| 20:38 Uhr

Altes Theater, frisch interpretiert

Petrucchio alias Matthias Fuhrmeister versucht die widerspenstige Katharina (Sabine Weithöner) zur Ehe zu überreden. TV-Foto: Nora John
Petrucchio alias Matthias Fuhrmeister versucht die widerspenstige Katharina (Sabine Weithöner) zur Ehe zu überreden. TV-Foto: Nora John
Daun. Der Dauerregen am Samstag macht eine Open-Air-Aufführung von "Klassik auf dem Vulkan" auf dem Burghof unmöglich. Das tut dem Vergnügen der rund 120 Zuschauer im Dauner Forum aber keinen Abbruch, denn es ist eine gelungene Aufführung des Ensembles aus Dinslaken. Nora John

Daun. Ein widerspenstiges Weib, eine schöne Tochter, viele Verehrer und einige Wirrungen und Irrungen. Das ist der Stoff, aus dem William Shakespeare, der jetzt 450 Jahre alt wäre, die Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung" geschrieben hat.
Amüsant ist die Geschichte noch heute, wenn auch von ihrer Botschaft schon etwas veraltet. Wenn die erst widerspenstige und später gezähmte Katharina, gespielt von Sabine Weithöner, am Schluss darüber schwärmt, wie gut es ist, wenn das Weib dem Manne unterwürfig ist, dann ist das aus heutiger Sicht schon sehr befremdlich. Das Landestheater Burghofbühne Dinslaken hat es aber geschafft, eine frische Interpretation des Stückes auf die Bühne zu bringen.
Und so deutet schon der Beginn der Aufführung darauf hin, dass hier nicht nur alt ehrwürdiges Theater gespielt wird. Es poltert hinter dem noch geschlossenen Vorhang. Ein Mann tritt vor das Publikum und gibt zu, dass der größte Teil des Ensembles nach einem Gastspiel in Itzehoe noch auf der Autobahn feststeckt. Man muss improvisieren und auf die Schnelle ein neues Team von Schauspielern zusammenstellen. Insgesamt acht Mimen sind es schließlich, die teilweise in mehrere Rollen schlüpfen und dem Shakespeare-Stück eine besondere Note geben.
Da ist zum Beispiel Lara Christine Schmitt, die zum einen als begehrte Bianca auftritt, um die sich mehrere Männer streiten. In einer zweiten Rolle mimt sie den buckligen, rülpsenden und ständig sabbernden Diener von Petruchio, dem Freier und späteren Ehemann der widerspenstigen Katharina.
Durch den dramaturgischen Trick mit der angeblichen Spontanbesetzung der Rollen, sind auch die Kostüme nicht sehr aufwendig. Die Schauspieler agieren in Jeans und Turnschuhen. Die zeitliche Einordnung des Stücks ist nur durch die damals üblichen Jacken und vor allem die üppigen Krägen zu erkennen. Dabei kommt es auch zu absurden Doppelbesetzungen, wenn Markus Rührer zum einen den verschmähten Liebhaber Hortensio gibt, zum anderen aber auch eine liebestolle Witwe im Tutu. Feine amüsante Akzente werden gesetzt, wenn beispielsweise Baptista, gespielt von Anton Schiffer, die Handbewegung der Merkel-Raute andeutet.
Alles in allem ist es für die Zuschauer ein kurzweiliger Abend, wenngleich die Aufführung auf dem Burghof noch eine weitere besondere Note gegeben hätte.