1. Region

Katholische Kirche: CDU-Politiker kritisieren: Auflagen für Gottesdienste härter als für Gastronomie

Kostenpflichtiger Inhalt: Katholische Kirche : CDU-Politiker kritisieren: Auflagen für Gottesdienste härter als für Gastronomie

Genießen Gaststätten-Besucher mehr Freiheiten als die Besucher von Gottesdiensten? Ja, sagen zumindest mehrere CDU-Politiker und fordern die Mainzer Landesregierung auf, die Auflagen für Kirchen zu lockern. Das Bistum Trier stellt sich allerdings hinter das Konzept.

Einen Tag vor dem Feiertag Christi Himmelfahrt haben mehrere CDU-Politiker die Auflagen für Gottesdienste in Rheinland-Pfalz scharf kritisiert. Es sei komisch und nicht nachvollziehbar, dass die Regelungen für die Gastronomie großzügiger seien als die Vorschriften für Gottesdienste, sagte der designierte CDU-Landtagskandidat Dennis Junk. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land kritisiert, dass die bei Gottesdiensten vorgeschriebene Fläche von zehn Quadratmetern pro Person weder in der Gastronomie noch bei Schulen oder politischen Sitzungen gälten. Diese Ungleichbehandlung sei nicht nachvollziehbar, sagte Junk im Gespräch mit volksfreund.de Der 36-jährige Politiker verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Vorschrift, wonach Gottesdienste nur in Kirchen mit mehreren Portalen gefeiert werden sollen. Dadurch könnten etwa in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land in 31 von 51 Kirchen keine Messen gefeiert werden. Für die Gastronomie gebe es eine derartige Vorschrift nicht, sagt Junk, obwohl dort – anders als bei Gottesdiensten – die Besucher zu unterschiedlichen Zeitpunkten rein- und rausgingen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Wäschenbach kritisierte die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern. Während Gottesdienstbesucher etwa in Rheinland-Pfalz durchgängig Mundschutz tragen müssten, dürften die Gläubigen in Hessen den Mundschutz an ihrem Platz in der Kirche ablegen. Dies Ungleichbehandlung löse gerade in den Grenzregionen großes Unverständnis bei der Bevölkerung aus. „Viele Regeln sind absolut widersprüchlich“, sagt der CDU-Parlamentarier, „beim Kneipenbesuch ist keine Maske zu tragen, in der Kirche hingegen schon.“ Dabei gebe es in einem Gottesdienst keinen höheren Bedarf an Hygienemaßnahmen als in einer Kneipe, sagte auch Wäschenbachs Eifeler Kollege Gordon Schnieder.

Die CDU-Politiker betonten unisono, dass es ihnen nicht darum gehe, Branchen oder Institutionen gegeneinander auszuspielen, sondern den Menschen ein Maß an Freiheiten wieder zu gewähren, wo dies aus Sicht des Seuchenschutzes möglich sei. Vielen Menschen spende die Religion Trost und Zuflucht, gerade in Zeiten des „Social Distancings“. Der Wittlicher VG-Bürgermeister Dennis Junk kritisierte in diesem Zusammenhang auch das Bistum und die Kirchen, die sich nicht lautstark genug für ihre Interessen einsetzten.

Nach mehr als sieben Wochen Corona-Pause dürfen seit Anfang Mai wieder öffentliche Gottesdienste mit Gemeindemitgliedern gefeiert werden. Dabei gelten allerdings strenge Hygiene- und Schutzauflagen. Die Gläubigen müssen einen Mundschutz tragen und sich vorher anmelden.

Eine Sprecherin des Bistums verteidigte das Schutzkonzept. Das Konzept sei „in guter Abstimmung mit den katholischen Büros und den zuständigen Stellen in den Landesregierungen erarbeitet worden“. Dem Bistum sei bewusst, dass die Einhaltung für viele Pfarreien ein großer organisatorischer Aufwand sei und deshalb auch noch nicht überall wieder Gottesdienst gefeiert werden könne.

In Luxemburg sind die Gottesdienste wegen der Corona-Pandemie weiter ausgesetzt. Der Erzbischof von Luxemburg, Kardinal Jean-Claude Hollerich, äußerte am Sonntag deshalb scharfe Kritik an der Regierung: „Ich denke, dass wir der Regierung vollkommen egal sind. Das enttäuscht mich und macht mich wütend.“ Premier Xavier Bettel kündigte an, Gottesdienste so schnell wie möglich wieder zu erlauben.