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Attacke vom Stadtturm aus

Alteingesessener Gerolsteiner vor historischem Gebäude: Stadtbürgermeisterkandidat Ewald Wollwert vor dem Stadtturm, der ihm gehört und in dem er wohnt.Foto: Mario Hübner
Alteingesessener Gerolsteiner vor historischem Gebäude: Stadtbürgermeisterkandidat Ewald Wollwert vor dem Stadtturm, der ihm gehört und in dem er wohnt.Foto: Mario Hübner
GEROLSTEIN. Attacke aufs Rathaus: Aus Empörung über die CDU-Vorschläge, den oberen Teil der Fußgängerzone aufzugeben, hat sich um Anwohner und Geschäftsmann Gerd Möller eine 14-köpfige Bewerberliste für den Stadtrat gegründet. Zudem stellt die Gruppe einen eigenen Stadtbürgermeisterkandidaten: den früheren FWG-Stadtrat Ewald Wollwert (65). ARRAY(0x18cec66a0)

"Noch vor ein paar Wochen habe ich nicht daran gedacht, als Stadtbürgermeister zu kandidieren", sagt Ewald Wollwert. Ein "Schock" sei für ihn das Vorhaben der CDU gewesen, den oberen Teil der Fußgängerzone für den Verkehr zu öffnen. Wollwert sagt: "Wer so einen groben Unfug anzettelt, von dem sind in Zukunft noch weitere große Fehler zu erwarten." Das zu verhindern, sei seine Hauptmotivation, sagt der 65-Jährige, der vor einem halben Jahr von seinem Job als Chef der Berufsberater in der Region Trier in den Ruhestand gegangen ist. Er fügt hinzu: "Jetzt habe ich Zeit, und ich bin fit." Und er hat Erfahrung in Sachen Stadtpolitik: So war Wollwert von 1980 bis 1994 für die Freien Wähler im Stadtrat und zudem einige Jahre Ortsvorsteher der Kernstadt - als es diesen Posten noch gab. Aufgefallen ist er damals auch durch harsche Wortwahl. "Ich werde nach wie vor die Dinge beim Namen nennen, und da kann auch mal ein Ausrutscher dabei sein", sagt Wollwert, der heute die alten Zeiten aber lieber ruhen lassen möchte. Die, in denen die Freien Wähler mit der SPD zunächst die Mehrheit im Stadtrat gestellt und Georg Linnerth zum Stadtbürgermeister gemacht haben, es später zum Zerwürfnis der Freien mit dem Kandidaten kam, das in der Kampagne gegen ihn im Verbandsbürgermeisterwahlkampf 2001 gipfelte. Wollwert räumt ein, dass auch er "keine Patentlösung" für die Fußgängerzone habe ("Von zehn Befragten bekommt man zehn unterschiedliche Meinungen."). Und dennoch ist er sich sicher zu wissen, wo und wie anzusetzen ist. Er sagt: "Die Fußgängerzone hatte nie eine echte Chance, sich zu entwickeln, weil die Rahmenbedingungen nie stimmten." Wollwert nennt zwei zentrale Punkte: erstens die Kundenführung via Beschilderungssystem. Wollwert: "Daran wird seit zehn Jahren herumgedoktert, ohne dass etwas Brauchbares dabei herausgekommen ist." Daher müssten nun die Kräfte gebündelt werden, "um endlich eine qualifizierte Lösung hinzubekommen". Zweitens die "Kaufkraft-Erhöhung". Die soll dadurch erreicht werden, dass "wir das in die Waagschale werfen, was wir vorzuweisen haben - den Wander- und Jagdtourismus." Wollwert spricht sich dafür aus, dass die Stadt das "unglaubliche Vermögen - nämlich den Wald und damit auch die Jagd - selbst nutzt" -, und zwar, indem sie nicht Reviere verpachtet, sondern selbst bewirtschaftet und "Abschüsse und Begehungsrechte verkauft". Mehr Einnahmen für die Stadtkasse erwartet er so zwar nicht unbedingt, dafür aber "indirekt positive Effekte". Er sagt: "Die Leute, die so etwas nutzen, sind ja in aller Regel betucht: Und während der Mann jagt, kommt die Frau zum Einkaufen in die Fußgängerzone." Denkbar sind für den Kandidaten "Jagd-Wochenendarrangements", durch die die heimische Hotellerie zudem gestärkt würde.Viele Dinge, die man "besser machen kann"

Und da gebe es noch andere "Dinge, die mich schon seit langem an der Stadtpolitik gestört haben, die man besser machen kann", behauptet Wollwert. Einerseits würden großzügig Investitionen getätigt, die wieder andere Investitionen nach sich ziehen würden. Er fragt: "Kann es sich die Stadt einerseits leisten, sieben Sportanlagen in der Stadt- und den Stadtteilen zu unterhalten?" Andererseits würde immer, wenn die Finanzen eng würden, zuerst "bei der Jugend und in den Kindergärten gespart". Trotz aller Kritik: Die etwa zwei Jahre alte Marketing-Runde befürwortet Wollwert uneingeschränkt - vor allem wegen der vorbildlichen Form der Bürgerbeteiligung. "Das ist ein sehr guter Weg", sagt Wollwert und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: "In Gerolstein läuft ja auch nicht alles schief."