1. Region

Darum sind Schottergärten für Naturschützer ein Grauen.

Umwelt : „Lebendige Gärten“ statt „Gärten des Grauens“

Darum sind Schottergärten für Naturschützer ein Grauen. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium warnt zwar vor einer Gefahr fürs Klima. Ein Verbot steht aber nicht im Raum.

„Wollen Sie hier leben?“ prangt groß auf einem Foto, auf dem ein properes Einfamilienhaus zu sehen ist, davor ein mit Schotter aufgefüllter Garten, in dem vereinzelt kleine, grüne Büsche und drei Minibäumchen stehen. Derart plakativ macht das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Front gegen die sogenannten Schotter­gärten und wirbt für „lebendige Gärten“.

Die Steingärten seien gar nicht so pflegeleicht, wie deren Besitzer glaubten, heißt es in der Präsentation der Landesbehörde. Denn sie müssten Laub auslesen, Unkraut zupfen, die Solitärgehölze von Ungeziefer befreien und eventuell auch die Steine sauber halten.

Schottergärten seien biologisch fast tot, sagt auch eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums.

Sie glichen fast einer Betonfläche und böten anders als begrünte Gärten keine Lebensräume und Nahrungsquellen für Insekten, Vögel und andere Tiere. Jeder noch so kleine naturnahe, „bunte“ Vorgarten habe einen Effekt auf die Insekten der Umgebung, sagt die Ministeriumssprecherin. Steingärten seien schlecht fürs Kleinklima.

„Ohne schützende Bepflanzung oder Schatten spendende Bäume heizen sich Schottergärten in der Sonne viel stärker auf als naturnahe Gärten und strahlen die Wärme abends wieder ab.“

All das klingt so, als würde das Land nun alles dran setzen, um die offensichtlich derart verhassten Gärten des Grauens, wie Umweltschützer die oft pflanzenlosen Vorgärten nennen, zu verbieten. Anders als Baden-Württemberg, das durch eine Änderung des Landesnaturschutzgesetzes die Schaffung von privaten Schottergärten verbieten will, sieht man in Rheinland-Pfalz dafür keine Notwendigkeit.Schließlich sei in der der Landesbauordnung die Begrünung von nicht überbauten Flächen geregelt.

In der Tat heißt es in Paragraf 10 der Bauordnung: „Nicht überbaute Flächen bebauter Grundstücke sollen begrünt werden, soweit sie nicht für eine zulässige Nutzung benötigt werden. Befestigungen, die die Wasserdurchlässigkeit des Bodens wesentlich beschränken, sind nur zulässig, soweit ihre Zweckbestimmung dies erfordert.“

Allerdings hat nach Ansicht von Stadtplanern und Naturschützern dieser Passus keine unmittelbare Konsequenz.

Das hat die rheinland-pfälzische Bauministerin Doris Ahnen (SPD) im vergangen Jahr in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage auch letztlich so bestätigt. Sie sprach im Zusammenhang mit dem entsprechenden Paraagrafen der Landesbauordnung von einer „allgemeinen Begrünungsregelung“, auf deren Grundlage die Gemeinden über eine örtliche Bauvorschrift etwa die Gestaltung der unbebauten Flächen von Baugrundstücken regeln können. Einen „gesetzgeberischen Handlungsbedarf“ hat Ahnen daher laut ihrer Antwort nicht gesehen.

Daher reagieren immer mehr Kommunen mit entsprechenden Vorschriften in Bebauungsplänen, mit denen Schottergärten verboten werden sollen.

Die Grünen wollen ein solches Verbot auch für Trier. In einem „Maßnahmenkatalog zur Linderung der Klimafolgen in der Stadt Trier“ verlangen sie nicht nur die Begrünung von Vorgärten sondern auch ein „Gebot zur Begrünung von Flachdächern und fensterlosen Fassaden“.

Die Gemeinde Morbach hat kürzlich eine ökologische Initiative gestartet. Bürgermeister Andreas Hackethal hat die Kommunalpolitiker in den 19 Ortsbezirken der Gemeinde gebeten, Vorschläge für die Gestaltung von innerörtlichen Grünflächen und „für die Entwicklung von ökologisch wertvollen Blumenwiesen auszuweisen“.

In Nordrhein-Westfalen haben Naturschutzverbände eine Volksinitiative gestartet, unter anderem gegen Schottergärten. Mit der Unterschriftensammlung solle ein Signal für mehr Artenvielfalt auf dem Land und in den Städten gegeben werden, sagte die Vorsitzende des Naturschutzbundes Nabu, Heide Naderer. In Bayern ist es Naturschützern mit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ gelungen, dass der Landtag dort strengere Regeln im Umwelt-, Natur- und Artenschutz verabschiedet hat. Fast 1,75 Millionen Menschen hatten das Volksbegehren unterschrieben. Die Unterschriftensammlung habe viele sensibilisiert, sagt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund. Dennoch sehe man vielerorts weiter „Schottergärten“ und kurz gemähte Rasenflächen. „Wenn man in so eine Neubausiedlung hineinschaut, dann ist das nicht nur für Insekten eine Wüste.“ Dennoch sehe man vielerorts weiter „Schottergärten“ und kurz gemähte Rasenflächen.

 Beispiele für versiegelte und mit Schotter aufgefüllte Vorgärten. In einigen Kommunen sind diese bei Neubauten verboten.
Beispiele für versiegelte und mit Schotter aufgefüllte Vorgärten. In einigen Kommunen sind diese bei Neubauten verboten. Foto: picture alliance/dpa/Aydin
Darum sind Schottergärten für Naturschützer ein Grauen.
Foto: picture alliance/dpa/Carmen Jaspersen

Vor allem Wildbienen seien bedroht. Bundesweit leben etwa 580 Arten, an die 40 gelten als ausgestorben.