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2,2 Kilometer auf dem Weg zum Lückenschluss

Dreis-Brück. Die A 1 ist seit gestern ein Stückchen länger. Zwischen den Anschlussstellen Gerolstein und Kelberg rollt nun der Verkehr. Politiker und viele Bürger hoffen, dass die Autobahn zügig weiter gebaut wird. Demonstrationen für oder gegen den Ausbau der Strecke bis Blankenheim gab es bei der Freigabe nicht. Alexander Schumitz



Die Orte Trier und Koblenz auf dem blauen Autobahnhinweisschild sind noch mit zwei orangefarbenen Balken verdeckt. Auf der Autobahnauffahrt Kelberg beim Industriegebiet Radersberg reihen sich viele Autos aneinander. Ganz vorne stehen die Dienstwagen des rheinland-pfälzischen Infrastrukturministers Roger Lewentz (SPD) und von Stefan Krause, der das Bundesverkehrsministerium vertritt.
Rund 200 Menschen sind zur Anschlussstelle Kelberg gekommen, darunter viel Politprominenz aus der Region. Alle warten darauf, dass Lewentz und Krause das schwarz-rot-goldene Band durchschneiden und den Abschnitt offiziell für den Verkehr freigeben. Bereits seit Oktober 2010 rollte der Verkehr zwischen Daun-Rengen und Gerolstein, seit gestern auch auf dem Teilstück zwischen den Anschlussstellen Gerolstein und Kelberg.

Gundolf Schmitz aus Dreis-Brück ist auch zur Feier gekommen. Er erzählt, dass bereits sein Großvater in den 1930er Jahren davon geträumt hätte, dass die Eifelautobahn zügig realisiert würde. Er fragt sich, "was dieser Teilausbau für einen Sinn macht, wenn nicht weitergebaut wird". Ein Satz, der immer wieder in Gesprächen zu hören ist, die während der Eröffnungszeremonie geführt werden. Auch für Minister Lewentz ist klar: "Mir sind nur Argumente bekannt, die für einen Weiterbau der A 1 sprechen." Wichtig sei deshalb, die Finanzierung der Fernstraße sicherzustellen. Die sechs Kilometer zwischen Daun-Rengen und Kelberg haben 60 Millionen Euro gekostet.

"Die 30 Kilometer große Lücke zwischen hier und Blankenheim schreit danach, geschlossen zu werden", sagt Ministerialrat Krause. Die A 1 sei eine der wichtigsten europäischen Transitstrecken, die Heiligenhafen (Schleswig-Holstein) und Saarbrücken miteinander verbinde. Das Bundesverkehrsministerium kalkuliere bei der weiteren Planung der Strecke mit mehr als 25 000 Fahrzeugen täglich.

Obwohl sich der Leiter des Landesbetriebs Mobilität Gerolstein, Harald Enders, darüber freut, dass die Autobahn jetzt bis zum Industriegebiet Radersberg führt, fordert er, dass der Bau des fehlenden Stücks bald beginnt. "Das Gewerbegebiet wartet auf die Fertigstellung der Autobahn."

Ottmar Michels aus Daun schüttelt den Kopf und sagt: "Für mich ist dieser schrecklich langsame Ausbau der Autobahn eine Blamage für die Landesregierung." Er versteht nicht, dass nach 16 Jahren die Lücke bis Blankenheim immer noch da ist.

Ein einziges Plakat, das den Ausbau der A 1 fordert, begleitet die Verkehrsübergabe des Autobahnabschnitts. Spediteure, die mit ihren Trucks für den Lückenschluss demonstrieren wollten, waren keine zu sehen. Auch die Autobahngegner ließen sich bei der Eröffnungsfeier nicht sehen.