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Auf der Suche nach gefährlicher Strahlung

Übungen und Fortbildungen halten das Team der Wetterwarte auf dem aktuellen Stand.Tv-Foto: Marius Reichert
Übungen und Fortbildungen halten das Team der Wetterwarte auf dem aktuellen Stand.Tv-Foto: Marius Reichert
Barweiler. Der kleine Ort Barweiler im Landkreis Ahrweiler (VG Adenau) hat bundesweite Bedeutung - wissenschaftlich gesehen. Denn er gehört zu einem Netz von 40 Wetterbeobachtungsstationen des Deutschen Wetterdienstes, die meteorologische Daten ermitteln und auch die Radioaktivität in der Atmosphäre überwachen. Marius Reichert

Barweiler. In der Porzellanschale über dem 90 Grad heißen Sandbad brodelt es leise. Wettertechniker Ronald Maltha von der Wetterwarte Nürburg-Barweiler des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist ganz in seinem Element. In dem kleinen Labor im Kellergeschoss herrscht andächtige Ruhe.
Das wasserklare Süppchen mit den winzigen Partikeln ist voller Erkenntnisse. Es ist verdampftes Regenwasser, das aus den Auffangbehältern draußen im Garten der Wetterstation stammt - nicht mehr und nicht weniger.
Doch übrig bleiben die im Niederschlag transportierten Aerosole, und Maltha bestimmt deren Radioaktivität. Es ist weniger die Menge des Niederschlags als vielmehr die Zahl und Art der Partikel, die mit dem Regen, Nebel oder in der Luft transportiert werden, die ihn interessieren. Falls es nicht geregnet hat, wird der Staub, der sich im nahezu quadratmetergroßen Sammelbecken abgesetzt hat, mit destilliertem Wasser eingeschwemmt. Im aktuell sechsköpfigen Team rund um Leiter Bernd Eisbach ist er für die Überwachung der Radioaktivität in der Atmosphäre zuständig.
Täglich Meldung nach Offenbach


Maltha ist ein Profi auf seinem Gebiet: Eine Fortbildung für Radioaktivitätsmessungen hat er beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach absolviert. Barweiler gehört zum bundesweiten Netz von 40 Wetterbeobachtungsstationen des Deutschen Wetterdienstes, die nicht nur meteorologische Daten ermitteln, sondern auch ständig die Radioaktivität in der Atmosphäre überwachen.
Gemessen werden in Barweiler die Energiemengen der Alpha-, Beta- und Gammastrahlung der Luftpartikel oder Aerosole. Diese Teilchen werden entweder aus dem Niederschlag oder direkt aus der Luft gewonnen. Dafür steht Maltha früh auf: Sein Arbeitstag beginnt um 5.30 Uhr Weltzeit - 6.30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit.
Während das Wasser auf dem Sandbad langsam verdampft, hat Maltha Zeit, sich um die Verunreinigungen in der Luft zu kümmern. Im Nebenraum läuft rund um die Uhr der Motor des Staubprobensammlers. 110 Kubikmeter Außenluft saugt die Pumpe pro Stunde an, leitet sie durch einen Glasfaserfilter von etwa 30 Zentimeter Durchmesser und wieder nach draußen.

Einmal pro Woche, jeweils montags, wird der Filter ausgetauscht. Zusätzlich werden alle zwei Stunden und alle 24 Stunden Luftanalysen an die Zentrale nach Offenbach gemeldet. Ob Luft oder Niederschlag - Standard für die Messungen ist der Tagesrhythmus. p"Natürlich beeinflusst die Zahl der Partikel auch die Intensität der Strahlung", erklärt Ronald Maltha. Normal liege sie in Barweiler in einer Größenordnung um 200 Millibecquerel, so der Experte weiter. "Im Vergleich zu den mehreren 10 000 Millibecquerel, die im April 1986 nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl gemessen wurden, sind das allerdings harmlose Größenordnungen, die der natürlichen Umgebungsstrahlung entsprechen."
Neben den ausschließlichen Tagesproben gibt es auch eine permanente Luftmessung. Dazu nutzt Maltha eine Schrittfilteranlage, bei der ein Filterband mit Luft besaugt und alle zwei Stunden ausgewertet wird. Neben den Schritt- und Tagesfiltern gibt es auch Wochenfilter.
Die Messergebnisse werden somit täglich, wöchentlich und als Summe auch monatlich online in die Zentrale des Deutschen Wetterdienstes nach Offenbach übertragen. Sollten dabei seltene Nuklide wie Cäsium 137 oder Jod 131 in auffallend erhöhter Konzentration auftreten, wird automatisch Alarm geschlagen. Ronald Maltha erinnert sich: "Nach dem Reaktorunfall in Fukushima konnten wir hier an einem Tag eine geringe Konzentration von Jod 131 feststellen."