trier freiwerdende Professur in der Archäologie eingestellt. Weitere acht sogenannte Tenure-Track-Professuren ermöglichen es der Universität, auch in vielen anderen Fachbereichen wissenschaftlichen Spitzennachwuchs an Trier zu binden. Das Tenure-Track-Programm von Bund und Ländern gibt Nachwuchswissenschaftlern die Chance,  nach einer Bewährungsphase eine unbefristete Professur zu erhalten. Insgesamt acht Millionen Euro ist diese Förderung für die Uni Trier während der sechs- bis achtjährigen Startphase wert. Danach muss sie selbst die Kosten für die Professoren tragen.

Neue Baumaßnahmen Zum Jubiläumsjahr stehen aber auch bauliche Akzente an. „Unsere Bibliothek soll zu einem Zentrum für kulturelles Erbe werden“, beschreibt Präsident Jäckel ein Ziel. Ganz fertig wird die zwei Millionen Euro teure Erweiterung der Einrichtung aber nicht sein. Und auch die zwölf Millionen Euro teure Sanierung von Campus II, dem ehemaligen französischen Militärkrankenhaus, wird im kommenden Jahr noch nicht abgeschlossen sein. Platz nehmen können die Gäste der Jubiläumsveranstaltung allerdings in den neuen Sitzgruppen des „Learning Garden“. Sie sollen dazu beitragen, dass die Universität Trier „ein besonderer Ort“ wird.

 Das soll sich auch in einer großen Ausstellung mit Motiven des gerade ausgelobten Fotowettbewerbs zeigen. „Die Bäume wachsen für die Universität Trier nicht in den Himmel“, sagt Uni-Präsident Michael Jäckel. „Es ist wichtig, immer neue Ideen anzustoßen.“

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