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Corona: Aus dem Alltag einer Lehrerin

Lehrerin erzählt aus ihrem Alltag : Für jeden Schüler eine persönliche Rückmeldung

Das Internet ist voll mit Kommentaren über Lehrer, die „bei vollem Gehalt nun schon über zwei Monate Ferien haben“. Peter Riedel, Schulleiter der IGS Salmtal, hat dem Trierischen Volksfreund die Mail einer Kollegin weitergeleitet, die Alltag unter Corona-Bedingungen aus Sicht der Lehrerinnen und Lehrer schildert.

Unser Tagesablauf ist vielleicht anders als vor der Krise, aber mitnichten weniger gefüllt. Vielleicht darf ich das mal an meinem Beispiel zeigen:

In zwei Wochen kommen nun also die nächsten beiden Stufen zurück an die Schule, allerdings in einem (von unserer Schulleitung logisch durchdachten und absolut konsequenten, aber dennoch) neuen Konzept.

Dieses Konzept bedeutet für mich zum Beispiel, dass ich die Wochenpläne für die Klassen 5 und 6, die ich unterrichte, auch parallel zum Präsenzunterricht wöchentlich weiterführen muss, da ja beide Gruppen diese Pläne bearbeiten und ich so nicht einen Plan abwechselnd für zwei Wochen verwenden kann.

Desweiteren erstelle ich bis zur Rückkehr der 8. Klasse auch hier die Wochenpläne weiter.

In meinem Fall heißt das, jede Woche für 3 Fächer (Deutsch, Englisch, Gesellschaftslehre) Pflichtaufgaben vorbereiten, freiwillige Aufgaben auswählen, Onlineangebote sichten (zwecks Vermeidung von zu vielen Arbeitsblättern), entscheiden, welche Ergebnisse ich zugesandt bekommen möchte und für die schwächeren Schüler Hilfestellungen entwerfen, die bei Bedarf per Mail angefordert werden können.

Jeden Montag schicke ich außerdem vor dem Hochladen der Pläne eine Info-Mail an alle Eltern meiner Klasse, in denen ich Updates zur Situation gebe, Mut mache, Rückmeldung zum allgemeinen Arbeitsverhalten gebe und generell zeige, dass mir nicht egal ist, wie die Lage bei meinen Schülern und ihren Eltern zu Hause aussieht.

Von Montag bis Samstag checke ich (außer wenn ich im Präsenzunterricht bin) stündlich meine E-Mails, um Fragen meiner Schüler zu den Aufgaben der Arbeitspläne zeitnah zu beantworten. Häufig bekomme ich auch Teilergebnisse zugesandt mit der Bitte, zu überprüfen, ob der Ansatz richtig ist und man so weiterarbeiten kann.

Ich fordere generell in meiner Klasse in jedem Fach jede Woche Arbeitsergebnisse ein. Den Korrekturaufwand in Deutsch und Englisch (aber auch in Gesellschaftslehre) kann man sich sicher vorstellen, vor allem, weil ich mich bemühe, jedem Schüler eine persönliche Rück­meldung zu geben und bei Fehlern den korrekten Lösungsweg aufzuzeigen. Hier biete ich auch immer an, dass man Teile der korrigierten Aufgaben noch einmal bearbeiten und erneut zur Korrektur einschicken kann.

Die Eltern der Schüler, die mir bis Samstagabend ihre Ergebnisse nicht zugeschickt haben, schreibe ich an und höre nach, was das Problem ist. Gegebenenfalls korrigiere ich dann auch die Aufgaben, die verspätet noch nachgereicht werden.

Ganz nebenbei bin ich übrigens auch noch Tutorin der Klasse, ein Job, der mir sehr wichtig ist. Also beantworte ich auch die persönlichen Mails meiner Schüler, tröste sie, wenn es zu Hause Stress gibt und nehme Videos auf, um die Klasse auch auf diesem Wege anzusprechen.

Damit der Unterricht nicht zu langweilig wird, veranstalte ich zu abgesprochenen Terminen E-Mail-Quizze, z. B. zum Thema unregelmäßige Verben. Hier stelle ich 20 Fragen und die drei Schüler, die am schnellsten die korrekte Antwort senden, bekommen Punkte dafür. Dauert extrem lang, macht den Teilnehmern aber Spaß, und darauf kommt es an.

Zwischen all dem beantworte ich Eltern-Mails, die zum großen Teil sehr sehr nett sind, mit einem großen Danke an das gesamte Kollegium, weil alles so gut läuft. Trotzdem haben auch diese Eltern Bedenken, wie es weitergeht mit ihren Kindern, und die versucht man ihnen dann zu nehmen.

Aber es sind auch andere Mails dabei, von den Eltern, die völlig überfordert sind und die entweder nach Hilfe suchen oder manchmal auch nur einen Schuldigen dafür, dass ihr Kind die Aufgaben zu Hause nicht erledigt, nur vor der Konsole sitzt und eine dementsprechende Stimmung zu Hause herrscht. Kennt man, muss man mit umgehen können, kommt aber eben noch on top.

Wenn ich nun davon ausgehe, dass ich neben der 9. Klasse, die ich im Präsenzunterricht von einer Kollegin übernommen habe, die zur Risikogruppe gehört, dann auch noch in der 5 und der 6 sicherlich mit einigen Stunden eingesetzt werde, und irgendwann dann hoffentlich auch meine eigene Klasse wiedersehe … dann brauche ich nach all den „Zwangsferien“ die Sommerferien aber mehr als je zuvor.