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Justiz
Geld zurück, Fall erledigt

Daun/Gerolstein. Bei einem Betrugsfall, in dem es um den Verkauf eines teuren Teppichs ging, ist das Urteil gesprochen worden. Das Verfahren wurde trotz „Bauchschmerzen“ des Staatsanwalts eingestellt. Von Lydia Vasiliou

  Das ging schnell: Die Verhandlung am Amtsgericht Daun, in der es um einen teuren Teppich ging, war in weniger als einer halben Stunde erledigt und das Verfahren wurde eingestellt. Was zunächst nach einem Betrug ausgesehen hatte, war dann doch nicht so, wie Richterin Julia Schmitz-Garde erkannte.

Der 29-Jährige Angeklagte aus Mönchengladbach soll Ende 2016 einer 76-Jährigen aus Gerolstein 500 Euro abgezwackt haben, um ihren Teppich zu verkaufen. Dieser wurde von einer hiesigen Teppichfirma zuvor für 2500 Euro gereinigt und im Juli 2016 ordnungsgemäß zurückgegeben.

Am gleichen Tag soll die ältere Dame den Verkauf des Teppichs auf Kommissionsbasis beauftragt und ihn an den Beklagten ausgehändigt haben. Innerhalb von sechs bis acht Wochen sollte der Verkauf des 20 000 Euro teuren Teppichs getätigt sein.

Mit dem Hinweis, er habe einen Käufer in den Vereinigten Staaten USA gefunden, verlangte der Angeklagte im Dezember von der Geschädigten 700 Euro, um damit Zollgebühren zu bezahlen.

Die Frau hatte aber nur 500 Euro im Haus, die der Angeklagte dann auch nahm. Der Verkauf platzte, der Teppich wurde Anfang vergangenen Jahres zurückgegeben, das Geld aber nicht. Außerdem soll der Angeklagte einen falschen Namen, Herr Weber, benutzt haben, sagte Staatsanwalt Stefan Buch. Das aber „war ein Witz von der Frau, sie habe ihn so genannt“, erwiderte der Verteidiger Nicolai Mameghani.

Für alle, die sich die Gerichtssendungen im Fernsehen früher mal angeschaut haben, kein Unbekannter, mimte er doch in der Sendung „Barbara Salesch“ den Staatsanwalt. Äußerst redegewandt verteidigte er seinen Mandanten und meinte, dass dieser für den Verkauf eine Provision von zehn Prozent bekommen hätte und den zuvor erhaltenen Betrag als Vorschuss und Aufwandsentschädigung ansah. Außerdem habe er die 500 Euro heute dabei und werde sie der Frau zurückgeben.

„Man könnte sagen, er hat die Geldforderung falsch formuliert“, sagte Mameghani, „er wollte weder das Geld noch den Teppich stehlen, er hätte auch den Teppich nehmen und gehen können“. Wiederholungsgefahr sei ausgeschlossen, das Geschäft existiere nicht mehr und man sehe sich am Gericht in Daun sowieso nicht wieder. Sein Vorschlag: Die 500 Euro seien nie angemahnt oder eingeklagt worden. Sein Vorschlag: die Anklage fallenlassen. „Wenn er denkt, er habe einen Anspruch, kann man ihm keinen Betrug unterstellen“, betonte die Richterin am Amtsgericht Daun, Julia Schmitz-Garde, „ich würde mitmachen.“ Der Angeklagte habe damit einen Vorschuss auf seine Verkaufsmarge haben wollen. Nur mit Bauchschmerzen würde er sich darauf einlassen, sagte der Staatsanwalt, „bei den Vorstrafen und dem laufenden Bewährungsverfahren.“ Dennoch stimmte er zu, und das Verfahren wurde vorläufig eingestellt. 

Die 500 Euro sind zurückzuzahlen, die Kosten trägt die Staatskasse. Zeugen und auch die angeblich Geschädigte selbst wurden nicht mehr gehört. Mit strahlenden Augen nahm die Frau am Ende das Geld entgegen.