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Covid-19: So geht es weiter mit dem Corona-Krankenhaus in Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Covid-19 : So geht es weiter mit dem Corona-Krankenhaus in Trier

Kein Intensivpatient mehr, Routine auf der normalen Station. Ein Blick aufs Trierer Gemeinschaftskrankenhaus – mit dem Blick auf Befürchtungen, die medizinische Arbeit, den Umbau und eine Frage, die keiner beantworten will.

Ist das Corona-Krankenhaus in Trier überflüssig? Eine Mitteilung der Stadt ließ dies Anfang der Woche vermuten: Der letzte erkrankte Patient sei entlassen. Unsere Recherche ergab: Das ist nicht falsch – und auch nicht so ganz richtig. Ein Blick auf Patientenzahlen, eine kleine Bilanz und ein Ausblick:

Belegung Das Team im Gemeinschaftskrankenhaus des Klinikums Mutterhaus und des Brüderkrankenhauses behandelte durchgehend Patienten. Allerdings lag davon seit Montag keiner mehr auf der Intensivstation. Zudem liegen dort oft Patienten, deren Testergebnis noch aussteht. Am Freitag meldete das Corona-Gemeinschaftskrankenhaus folgende Zahlen: Kein Patient auf der Intensivstation, keiner in Beatmung, vier Covid-19-Patienten auf der Normalstation, bei zehn weiteren Menschen auf dieser Station stand das Testergebnis aus. Zum Vergleich: 135 Betten auf der Normalstation und 24 Plätze für Intensivpatienten stünden zur Verfügung.

Tests auch bei geringem Verdacht Tim Piepho, Chefarzt der Anästhesie und der Intensivmedizin im Brüderkrankenhaus, leitet gemeinsam mit Oliver Kunitz, Chefanästhesist im Mutterhaus, das Krankenhaus. Er betont, dass die Kliniken immer flächendeckend auf Sars-CoV-2 getestet hätten: „Jeder, der etwa in der Notaufnahme etwas hustet, wird getestet.“ Auch Christian Sprenger, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums Mutterhaus, erläutert: „Wir haben viel getestet. Und kein Patient, der eine andere OP hatte, ist positiv gewesen.“

Die größte Gefahr und Erleichterung Am meisten Bedenken habe man mit Blick auf das Personal gehabt, sagt Sprenger. Mit Blick auf andere Länder habe man so geplant, als ob sich die kompletten im Gemeinschaftskrankenhaus tätigen Mitarbeiter nach 14 Tagen angesteckt haben könnten. Reservepersonal sei bereit gewesen, viele Schulungen absolviert worden. Diese Extremsituation sei aber nicht einmal annähernd eingetreten. Insgesamt hätten sich fünf bis sechs Mitarbeiter infiziert – bei der Hälfte davon sei dies auf Skiurlaube oder entsprechende Kontakte zurückzuführen. So habe es keine Engpässe gegeben. Brüderkrankenhaus-Geschäftsführer Christian Weiskopf sieht dafür ebenso wie Sprenger einen Grund: „Wir hatten keinen Mangel an Schutzausrüstung.“ Die Einkäufer beider Kliniken hätten dafür gesorgt, dass es keine Probleme gegeben habe. Eines ist dabei aber ebenfalls zu hören: Die Kosten für die Ausrüstung seien in den vergangenen Monaten extrem gestiegen. Für die Kliniken entspannt sich die Lage in der Behandlung, finanziell wird es für alle enger, trotz des finanziellen Schutzschirms, den der Bund bis 30. September aufrechterhalten will.

Rückzug und Stand-by-Modus Wegen dieses Datums gehen die Verantwortlichen davon aus, dass sie so lange weiter 20 Prozent der Intensivkapazitäten insgesamt für Covid-19-Fälle sicherheitshalber freihalten müssen. Offiziell sei dies bisher für alle Häuser nur bis Ende Juni, die Verlängerung sei aber wahrscheinlich. Die Trierer Krankenhäuser hätten dabei vom Land eine koordinierende Funktion erhalten: Sie müssen für unsere gesamte Region im Blick behalten, dass diese Reserve besteht. Die gute Nachricht: Derzeit ist dies überall problemlos möglich, und es gibt flächendeckend nur noch wenige Covid-19-Fälle, die behandelt werden müssen.

Leere als gutes Zeichen: Auf der Intensivstation des Corona-Gemeinschaftskrankenhauses wird kein Patient behandelt. Sie ist im Stand-by-Modus, kann aber schnell aktiviert werden. Foto: Thomas Roth

Krankenhaus wird zur Station Das Corona-Gemeinschaftskrankenhaus bleibt bestehen, es wird aber kleiner. Im Mutterhaus Nord werden ab Montag unter anderem wieder normale internistische Patienten untergebracht. Torsten Engler, Chefarzt der Inneren Medizin, und in den vergangenen Wochen zuständig für die Corona-Normalstation, zeigt bei einem kleinen Rundgang durchs Klinikum, dass an einem festgehalten wird: an der Trennung der möglichen Corona-Fälle von anderen Patienten. „Die Wegeführung ist komplett getrennt, wir haben verschiedene Eingänge und Aufzüge.“

Lob der Zusammenarbeit Engler betont, wie gut die Zusammenarbeit zwischen den Teams aus zwei Häusern geklappt habe. Und er erläutert, dass zudem die Zusammenarbeit mit der in der Klinik untergebrachten Radiologiepraxis Walter vorbildlich gewesen sei. Denn ob jemand Covid-19-Patient sei, könne nicht immer nach einem Test sicher gesagt werden. Um sich ein „klinisches Bild“ zu machen, sei der Blick auf den Allgemeinzustand des Patienten notwendig, Röntgen- oder CT-Bilder helfen bei der Abklärung, ob etwa eine beidseitige Lungenentzündung vorliege, ein Symptom, das auf Covid-19 hindeute.


Ausblick
Eines sagen alle Verantwortlichen: Am Krankenhaus sei jederzeit eine Rückkehr in den Corona-Hochbetrieb möglich. Innerhalb einer halben Stunde könnte in der Woche die Corona-Intensivstation hochgefahren werden, zudem gebe es immer schon abgetrennte Intensivbetten. „Wir hatten schon immer mit Infektionen zu tun“, erläutert Christian Sprenger. Nun sei die richtige Zeit, im Mutterhaus Nord neben den internistischen auch wieder psychosomatische Patienten unterzubringen. Eine Rückkehr der Geriatrie sei ebenfalls geplant, voraussichtlich im Juni.

Blick auf das Corona-Gemeinschaftskrankenhaus am Mittwoch – hier noch mit Banner. Ab Montag sollen hier auch wieder andere Patienten behandelt werden, allerdings strikt getrennt. Foto: Thomas Roth

Belegungen ohne Corona Sprenger und Weiskopf betonen, dass die Kliniken in den vergangenen Wochen bereits wieder den Normalbetrieb deutlich ausgebaut hätten. Sprenger spricht von etwa 75 Prozent Auslastung am Klinikum Mitte, Weiskopf von 80 am Brüderkrankenhaus. Dies ist mehr als bei manch anderer Klinik: Geholfen hat dabei sicherlich die sichtbare Trennung des Corona-Krankenhauses von anderen Bereichen. So sei der psychologische Angstfaktor bei Patienten vor einer Ansteckung geringer gewesen. „Anderswo gab es deutlich mehr Absagen“, betont Weiskopf. Nicht zuletzt um diesen Effekt zu erhalten, ist nun das Corona-Banner am Mutterhaus Nord entfernt worden.

Gibt es wieder mehr Corona-Fälle? Bei einer Frage sind alle zurückhaltend. Ob es bei weiteren Lockerungen oder im Herbst und Winter wieder mehr Corona-Patienten geben wird? „Hinterher kann man immer sagen, wir hätten nicht so viel benötigt“, sagt Oliver Kunitz mit Blick auf die Situation bisher. Und immerhin seien etwa 30 schwere Fälle auf der Intensivstation behandelt worden, wesentlich mehr Patienten lagen auf der normalen Station. Piepho und Kunitz sagen, dass Deutschland auch Glück gehabt habe. Wäre es nicht bei einer Karnevalsfeier in Gangelt, sondern in Köln oder Düsseldorf zu einem Ausbruch gekommen, hätten die Zahlen schneller steigen können. Insgesamt habe sich manches schnell entwickelt: „Wir haben unglaublich viele Studien gelesen“, sagt Piepho. Mittlerweile werde nicht mehr so frühzeitig intubiert, zudem sei klarer, wem öfter schwere Verläufe drohten: Starkes Übergewicht sei ein Faktor, Probleme mit Gefäßsystemen ein anderer. „Alle diese Erkenntnisse helfen uns wie die Erfahrungen insgesamt bei einem nächsten Ausbruchsgeschehen“, sagt Piepho. Und schiebt das hinterher, bei dem sich alle einig sind: „Auch wenn wir hoffen, dass es nicht dazu kommt.“