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Corona-Lockdown: Geschäfte schließen in Rheinland-Pfalz, Schulen nicht

Pandemie : Lockdown ab Mittwoch: Viele Geschäfte schließen in Rheinland-Pfalz - Schulen nicht

Eltern sollen selbst entscheiden, ob Kinder zu Hause bleiben. Bis mindestens 10. Januar wird das Leben deutlich heruntergefahren. Ministerpräsidentin Dreyer: Wir muten Bürgern viel zu.

Deutschland zieht die Notbremse: Das öffentliche Leben wird ab Mittwoch bis mindestens 10. Januar drastisch nach unten gefahren. Fast alle Geschäfte müssen schließen, auch Baumärkte und Friseure. Ausnahme unter anderem: Lebensmittel- und Getränkemärkte, Bäckereien, Apotheken und Drogeriemärkte. Auch der Verkauf von Weihnachtsbäumen bleibt weiter erlaubt.

Schulen und Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz bleiben bis zu Beginn der Weihnachtsferien Ende der Woche zwar auf, aber die Präsenzpflicht an den Schulen wird aufgehoben. „Wenn Sie es organisiert bekommen, sollten Sie die Kinder zu Hause lassen“, appellierte Ministerpräsidentin Malu Dreyer an die Eltern. Mit anderen Worten: Diese können selbst entscheiden, ob die Kinder zur Schule gehen. Nach den Weihnachtsferien sollen alle Schüler mindestens zwei Wochen lang Fernunterricht erhalten.

Die strengen Kontaktbeschränkungen (Treffen von höchstens fünf Personen aus maximal zwei Haushalten) wird zu Weihnachten etwas gelockert. Dann dürfen sich mehr Personen, aber nur aus dem engsten Familienkreis treffen. Böllern an Silvester ist zwar vor der eigenen Haustür nicht grundsätzlich verboten, allerdings darf kein Feuerwerk verkauft werden.

Man mute den Bürgern mit dem erneuten harten Lockdown viel zu, sagte Dreyer. Vor allem den Handel treffe es sehr hart.

Dem gehe durch die Schließung mitten im Weihnachtsgeschäft bundesweit jeden Tag eine Milliarde Euro verloren, sagte der Trierer Einzelhändler Georg Kern, Präsident des Handelsverbandes Rheinland-Pfalz. Er befürchtet, dass die harten Maßnahmen nicht den erhofften Erfolg (die Zahl der Corona-Neuinfektionen auf eine Inzidenz von unter 50 zu senken) bringen werden. Auch glaubt Kern nicht, dass die Geschäfte ab 10. Januar wieder öffnen dürfen. „Frühstens Ende Januar. Nur werden dann viele Händler nicht mehr aufmachen können, weil sie dann am Ende sind.“

Ein harter Lockdown sei unverzichtbar, sagt der Vorsitzende der Bezirksärztekammer, Walter Gradel. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Corona und auch die Anzahl der intensivpflichtigen Covid-19-Erkrankten steige sehr stark. „Dieser Umstand macht uns Medizinern sehr große Sorgen.“ Am Sonntag wurden für Rheinland-Pfalz 816 Corona-Neuinfektionen und neun an oder mit dem Virus Gestorbene gemeldet.

In der Region steigen die Zahlen derzeit vor allem in Trier, Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich. Mittlerweile liegt die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche, in der gesamten Region zum Teil deutlich über 100.

Auch die Zahl der auf den Intensivstationen in den Kliniken der Region behandelten Covid-Patienten steigt, sie lag am Sonntag bei 16. Noch seien die Kapazitäten an Intensivbetten und Beatmungsplätzen in der Region nicht ausgeschöpft, sagt Gradel. Das sehe in anderen Regionen im Land ganz anders aus.

Es sei daher durchaus zu befürchten, dass auch hierzulande die schwerstkranken Corona-Patientinnen und -Patienten irgendwann nicht mehr ausreichend versorgt werden können.