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Trier: Kinderschutzbund berichtet vor mehr Misshandlungen

Kriminalität : Kinderschutzbund Trier berichtet von mehr Misshandlungen

Im Raum Trier nehmen Anfragen von Betroffenen zu. Ermittler jagen derweil Straftäter und hoffen, das Dunkelfeld enorm aufhellen zu können.

Im E-Mail-Fach landen mehr Hilfegesuche, das Telefon klingelt häufiger, die Gespräche drehen sich um intimste Verletzungen: Geht es nach dem Kinderschutzbund Trier, haben in der Corona-Krise die Anfragen zugenommen, bei denen das Wohl von Kindern gefährdet war. Geschäftsführerin Corinna Engelmann sagt, dass beim Trierer Kinderschutzbund pro Jahr bis zu 230 Fälle landen. Die Zahl sei im vergangenen Jahr um gut 20 Prozent gestiegen.  Besonders bei Fällen, in denen Kinder und Jugendliche Opfer häuslicher Gewalt würden, spricht sie in Pandemiezeiten von einer Zunahme. Einen erneuten Anstieg erwartet sie nach dem Ende der Sommerferien. Der Grund: Kindern und Jugendlichen habe lange der Kontakt zu Vertrauenspersonen wie Lehrern und Erziehern gefehlt. Den brauche es, um über sexuelle Grenzverletzungen und Missbrauchserfahrungen zu sprechen, sagt Engelmann. „Wenn es zu einem Übergriff kam, muss das Kind wissen, dass es sich Hilfe holen kann, die nicht petzt oder es verrät“, betont die Triererin.

Zahlen zu sexuellem Missbrauch in der Region Trier

Alleine beim sexuellen Missbrauch kam es in der Region Trier in den vergangenen drei Jahren zu 327 Fällen, die der Polizei bekannt geworden sind. Das Dunkelfeld, so sagen Experten, liege aber um ein Vielfaches höher. Dieses aufzuhellen ist auch Ziel der Polizei im Land, die am Mittwoch in ganz Rheinland-Pfalz eine Großrazzia gestartet hat, um Verdächtigen auf die Schliche zu kommen, die mit Kinderpornografie handeln oder Kinder misshandeln sollen.

118 Wohnungen durchsuchten die Beamten landesweit. Dabei beschuldigen sie neun Frauen und 109 Jungen und Männer im Alter zwischen 14 und 77 Jahre, sagte LKA-Vizepräsident Achim Füssel. Neben Dateien, die die Vorwürfe untermauerten, fanden die Beamten beiläufig auch Waffen wie eine Schreckpistole und geringe Mengen an Drogen. In der Westpfalz klickten gar die Handschellen, weil gegen einen Verdächtigen ein Haftbefehl wegen versuchten Totschlags vorlag. 700 Datenträger wie Computer oder Handys stellte die Polizei sicher.

Woher kommen Hinweise auf Kinderpornografie und Missbrauch?

Geht es um sexuellen Missbrauch oder Kinderpornografie, bekommt das Land immer häufiger Hinweise über US-amerikanische Provider, die fast immer Treffer liefern und mehr Fälle entlarven. So seien im ersten Halbjahr 2021 bereits 1901 Strafanzeigen wegen Kindesmissbrauchs oder der Weiterverbreitung kinderpornografischer Bilder und Videos eingegangen, sagte LKA-Vize Füssel. In mehr als jedem vierten der Fälle habe es bereits Durchsuchungen gegeben, wobei die Polizei in 90 Prozent fündig geworden sei und gegen 1375 Tatverdächtige ermittele. LKA-Chef Johannes Kunz hofft, dass das Dunkelfeld weiter aufgehellt werde. Von Februar 2022 an gelte die Meldepflicht für amerikanische Anbieter auch für deutsche Provider – ans Bundeskriminalamt. Kunz rechnet dann mit täglich 30 neuen Fällen allein in Rheinland-Pfalz. Das neue Gesetz zum Erwerb, Besitz und der Verbreitung von Kinderpornografie mache zudem Telefonüberwachungen und Onlinedurchsuchungen einfacher und biete einen neuen U-Haftgrund, sagte Füssel.

„Kein Täter darf sich in Rheinland-Pfalz sicher fühlen“

Die zunehmende Nutzung von Smartphones und anderen internetfähigen Endgeräten nannte Innenminister Roger Lewentz (SPD) als einen weiteren Grund für den Anstieg. „Kein Täter, der solche widerwärtigen und abscheulichen Taten begeht, darf sich in Rheinland-Pfalz sicher fühlen“, betonte Lewentz. „Die widerwärtigen Missbrauchstaten hinterlassen bei den wehrlosen Opfern nicht nur körperliche, sondern regelmäßig auch seelische Leiden, die sie oft sogar bis an ihr Lebensende begleiten.“

Der Kinderschutzbund Trier rät, sich bei Verdachtsfällen von Missbrauch an Beratungsstellen zu wenden, „die die Kinder stärken und unterstützen, über das, was sie erfahren und erleben mussten, zu sprechen“, sagt Corinna Engelmann.