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Corona Region Trier: Wie Impfungen wirken, warum Inzidenzen steigen

Gesundheit : Zahlen aus der Region zeigen: Impfungen wirken – trotzdem beginnt vierte Corona-Welle

Besonders Jüngere erkranken derzeit an Covid-19. Experten aus der Region fordern: Beim Impfen muss es schneller vorangehen. In Trier droht eine Testpflicht in Innenräumen.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt wieder deutlich an. Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht Deutschland am Beginn der vierten Welle. Und das, obwohl fast 60 Prozent der Deutschen vollständig geimpft sind. Ist das ein Zeichen dafür, dass die Impfung nicht wirkt?

„Nein“, sagen Experten. Betroffen von den Infektionen seien vor allem Jüngere, die nicht geimpft sind. Das Durchschnittsalter der Infizierten, die in Krankenhäusern behandelt werden müssten, liege derzeit bei 48 Jahren, erklärt der Trierer Virologe Ernst Kühnen. Und dass die Impfungen wirkten, zeige sich auch in der rückläufigen Zahl der wegen Corona Gestorbenen.  Das RKI meldete am Freitag 13 weitere Corona-Tote. Auch in Rheinland-Pfalz steigt die Zahl seit Wochen nur leicht. In diesem Monat hat es bislang 13 nach einer Infektion mit dem Sars-Cov2-Virus gestorbene Patienten gegeben.

Vierte Corona-Welle trifft die Ungeimpften

„Geimpfte, die sich infizieren entwickeln nur in den aller seltensten Fällen eine schwere Symptomatik“, sagt auch der Immunologe Dirk Brenner vom Luxembourg Institute of Health.  Daher vermittele die Inzidenz ein falsches Bild, meint Kühnen. Die Infektionen beträfen überwiegend Nicht- oder nur einmal Geimpfte. Entsprechend gebe die Inzidenz nicht mehr das Infektionsgeschehen innerhalb der Gesamtbevölkerung wider, sondern nur noch von einem Teil. Daher treffe die mögliche vierte Welle nur noch die knapp 25 Millionen Ungeimpften.

Das zeigt sich auch bei der Betrachtung sogenannter Impfdurchbrüche, also der Infektion von vollständig Geimpften. Laut Landesuntersuchungsamt wurden bislang 627 Fälle registriert. Die Zahl der vollständig Geimpften liegt in Rheinland-Pfalz bei 2,4 Millionen – fast 59 Prozent der Bevölkerung. Insgesamt hat das Amt in diesem Jahr rund 34 000 symptomatische Covid-Fälle registriert. Rund 33 400 davon seien nicht oder noch nicht vollständig geimpft gewesen. Nach Angaben des Landesuntersuchungsamtes hat es in diesem Jahr bislang 85 derartiger Impfdurchbrüche in der Region gegeben. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm seien derzeit etwa 15 Prozent der aktuell Infizierten vollständig geimpft, heißt es aus der dortigen Kreisverwaltung. Aus Bernkastel-Wittlich gelten derzeit zehn vollständig Geimpfte als infiziert bei insgesamt 70 momentan positiv Getesteten.  Aus dem Kreis Vulkaneifel werden vier vollständig Geimpfte als infiziert gemeldet – alle  zeigten nur milde Symptome.

Klare Zeichen dafür, dass Corona-Impfung schützt

Bei den Impfdurchbrüchen werden nur die Personen registriert, die sich aufgrund von Symptomen testen lassen. Brenner geht davon aus, dass die Anzahl der unentdeckten asymptomatischen Infektionen  deutlich höher ist. „Dies sind aber keinen schlechten Nachrichten. Im Vergleich zu Ungeimpften führen Durchbruchsinfektionen nur in den seltensten Fällen zur Einlieferung ins Krankenhaus und zu schweren Verläufen.  Daher sei klar zu erkennen: „Die Impfung schützt.“

Gerhard Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, fordert zugleich, offensiver mit Impfangeboten auf junge Menschen zuzugehen und dabei auch Vereine in Impfungen einzubinden. „Viele junge Leute haben keinen regelmäßigen Hausarzt und vielleicht wenig Lust, sich einen Termin im Impfzentrum zu holen“, sagt der Wittlicher. Dahinter stecke oft keine Impfverweigerung, sondern Bequemlichkeit oder fehlendes Bewusstsein darum, auch in jungen Jahren schwer an Corona erkranken zu können.

Neue Corona-Regeln in Rheinland-Pfalz könnten Trier treffen

In Rheinland-Pfalz gilt ab Montag: Klettert die Inzidenz auf 35, gibt es eine Testpflicht in Innenräumen wie Innengastro, Friseure, Hallenbäder und Hotels. Ausgenommen davon sind Geimpfte, Genesene und Kinder bis 13 Jahre. Eine solche Testpflicht droht Ungeimpften in der Stadt Trier: Dort stieg die 7-Tage-Inzidenz am Freitag auf einen Wert von 39,5.