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Ahmed liebt Daun und die deutsche Sprache: Syrischer Flüchtling erzählt seine Leidensgeschichte

Möchte gern in Daun bleiben: Ahmed Daud aus Syrien. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Möchte gern in Daun bleiben: Ahmed Daud aus Syrien. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Daun. Vor gut zwei Jahren ist Ahmed Daud aus Syrien geflohen, seit einem Jahr lebt er in Daun. Der 26-jährige Kurde spricht gut Deutsch und arbeitet stundenweise. "Es gefällt mir hier, aber ich habe auch Alpträume und Angst", sagte er im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. Brigitte Bettscheider

Bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien (siehe Hintergrund) lebte Ahmed Daud mit seinen Eltern und seinen vier Geschwistern in der Hauptstadt Damaskus. Heute ist nur noch sein Vater dort. Die übrigen Familienmitglieder sind in Bonn. Und Ahmed in Daun.

Am 18. Juli 2012 verließ er nach seinem ältesten Bruder als Zweiter aus der Familie seine Heimatstadt, in der der Krieg tobt, Häuser zerstört sind und Tote in den Straßen liegen. "Ich habe meinen besten Freund mit meinen eigenen Händen begraben", erzählt er. Und: "Ich habe so viel Blut gesehen." Ahmed Daud war zwei Jahre beim Militär gewesen, und die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder eingezogen würde, war sehr groß. Das wäre für ihn nicht infrage gekommen, betont er. Blieb nur die Flucht - zu Fuß und mit dem Bus, allein, über die türkische Grenze, weiter nach Bulgarien, wo er vier Monate im Gefängnis saß.

Im Herbst 2013 kam er in der Flüchtlings-Erstaufnahme-Einrichtung in Trier an. Acht Wochen später wurde ihm in der Dauner Wirichstraße eine kleine Wohnung zugewiesen; inzwischen lebt ein junger Iraner bei ihm. Alpträume und Angst plagen ihn seit der Flucht. Ahmed Daud wird psychologisch betreut. Aber er hat Arbeit: sieben Stunden die Woche in der Küche der Pizzeria Lo Stivale. Es gefalle ihm gut in der kleinen Stadt Daun, die Leute seien nett, er werde von der Ausländerbehörde gut unterstützt, bisher habe er nur positive Erfahrungen gesammelt.

Ahmed Daud erzählt dem TV seine Geschichte in gut verständlicher Sprache; ab und zu nimmt er den Übersetzer auf seinem Smartphone zu Hilfe. Dabei konnte er kein Wort Deutsch, als er nach Trier kam. "Ich lerne jeden Tag neue Wörter", sagt er lachend. "Ich liebe die deutsche Sprache."

Der junge Syrer - als Kurde ist er Mitglied der größten nichtarabischen Bevölkerungsgruppe seines Landes und gehört damit einer Minderheit an - möchte in Deutschland bleiben, am liebsten in Daun. Dahinter steht allerdings ein großes Fragezeichen. Weil über Ahmeds Ausweis "Aussetzung der Abschiebung (Duldung)" (siehe Extra) steht und weil das Dokument immer nur drei Monate gültig ist. "Ich habe jedes Mal Angst, dass es nicht verlängert wird", sagt er.
Sein größter Wunsch? Ahmed Daud schaut ratlos. Dann gibt er die Wörter in den Übersetzer ein. Und lacht. "Eine liebe Frau, einen technischen Beruf und die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis!"Extra

Seit 2011 herrscht Bürgerkrieg in Syrien zwischen Truppen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad und den Kämpfern verschiedener Oppositionsgruppen. Die ursprüngliche Motivation der Opposition, die Demokratisierung Syriens zu erreichen, spielt seitdem nur noch eine geringe Rolle. Der Kampf aus religiösen und ethnischen Gründen trat in den Vordergrund. Die Vereinten Nationen geben an, dass zwischen März 2011 und April 2014 mehr als 190 000 Menschen getötet wurden, dass ungefähr 2,6 Millionen Syrer aus ihrem Land geflohen und mehr als neun Millionen innerhalb Syriens auf der Flucht sind. bbExtra

Duldung ist die vorübergehende Aussetzung der Abschiebung eines Ausländers, der sich in Deutschland ausreisepflichtig aufhält. Sie dient ausschließlich dazu, dem Ausländer zu bescheinigen, dass er ausländerbehördlich registriert ist und von einer Durchsetzung der bestehenden Ausreisepflicht für den genannten Zeitraum abgesehen wird. Grundsätzlich dürfen geduldete Personen nicht arbeiten. Jedoch kann im Rahmen einer Ermessungsentscheidung eine Beschäftigung gestattet werden. bb