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Corona Quarantäne, RLP: Hausärzte frustriert über Lauterbach Politik

Quarantänepflicht : „Macht es uns immer schwerer“: Hausärzteverband frustriert über Hin und Her von Lauterbachs Corona-Politik

Freiwillige Isolation ab Mai? Diesen Plan hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu Beginn der Woche angekündigt und am Mittwoch nach scharfer Kritik wieder zurückgenommen. Die zweite Vorsitzende des Hausärzteverbandes Rheinland-Pfalz erklärt im TV-Interview, welche Folgen die irritierenden Signale des Ministers haben könnten.

Heidi Weber ist Ärztin in Bitburg. In ihrer Rolle als medizinische Ratgeberin und zweite Vorsitzende des Hausärzteverbandes Rheinland-Pfalz wirbt sie seit Monaten für die Corona-Schutzimpfung und verantwortliches Verhalten im Privaten. Im TV-Interview erklärt sie, wieso die Entscheidung, die Isolationspflicht abzuschaffen eine falsche gewesen wäre und warum die Kehrtwende von Karl Lauterbach trotzdem nicht alles wieder gut macht.

Frau Weber, wie war Ihre Reaktion auf die Ankündigung Lauterbachs, die Quarantänepflicht ab 1. Mai abzuschaffen?

Heidi Weber „Mit dieser Entscheidung, gemeinsam mit den Maßnahmen, Schutzausrüstung für Arztpraxen nicht mehr zu finanzieren und die Maskenpflicht im öffentlichen Raum einzustellen, hat der Gesundheitsminister folgendes eindeutiges Signal an die Bevölkerung gesendet: ,Wir lassen dem Coronavirus freien Lauf!‘ Das größte Problem dabei: Dieses Handeln widerspricht in jederlei Hinsicht dem bisherigen Kommunikationsverhalten von Minister Lauterbach als führender Mahner des ,Teams Vorsicht‘.“

Wie gefährlich wäre das aus medizinischer Sicht gewesen?

Weber „Es hätte sicherlich dazu beigetragen, dass das Virus sich weiter verteilt und wir haben ja jetzt schon sehr hohe Infektions- und Reinfektionsraten sowie recht lange Infektionszeiten. Die Gefahr für schwere Verläufe ist immer noch da, besonders bei gefährdeten Menschen höheren Alters oder mit Vorerkrankungen. Wenn wir das jetzt frei herumlaufen lassen würden, würden wir viele Tote riskieren. Hinzu kommt: Wird weniger getestet, gehen auch falsch die Infektionszahlen zurück.

Was halten Sie von dem ganzen Hin und Her? Verliert Lauterbach für Sie damit an Glaubwürdigkeit?

Weber „Absolut. Bisher waren wir Hausärzte froh, dass jemand den Posten eingenommen hat, der lautstark vor dem Virus mahnt und zur Vorsicht rät. Diese, die Bevölkerung sehr irritierende und kaum nachvollziehbare Divergenz zwischen seinem bisherigen Reden und seinem jetzigen Tun wird die Verunsicherung im Umgang mit dem Coronavirus massiv befeuern. Aktuell ist es zum Beispiel ohnehin schwierig Menschen zur Impfung zu motivieren, da sie nicht vor Infektion und in einigen Fällen auch nicht vor schweren Verläufen schützt. Sie schützt allerdings weiterhin zuverlässig vor Krankenhauseinweisungen und das ist wichtig. Wenn Lauterbachs Politik jetzt signalisiert, dass jeder machen kann, was er will, macht er uns damit immer schwerer, Menschen zur Impfung zu bewegen.

Was halten Sie davon, dass er die Entscheidung zurückgenommen hat?

Weber „Das war auf jeden Fall richtig und sicherlich auch nicht einfach. Dennoch darf so was einem Bundesgesundheitsminister nicht passieren. An einem Tag etwas ankündigen und zwei Tage später einfach sagen: ,Entschuldigung, das war falsch.‘ Durch solches Verhalten leidet das Vertrauen zu ihm schon sehr.“